Mehr Kontrolle

„Kein rechtsfreier Raum“: Südtirol führt heikle Sicherheitsmaßnahme im Nahverkehr ein

  • schließen

Südtirol reagiert entschlossen: Buskontrollen mit Bodycams sollen nicht nur für Sicherheit sorgen, sondern auch Gewaltverbrechen aufklären. Ein drastischer Schritt im Nahverkehr.

Bozen – In Südtirol sind seit Anfang Mai die Kontrollkräfte der Busdienste Sasa mit Bodycams ausgerüstet. Dies geht aus einer Pressemitteilung der autonomem Provinz Bozen (Italien) hervor. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Sicherheit in den Bussen zu erhöhen und Gewaltverbrechen vorzubeugen.

Die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr hat für die Gemeinde oberste Priorität. Aus diesem Grund hat die Inhouse-AG Sasa in Zusammenarbeit mit dem Land als Auftraggeber der Busdienste die Präsenz von Sicherheitspersonal schrittweise erhöht: „Ein Autobus ist kein rechtsfreier Raum. „Wir setzen alles daran, die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln für die Fahrgäste angenehm und sicher zu machen“, betont Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider.

Neue Sicherheitsmaßnahme in den Bozen-Bussen: Einsatz von Bodycams zur Eskalationsprävention

Eine neue Ergänzung dieser Bemühungen ist die Ausstattung des Kontrollpersonals mit Bodycams. Diese Kameras sollen nicht nur Beweismaterial bei Übergriffen, Diebstählen oder Beschädigungen liefern, sondern auch dazu beitragen, Eskalationen zu verhindern. SASA-Präsidentin Astrid Kofler erklärt: „Studien zeigen, dass diese Technik in Einsatzsituationen hilfreich sein kann und zur Deeskalation beiträgt.“

Bozen wagt einen Schritt gegen Gewaltverbrechen im öffentlichen Nahverkehr.

Der Datenschutz und die Vertraulichkeit sollen dabei nicht zu kurz kommen. Die Privatsphäre der Fahrgäste würde streng respektiert, wie die Sasa AG betont. Die Aufnahmen der Bodycams würden ausschließlich von autorisiertem Personal gemäß den Datenschutzbestimmungen behandelt. SASA-Generaldirektor Ruggero Rossi de Mio fügt hinzu: „Es gibt nur bestimmte befugte Personen, die das Material sichten dürfen.“

Südtirol (Italien): Ähnliche Maßnahmen auch in Deutschland

Die Frage, ob derartiges auch in Deutschland denkbar wäre, stellt sich gar nicht erst. Denn auch in den Regionalzügen der Deutschen Bahn haben die Zugbegleiter in Hamburg und im Norden zukünftig die Möglichkeit, Bodycams zu tragen, um die Sicherheit zu verbessern. Grund hierfür ist, dass die Zahl der Übergriffe in Deutschland zuletzt gestiegen ist: „Wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bekommen auch wir mehr Aggressivität zu spüren. Respektlosigkeiten und Angriffe nehmen überall zu, in Parks, auf Straßen und Plätzen genauso, wie in unseren Bahnhöfen und Zügen“, erklärt DB-Pressesprecherin Luise Gunga auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA.

„Weil die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oberste Priorität hat, stattet DB Regio nun Kundenbetreuer:innen im Nahverkehr sukzessive und auf freiwilliger Basis bundesweit auf ausgewählten Strecken mit BodyCams aus. [...] Die Aufzeichnungsfunktion der Bodycam (nur Bild, kein Ton) wird nur in eskalierenden Situationen und nach deutlicher Ansage aktiviert“, so Gunga.

Im Nahverkehr sieht es hier allerdings noch anders aus. Auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA erklärte Christoph Kreienbaum von der Hamburger Hochbahn: „Aktuell gibt es bei der Hochbahn bzw. der für uns tätigen Hochbahn-Wache keine konkreten Pläne zum Einsatz von Body-Cams. Wir stehen gleichzeitig in einem engen Kontakt zu den verantwortlichen Behörden und den Unternehmen der Branche und beobachten die Entwicklungen und Erkenntnisse aus Projekten dieser Art.“

Bei der Polizei scheint der Einsatz derartiger Kameras den Beamten bei der Arbeit bereits zu helfen. Und auch Supermärkte, wie Lidl, spielen mit dem Gedanken, ihrem Personal ein drittes Auge zu verpassen. (ls)

Rubriklistenbild: © Südtirolfoto/Imago

Kommentare