Dioxin-Alarm

Brand auf Sizilien: 80.000 Menschen droht Vergiftung – ausgerechnet Fleisch-Verbot soll helfen

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Ausnahmezustand in Palermo: Starker Wind schürte die Feuer rund um die sizilianische Hauptstadt Ende Juli an.
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Feuer wüteten tagelang im Süden Italiens. Jetzt herrscht Dioxin-Alarm auf der Urlaubsinsel Sizilien. Ungewöhnliche Maßnahmen sollen Anwohner schützen.

Palermo – Schwarze Rauchwolken zogen über Palermo (Italien). Die Hügel um die sizilianische Hauptstadt standen in Flammen. Zudem brannten Container mit Plastik-Abfall auf der städtischen Mülldeponie Bellolampo – vier Tage lang. Giftige Stoffe, wie Dioxine, PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und Furane verpesteten die Luft. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist zunächst noch unklar. Die ersten Daten der regionale Umweltschutzbehörde ARPA Sicilia sind aber bereits alarmierend. Der Bürgermeister von Palermo hat jetzt vorsorglich eine Anti-Dioxin-Verordnung beschlossen.

Dioxin-Alarm in Palermo: In einem Umkreis von vier Kilometern rund um die Mülldeponie darf kein Fleisch oder Eier gegessen werden.

Dioxin-Alarm auf Sizilien: 80.000 Bewohner in Palermo von

Dioxin-Alarm gilt in Palermo im Umkreis von vier Kilometern von der Mülldeponie Bellolampo. Bis mindestens 15. August gelten für 80.000 Menschen in Palermo und den angrenzenden Gemeinden Torretta und einen Teil von Capaci Verbote und besondere Maßnahmen, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Laut der lokalen Nachrichtenseite palermotoday.it habe der Bürgermeister Roberto Lagalla folgendes angeordnet:

  • Fleisch, Milchprodukte und Eier dürfen nicht verzehrt werden. Das betrifft vor allem alle Produkte, die nach dem 24. Juli in der Region hergestellt wurden.
  • Obst und Gemüse aus diesem Umkreis muss vor dem Verzehr gründlich gewaschen und die Früchte ohne Schale müssen verzehrt werden.
  • Futtermittel aus diesem Gebiet sollen wegen einer möglichen Kontamination ausgesetzt werden. So gilt für Tiere in der Region ein Weideverbot.
  • Alle Straßenflächen (öffentlich und privat) werden sorgfältig gereinigt.

Dioxin-Alarm nach Bränden in Palermo: Tierärzte nehmen erste Proben

Tierärzte haben mit Kontrollen der Milch auf Bauernhöfen in der Gegend rund um die Mülldeponie begonnen, berichtet das Portal livesicilia.it. Milchproben sollen demnach auf mögliche Dioxin-Spuren in einem Spezial-Labor untersucht werden. In einer Woche wird mit den Ergebnissen gerechnet.

Dioxin, bekannt als das „Seveso-Gift“ ist fast überall in der Umwelt und in Nahrungsmitteln nachweisbar. Anna Abita, Leiterin der Betriebseinheit des ARPA-Luftqualitätskomplexes, erklärte, Ansa zufolge, dass der giftige Stoff „nicht gefährlich für die Atmung, sondern für die Einnahme“ sei, weil „er sich im Boden festsetzt und in die Nahrungskette gelangt: Gemüse, Milch, Fleisch“. Deswegen sollte Obst und Gemüse gründlich gewaschen sowie Obst auch ohne Schalen verzehrt werden.

Derweil kämpft man in dem südeuropäischen Land auch mit ganz andern Problemen. In Italien bleiben in einer Urlaubsregion die Gäste weg – und zwar nicht nur aus dem Ausland. (ml)

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