Erschöpfung an Weihnachten?

Mental Load: Kann die „Fair Play Methode“ Mütter entlasten?

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Mütter brauchen Entlastung, das zeigen zahlreiche Studien. Nicht zuletzt, weil sie häufig einen Großteil der unsichtbaren Aufgabenlast, den sogenannten “Mental Load“ tragen.

Viele Mütter sind erschöpft. Nicht nur wegen Schlafmangel, Zeitdruck und ständiger Ansprechbarkeit gegenüber dem Kind. Auch wegen der unsichtbaren mentalen Last, die sie Tag für Tag tragen. Der „Mental Load“ ist eine Art von Arbeit, die man nicht sehen kann und die doch im Alltag viel Raum einnimmt. Sei es die Organisation von Arztterminen, Kindergeburtstagen oder Schulveranstaltungen – oft sind es Mütter, die diese Aufgaben in der Familie übernehmen.

Und das ist ein Problem. Laut dem amerikanischen Fair Play Report wirkt sich die ungleiche Arbeitsteilung im Haushalt – allen voran die geistige Arbeit im Familienalltag – negativ auf die mentale Gesundheit, die Beziehungen und das körperliche Wohl der Mütter aus. Im Ernstfall endet sie sogar im sogenannten „Eltern Burnout“. Um Mütter davor zu bewahren, ist es wichtig, sie zu entlasten. Eine Möglichkeit, die Aufgaben im Haushalt besser aufzuteilen, ist die „Fair Play Methode“.

Mental Load: Mehr als lange To-Do-Listen

Weihnachten endet wieder in Stress und Erschöpfung? Vor allem Mütter tragen oft eine unsichtbare Last mit sich herum. (Symbolbild)

Mental Load ist mehr als eine Liste nicht enden-wollender Aufgaben. „Es ist die ständige, unermüdliche Verantwortung, vorausschauend zu denken, zu planen und sicherzustellen, dass alles erledigt wird. Das macht Mütter zu Familienmanagerinnen, selbst in Haushalten, in denen die Aufgaben ‚geteilt‘ werden“, schreibt die Autorin Elizabeth Tenety, Mitbegründerin des Familienmagazins Motherly.

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Besonders berufstätige Mütter berichten vom unsichtbaren Stress. Sie übernehmen ohnehin durchschnittlich einen größeren Teil der unbezahlten Care-Arbeit (Haushalt, Kinderbetreuung etc.). So zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft, dass erwerbstätige Frauen im Alter zwischen 35 und 40 Jahren durchschnittlich sieben Stunden, erwerbstätige Männer 3,5 Stunden pro Tag mit Care-Arbeit verbringen. „Gender Care Gap“ wird diese Lücke genannt, die leider immer noch ein Indikator für fehlende Gleichstellung ist.

Jede fünfte Mutter zeigt Symptome von Burn-out

Dabei geht es nicht nur um Zeit. Der Fair Play Report macht deutlich: Selbst wenn Väter bei den Aufgaben helfen, zum Beispiel die Kinder zur Schule fahren, sind es oft die Mütter, die die Details koordinieren. Diese Aufgaben bleiben weitgehend unsichtbar, ihre Folgen aber nicht. In Deutschland leidet jede fünfte Mutter an frauenspezifischen Burnout-Symptomen, wie das Müttergenesungswerks (MGW) berichtet. Beim „Eltern Burnout“ handelt es sich zwar nicht um eine klinische Diagnose. Der Begriff fasst aber eine Reihe an Beschwerden zusammen, darunter Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden wie Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen oder Beschwerden des Magen-Darm-Trakts), Entfremdung, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung und mangelnde Leistungsfähigkeit.

Mental Load, Stress, Schlafmangel, Einsamkeit: Dinge, die sich Eltern mit Kind anders vorgestellt haben

Mutter liegt mit Baby in der Wiese
Die Elternzeit wird schön, endlich Freizeit, wie Urlaub, abschalten und die Zeit mit dem Baby genießen, viel spazieren gehen, die angefangenen Bücher fertig lesen, neue Kochrezepte ausprobieren. Was sich gerade Mütter während der ersten Schwangerschaft ausmalen, entspricht in vielen Fällen nicht dem, wie es dann wird. Manche Mütter und Väter fühlen sich vom neuen Lebensabschnitt überrollt und trotz aller Vorbereitungen doch nicht genug vorbereitet. (Symbolbild) © Kzenon/Imago
Frau enttäuscht am Telefon
So sehr sich viele Mütter über den positiven Schwangerschaftstest und den Nachwuchs freuen, umso herausfordernder kann dann die Organisation rund um die Geburt werden. Je nachdem, in welcher Stadt sie leben, wird Eltern geraten, sich frühzeitig um einen Platz zur Entbindung in einer Klinik zu bemühen. 24vita.de sprach mit einer Mutter, die bereits in der 6. Woche der Frühschwangerschaft von Kliniken am Telefon abgewiesen wurde, weil sie zum errechneten Entbindungstermin keinen Platz ermöglichen konnten. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, berichtete die Mutter. (Symbolbild) © AntonioGuillem/Imago
Zwei Frauen mit Baby am Wickeltisch.
Ein für viele Mütter besonders frustrierender Umstand ist der Mangel an Hebammen in Deutschland, insbesondere zur Nachsorge. Ein Umstand, den sich so manche Eltern wohl anders vorgestellt haben. Die Hebamme kommt nach der Geburt zu den Müttern nach Hause – anfangs täglich, später wöchentlich – sieht nach dem Baby und ist auch wertvolle Ansprechpartnerin für die Mutter. Eltern brauchen speziell am Anfang Unterstützung und Kraft, um ihre nötige Kompetenz entwickeln zu können. Gerade nach der Geburt fühlen sich viele Mütter körperlich und mental erschöpft. Die Hebamme kontrolliert in der Nachsorge zudem die Rückbildung der Gebärmutter bei der betreffenden Mutter, den Wochenfluss sowie die Wundheilung von Riss- oder Operationswunden bei Dammriss oder -schnitt sowie Kaiserschnitt. Außerdem zeigt die Hebamme ihnen erste Übungen der Rückbildungsgymnastik. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/Imago
Mutter sitzt erschöpft vor Babybett
Ein Baby bedeutet das pure Glück – so denken und hoffen es die meisten Eltern. Doch nicht immer stellt sich nach der Geburt das Gefühl von Glück und unendlicher Liebe ein. Bei etwa 710.000 Geburten pro Jahr in Deutschland zeigen über 70.000 Frauen und mit ihnen auch Männer pro Jahr Symptome einer postpartalen Depression. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Vater und Sohn schlafen im Sitzen
„Schlaf immer dann, wenn das Baby schläft.“ Ein gut gemeinter Rat von anderen Eltern, der nach der Geburt eine besondere Bedeutung einnehmen wird. Denn den schwierigen Umstand der veränderten Schlafqualität mit Schlafmangel haben sich viele Eltern definitiv anders vorgestellt. Nicht selten fühlen sich die übermüdeten Mütter und Väter dann über den ganzen Tag schläfrig-benommen, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und sind stark reizbar. (Symbolbild) © Tanya Yatsenko/Imago
Mutter mit Baby erinnert sich
Zu dem neuen Leben mit Baby kommen auch jede Menge Aufgaben auf Mütter und Vater zu, angefangen vom neuen Tagesablauf, den oftmals kurzen Nächten, über das Stillen des Babys und Fläschchen geben bis hin zu Nachsorge- und Vorsorgeterminen. Gerade Mütter berichten, das Gefühl zu haben, an vieles denken zu müssen und machen dabei häufig die Erfahrung – auch wenn das Kind schon älter ist sowie, wenn Geschwister dazu kommen – Termine, Verabredungen oder Aufgaben zu vergessen. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Frau sortiert Wäsche in Waschmaschine
Mit dem Nachwuchs wird die Arbeit im Haushalt nicht weniger, ganz im Gegenteil. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, so viel Wäsche pro Woche zu waschen“, erzählt eine Mutter 24vita.de im Gespräch. Mit dem Baby in der Familie fehlt es dann schlicht und ergreifend häufig an Zeit und vielen Eltern auch an Energie, Aufgaben zu erledigen, selbst wenn Eltern das Kind einbinden oder sich zur Erholung zum schlafenden Baby dazu legen. (Symbolbild) © YAY Images/Imago
Frau in der Dusche
Eine ausgiebige Dusche oder ein schönes, warmes Bad. Was für Menschen ohne Kinder meist selbstverständlich ist, muss von Eltern mit Baby nicht selten zeitlich eingeplant werden. „Ich habe anfangs immer nur ganz schnell duschen können, weil unser Kleiner nicht gerne abgelegt werden wollte und dann viel weinte“, beschreibt eine Mutter im Gespräch mit 24vita.de. Zwar mag es für die einen absurd klingen, doch ist dieser Umstand für so manche Mutter oder manchen Vater nach der Geburt des Babys blanke Realität, die vorher nicht in ihrer Vorstellung vorkam. (Symbolbild) © Ihar Ulashchyk/Imago
Mutter wiegt Baby im Arm
Über neun Monate warten Eltern darauf, ihr Baby in den Armen halten zu können. „Jeden Tag war das für mich ein besonderer Moment, wenn ich unser kleines Baby im Arm hielt, sie wiegte, an ihr roch“, so die Mutter einer jetzt 4-Jährigen. Die meisten Eltern freuen sich auf ihre Elternzeit mit Kind, doch es gibt auch die Mütter und Väter, die sich in dieser ersten Zeit mit Kind dennoch alleine fühlen, da ihnen beispielsweise die Ansprache mit anderen fehlt. (Symbolbild) © Monkey Business 2/Imago
Eltern mit kleinem Baby
Mit der Geburt des Babys werden aus zwei Menschen eine Familie. Wo sich vorher die Frau und der Mann voll auf ihre Partnerschaft konzentrieren konnten, stehen nun in der Regel vorrangig die Bedürfnisse des Nachwuchses im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Baby verändert zwar eine Partnerschaft, kann sie aber auch bereichern. Mutter und Vater ist eine Rolle im Leben, in die Eltern zunächst hineinwachsen müssen, die auch mit Tücken, Hindernissen und verschiedenen Gefühlen verbunden ist, auch wenn es in der eigenen Vorstellung einfacher schien. (Symbolbild)  © Cavan Images/Imago

Die Folgen des Eltern Burnouts können gravierend sein: So zeigt eine in Clinical Psychological Science veröffentlichte Studie, dass elterliches Burnout Fluchtgedanken (die Familie zu verlassen), Vernachlässigung und sogar gewalttätiges Verhalten gegenüber Kinder stark erhöht. Auch eine Wechselbeziehung ist erkennbar: Eltern-Burnout erhöhte die elterliche Vernachlässigung, was die Symptome des Burnouts wiederum verstärkt.

Fair Play Methode: Das Unsichtbare sichtbar machen

Auch wenn Erschöpfung unter Eltern ein strukturelles Problem ist, bei dem Faktoren wie fehlende Kita-Plätze, Geschlechterrollen, aber auch Eltern-Ideale wie eine möglichst bedürfnisorientierte Erziehung eine Rolle spielen: Mütter müssen im „Kleinunternehmen“ Familie entlastet werden. Dabei verdienen sie nicht nur mehr Anerkennung, sondern auch echte Hilfe.

Einen Lösungsansatz liefert die Aktivistin Eve Rodsky, die die Fairplay-Methode entwickelt hat. Diese sieht wie folgt aus:

  • Alle Haushaltspflichten werden in Karten eingeteilt.
  • Die Karten werden zunächst so angeordnet, dass sie demjenigen zugeteilt werden, der die Aufgaben bisher erledigt hat
  • Auf diese Weise wird die mentale Last jedes Elternteils sichtbar
  • Anschließend werden die Karten genutzt, um Aufgaben neu zu „verteilen“. Feste Zuständigkeiten können hilfreich sein, z. B. wer die Kinder ins Bett bringt oder wer für die Kleidung zuständig ist
  • Im besten Fall kann so eine ausgewogene Arbeitsbelastung erreicht werden

Vielleicht lassen sich ältere Kinder auch in Haushaltstätigkeiten einbeziehen oder können Termine und Verabredungen selbst koordinieren. Um mentale Entlastung zu schaffen, sollten sich die Partner außerdem hinsichtlich der Zuständigkeiten des Anderen möglichst zurückhalten, auch wenn das zunächst schwerfällt.

Darüber hinaus sind kleine Auszeiten (“me-time“) wichtig, um Kraft für den anspruchsvollen Alltag zu sammeln. Das gilt nicht nur für jeden einzelnen, sondern auch für beide Elternteile als Paar. Ebenfalls den Druck reduzieren können Eltern, wenn sie ihre Ansprüche reflektieren. Können einzelne Aufgaben gestrichen werden? Darf ich als Elternteil auch Fehler machen und gegenüber dem Umfeld eingestehen, „wir sind derzeit überfordert“? Hier könnte das „Zweite-Wahl“-Modell eine Lösung sein, mit der sich gestresste Eltern kurzfristig entlasten können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

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