VonRichard Stroblschließen
Ein Bär tötet einen Jogger in Nord-Italien. Die Mutter macht den Behörden schwere Vorwürfe. Nun entbrennt eine Diskussion - auch Reinhold Messner schaltet sich ein.
Bozen – Es ist ein tragischer Fall, der aktuell ganz Italien – und auch die Alpenregion über die Landesgrenzen hinaus – bewegt. Ein Bär hatte einen 26-jährigen Italiener in der norditalienischen Provinz Trentino angegriffen und getötet. Die Polizei veröffentlichte im Anschluss Details zu dem Todeskampf, dem sich der junge Mann offenbar gestellt hatte.
Jetzt entbrennt in Italien eine große Diskussion um den möglichen Abschuss dieses einen Bären und um die Daseinsberechtigung der Bären in der Region allgemein.
Bär tötet Jogger in Italien: Mutter schreibt wütenden Brief an Behörden
„Wissen Sie, dass wir wütend und empört sind? Das System machte Andrea zum ersten angekündigten Opfer“. Mit diesen harten Worten wandte sich nun die Mutter des getöteten Joggers in einem Brief an die Behörden, über den die italienische La Stampa berichtet. Man sei sich als Anwohner bewusst gewesen, dass die Bären eine Gefahr darstellten – dennoch habe es von Behördenseite keine „größeren Eingriffe (gegeben, d. Red.), um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.“
„Ich wollte Ihnen sagen, dass meine Seele und die meiner Familie von immensen Schmerzen erschüttert ist, wir kommen nicht darüber hinweg. (...) Zu wissen, dass Andrea dem Bären ausgeliefert war, erschüttert mich“, schreibt die Mutter weiter.
In dem Brief bittet sie die Behörden nun Konsequenzen zu ziehen. Gleichzeitig dankt sie den Rettungs- und Suchteams sowie allen Freiwilligen, die sich an der Suche nach ihrem zunächst vermissten Sohn beteiligt hätten.
Partnerin des Getöteten berichtet: Gefahr der Bären war allgegenwärtig
Auch die Partnerin des Getöteten hatte sich zuvor bereits zu Wort gemeldet. Gegenüber dem Corriere Trentino berichtete sie, dass ihr und ihrem Freund die Gefahr durch Bären bei jedem Betreten des Waldes bewusst gewesen sei. Ihr Freund habe sogar, bevor er Laufen ging, mehrfach gescherzt: „Hoffentlich begegne ich keinem Bären“.
In Italien entsteht auch durch diese Wortmeldungen zunehmend eine große Diskussion, ob die Bären in der Region bleiben sollen.
Schon in der Pressekonferenz, in der die Tötung durch den Bären bestätigt worden war, hatte Maurizio Fugatti, der Präsident der Provinz Trient, gesagt, dass „einige nationale Stellen zu sehr um den Tierschutz besorgt sind“.
Italien diskutiert über Bären-Population - auch Reinhold Messner schaltet sich ein
Mittlerweile bekommt er zumindest teilweise Rückendeckung aus Rom. Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin sagte, es sei nun in Ordnung, den „schuldigen“ Bären abzuschießen. Für andere als gefährlich eingestufte Bären gelte das, Stand jetzt, nicht ohne weiteres.
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Mittlerweile hat sich auch Berg-Legende Reinhold Messner in die Thematik eingeschaltet. „Jetzt müssen Tierschützer endlich erkennen, dass (…) sie Raubtiere sind und als solche eine Gefahr darstellen, diejenigen, die in den Bergen leben, für Touristen, für Herden“, zitiert ihn die La Stampa. Messner ist nach eigenen Angaben mit dem Provinz-Präsidenten Fugatti in Kontakt. Seiner Meinung nach ist es dringend notwendig, die Zahl der Bären in der Region zu reduzieren. „Das Zusammenleben mit Wölfen und Bären in einem vermenschlichten und kleinen Gebiet wie dem unseren ist nicht mehr tragbar. Vor allem in Anbetracht der Anzahl der Exemplare“, so Messner in dem Bericht weiter.
Die Südtiroler Landesverwaltung geht aktuell von 73 bis 92 Bären in den Zentralalpen aus. Mit Jungtieren sollen es knapp über 100 Tiere sein. Die Bärenpopulation in Norditalien war Ende der 90er Jahre vom Aussterben bedroht, deshalb beschloss man sich im „Life Ursus“-Projekt weitere Bären in die Region zu bringen. Neben drei verbliebenen Tieren wurden zehn neue Tiere aus Slowenien eingeführt. Ziel war es laut der Südtiroler Landesverwaltung damals im Laufe von 20 bis 40 Jahren einen Bestand von 40 bis 60 Tiere zu erreichen. Dieses Ziel ist mittlerweile weit überschritten. (rjs)
