VonNadja Orthschließen
Die Stadt Venedig musste sich am Dienstag überraschend vor Hochwasser schützen. Der Meerespegel rund um die Stadt stieg außergewöhnlich hoch an.
Venedig - Die berühmte Touristenstadt Venedig an der Nordküste Italiens musste sich am Dienstag (31. Oktober) vor einem starken Hochwasser schützen. Mithilfe des speziellen „Mose“-Mechanismus für den Hochwasserschutz konnten Überschwemmungen, die in der Lagunenstadt häufig auftreten, vermieden werden. Offizielle Daten der Stadt zeigten, dass der Wasserpegel am Süddamm des „Lido di Venezia“ in der Nacht auf Dienstag auf 154 Zentimeter über dem Normalstand anstieg. Ohne das Schutzsystem wäre das historische Zentrum von Venedig in Gefahr gewesen, da bereits ab 80 Zentimetern über dem Normalwert der Markusplatz überschwemmt wird.
Venedig kämpft erneut gegen Hochwasser - Stadt aktiviert „Mose“-System wegen Überschwemmungsgefahr
Angesichts des steigenden Wasserlevels aktivierte die Stadt am frühen Montagabend die Flutschutztore, die zum „Mose“-System (Modulo Sperimentale Elettromeccanico) gehören. Das System besteht aus 78 gelben Stahlkappen, die an vier Zugängen zur Lagune installiert sind. Im Falle von Hochwasser werden sie mit Druckluft gefüllt und richten sich auf, um das Eindringen von Meerwasser ins Innere der Stadt zu verhindern. Das milliardenschwere Projekt wurde 2020 erstmals in Betrieb genommen und hat seitdem bereits mehrfach dazu beigetragen, Venedig vor Überschwemmungen zu schützen. Allerdings bringt es auch den Frachtverkehr in der Stadt zum Erliegen und ist deshalb umstritten.
Die größte Hochwasser-Gefahr für Venedig besteht vor allem im Herbst, wenn Regen und Stürme die Wasserstände in der Region ansteigen lassen. Das eindringende Salzwasser des Meeres stellt eine ernsthafte Bedrohung für die historischen Gebäude der Stadt dar. Der letzte extrem hohe Pegelstand wurde im November 2022 gemessen und erreichte 1,70 Meter über dem Normalstand. Das historische Jahrhunderthochwasser in Venedig fand unterdessen im Jahr 1966 statt, als das Wasser auf 194 Zentimeter anstieg.
Überschwemmungen in Venedig könnten in Zukunft deutlich zunehmen
Der aktuelle hohe Pegelstand wurde auf den starken Scirocco-Wind zurückgeführt, der am Montagabend immer stärker geworden war. Am Dienstagmorgen waren auf Live-Bildern aus der bei Touristen beliebten Stadt Menschen zu sehen, die über den Markusplatz liefen – unter Wasser stand der Platz allerdings nicht. Große Anstürme von Touristen stellen für Venedig ein zusätzliches Problem dar, weshalb die Stadt zuletzt Konsequenzen für Touristenbesuche ab 2024 beschloss.
Experten warnen seit geraumer Zeit vor zunehmenden Überschwemmungen in der weltberühmten Stadt, die möglicherweise auf den Klimawandel zurückzuführen sind, aber noch wissenschaftlich bestätigt wurden. Der Klimaforscher Anders Levermann sagte 2019 in einem Interview mit der Zeit: „Je wärmer wir den Planeten machen, desto mächtiger werden Starkregenereignisse und desto höher steigt der Meeresspiegel. All das kann das Hochwasser in Venedig verstärkt haben.“ Experten rechnen in den kommenden Jahren mit einem stetig steigenden Meeresspiegel weltweit. „Venedig wird definitiv untergehen“, machte Levermann bereits damals deutlich. Das könnte aber theoretisch noch hunderte von Jahre dauern.
Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redakteurin Nadja Zinsmeister sorgfältig überprüft.
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