VonKarolin Schaeferschließen
Der beliebte Pfefferminzlikör „Berliner Luft“ wird gegendert. Das Reizthema sorgt für zahlreiche Reaktionen bei der Kundschaft des Spirituosenherstellers.
München/Berlin – Doppelpunkt, Sternchen oder Unterstrich: Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr, wie die Debatte um geschlechtergerechte deutsche Sprache. Die Fronten sind verhärtet. Dabei ist die Diskussion um den Sprachgebrauch nicht neu – bereits seit den 1970er Jahren beschäftigt sich die Gesellschaft mit der Thematik. Eine Studie deutete an, welche Bevölkerungsgruppen das Gendern eher befürworten oder eher ablehnen.
Der Hersteller für das Kultgetränk „Berliner Luft“ versucht nun, die Debatte mit einer Marketing-Aktion für sich zu nutzen. Der Spirituosenhersteller Schilkin änderte den Namen des beliebten Pfefferminzlikörs – und zwar in: „Berliner*innen Luft“.
„Berliner Luft“ wird gegendert: „Eine Marke, die nicht polarisiert, hat keine Botschaft“
Bei rund 500.000 Flaschen hat das Unternehmen den Namen gegendert, berichtete Spiegel. Die Idee stammte von einem der geschäftsführenden Gesellschaftern, Erlfried Baatz. Neben der Namensänderung erstrahlte das auf den Etiketten abgebildete Rote Rathaus in Regenbogenfarben, darunter der Spruch: „Toleranz und Vielfalt“.
„Eine Marke, die nicht polarisiert, hat keine Botschaft“, wird Baatz vom Spiegel zitiert. „Wir haben einiges ausprobiert, aber grafisch blieb uns keine andere Möglichkeit.“ Die Reaktion der Kundschaft folgte prompt. So viele Mails habe das mittelständische Unternehmen kaum jemals zuvor erhalten. Neben Lob gab es auch Kritik, die der Geschäftsführer sogar persönlich beantwortet habe. Ein Großteil der Konsumentinnen und Konsumenten des Kult-Getränks sei unter 30, darunter viele Studierende, erklärte Baatz. „Für die ist Gendern nichts Ungewöhnliches.“
Neuer Name für „Berliner Luft“: Limitierte Sonderedition sorgt für Aufmerksamkeit
Bei den gegenderten Etiketten handelt es sich um eine limitierte Sonderedition. Langfristig wird das Kultgetränk also weiterhin „Berliner Luft“ heißen. Doch Aufmerksamkeit erregte die gegenderte Hauptstadt in den sozialen Medien alle mal. In der Vergangenheit sorgte auch ein gegenderter Edeka-Aushang für Unmut bei der Kundschaft.
Die Reaktionen zur „Berliner*innen Luft“ fallen unterschiedlich aus. „Wird nicht mehr gekauft“, war sich ein Nutzer beim Kurznachrichtendienst Twitter sicher. „Ja cool, ich feiere das“, kommentierte eine andere. „Ist wohl eher sarkastisch gemeint. Guter Marketing Gag“, hieß es an anderer Stelle. Eine WDR-Umfrage zeigte zuletzt, dass die Mehrheit das Gendern ablehnt.
„Berliner*innen Luft“: Zwinkersmiley statt Gendersternchen
Fest steht: Die Marketing-Aktion polarisiert. Auch wenn sich nicht alle über die Umbenennung freuen, das Berliner Unternehmen nimmt diese jedenfalls nicht ganz so ernst. Das legte der Zwinkersmiley, der auf dem Etikett das „innen“ von „Berliner“ anstelle des üblichen Gendersternchens trennt, nahe. „Wir sind ja keine Genderfreaks“, sagte Baatz.
Schilkin wollte sich damit die Dynamik der sozialen Medien zunutze machen. Das scheint dem Unternehmen auch geglückt zu sein. Zwei Monate nach Markteinführung seien die Verkaufszahlen gestiegen. Zudem habe sich ein Teil der Kundschaft die gegenderte Flasche als Sammlerstück zulegt, berichtete der Spiegel. (kas)
Rubriklistenbild: © Sebastian Gabsch/imago

