VonSteffen Maasschließen
Der Virologe Christian Drosten schätzt die Corona-Pandemie für beendet ein. Das führt dazu, dass die Corona-Schutzmaßnahmen wieder heftig diskutiert werden.
Berlin – Wenn der führende Corona-Experte der Republik so etwas sagt, dann hat das Gewicht: Laut Einschätzung von Virologe Christian Drosten ist die Corona-Pandemie Geschichte. „Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-CoV-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei“, sagte der Mediziner dem Tagesspiegel. Doch auch Corona-Endemie bedeutet noch Gefahr für die Bevölkerung. Das vorsichtige Herantasten an die Frage, welche Schutzmaßnahmen in Deutschland noch nötig sind, wird also auch im Jahr 2023 noch weitergehen.
Pandemie vorbei – aber was bedeutet Endemie?
Als endemisch wird eine Krankheit bezeichnet, wenn sie in einer Region immer wieder in gewisser Häufung auftritt. Das trifft auf viele in saisonalen Wellen auftretende Infekte zu, zum Beispiel die Grippe. Mit Blick auf Corona ist damit gemeint, dass Infektionswellen verglichen zur pandemischen Phase abflachen und für einen Großteil der Bevölkerung die Auswirkungen des Infektionsgeschehens weniger gravierend sind, weil es eine breit vorhandene Immunität durch Impfungen und/oder überstandene Infektionen gibt. Das Immunsystem ist nicht mehr mit einem neuartigen Erreger konfrontiert, es reagiert schneller und besser auf eine Infektion.
Corona-Regeln in Deutschland: Welche Maßnahmen gelten bundesweit?
Aktuell sieht die imaginäre Corona-Regel-Landkarte von Deutschland noch wie ein Flickenteppich aus. Denn unterschieden werden muss zwischen Maßnahmen, die bundesweit gelten und solchen, die die einzelnen Bundesländer selbst und flexibel bestimmen können.
Bundesweit gelten vor allem Maskenvorschriften: In Fernzügen wie ICEs, ICs oder ECs und auch Fernbussen wie Flixbus gilt nach aktuellem Infektionsschutzgesetz noch bis 7. April 2023 eine FFP2-Maskenpflicht, für das Zugpersonal reicht eine medizinische Maske.
Neben dem öffentlichen Personenverkehr regelt die bundesweite Maßnahme hauptsächlich die Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen: In Arztpraxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung müssen FFP2-Masken getragen werden. Hinzu kommt hier noch eine weitere Schutz-Ebene. Denn bis auf in den Arztpraxen muss überall auch ein negativer Test für den Zutritt vorgelegt werden. Auch das gilt alles bis zum 7. April.
Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus: Welche Regeln gelten in den Bundesländern?
Doch wie sieht es in den 16 Bundesländern der Republik aus? Die jeweiligen Landesregierungen können ihm Regionalverkehr bei Bussen und Bahnen selbst entscheiden, ob und welchen Masken noch getragen werden müssen. Das gilt auch für die Frage, ob sich jemand mit positivem Corona-Test zwingend zu Hause isolieren muss. Bayern und Sachsen-Anhalt haben die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bereits abgeschafft, in Schleswig-Holstein läuft sie zum Jahresende aus.
Andere Bundesländer halten an der Pflicht fest oder wollen im Januar neu entscheiden. Von der Isolationspflicht haben sich Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz verabschiedet. Andere lassen mehr Vorsicht walten und wollen bis nach dem Winter warten. In Bremen und Niedersachsen denkt man laut über die Abschaffung der Maskenpflicht im ÖPNV nach.
Corona-Regeln aus Berlin: Wie schnell könnten Maßnahmen fallen?
In Stein gemeißelt ist das allerdings alles nicht. Auf Bundesebene sieht sich etwa Justizminister Marco Buschmann (FDP) durch Drostens Aussagen ermutigt, alles auf den Prüfstand zu stellen: Wenn Drosten, der zu den vorsichtigsten Wissenschaftlern gehörte, die Pandemie als beendet betrachtet, sollte man die Maßnahmen aufheben, argumentiert der 45-Jährige. Doch wie schnell würde sowas gehen?
Das könnte theoretisch schnell gehen, praktisch sieht es aber nicht danach aus. Denn dafür müssten sich alle drei Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP einig sein. SPD und Grüne sind im Gegensatz zur FDP dafür, die bundesweiten Regeln bis zum Frühjahr beizubehalten. Theoretisch könnte die Bundesregierung – wäre sie sich einig – per einfacher Verordnung, ohne dass der Bundestag das Infektionsschutzgesetz noch einmal ändern muss, die Regeln außer Kraft setzen. Darauf wies Buschmann am Dienstag hin.
Gegenwehr gab es umgehend von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): „Ein sofortiges Beenden aller Maßnahmen wäre leichtsinnig und wird auch von Christian Drosten nicht gefordert“, unterstrich Lauterbach, dass er kein Freund von politischen Schnellschüssen auf Basis eines Interview-Zitates des Virologen ist. (Mit Material der dpa)
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