VonMartina Lipplschließen
Diesen Ausflug am Sonntag wird die Gruppe wohl so schnell nicht vergessen. Drei Erwachsene, ein Mädchen (6) und ein Hund wollten durch das Watt wandern. Dann ging es nicht mehr weiter.
Neuharlingersiel – Gezeitenwechsel, Sand und Schlick – eine Tour im Wattenmeer sollten niemand unterschätzen. Auf dem Weg von der Insel Spiekeroog zum Festland mussten drei Erwachsene, ein sechsjähriges Kind und ihr Hund gerettet werden, berichten die Seenotretter.
Vier Wattwanderer völlig erschöpft in Lebensgefahr: Seenotretter im Einsatz
Völlig erschöpft setzte die kleine Gruppe am Sonntagabend (18. Juni) einen Notruf ab. Die Wattwanderer konnten einen Priel – einen Wasserlauf durch das Watt – nicht durchqueren. Vier Kilometer vor der Küste bei Neuharlingersiel (Kreis Wittmund) befand sich die Gruppe in „Lebensgefahr“. Per GPS-Daten konnten die Menschen geortet werden.
Drei Erwachsene mit kleinem Mädchen (6) ohne Wattführer unterwegs
Gegen 18.45 Uhr ging der Notruf bei der deutschen Rettungsleitstelle See ein. Umgehend wurde das in Neuharlingersiel stationierte Seenotrettungsboot Courage alarmiert, so die Seenotretter. Wenig später seien Freiwillige bei den Wattwanderern, einer Frau, zwei Männern und dem Mädchen sowie dem Hund gewesen. Mit einer Leine sicherten die Seenotretter den kurzen Weg zum Boot ab.
Die Wattwanderer seien bis auf Schürfwunden an den Füßen unverletzt geblieben und sicher nach Neuharlingersiel gebracht worden. Zum Zeitpunkt des Einsatzes betrug nach Angaben der Seenotretter die Lufttemperatur 22 Grad Celsius, Wind wehte aus östlicher Richtung mit bis zu 28 km/h.
Lebensgefahr im Watt: Seenotretter warnen eindringlich vor Allein-Gängen
„Menschen sollten niemals alleine ins Watt aufbrechen, sondern sich immer einer geführten Tour mit erfahrener Führung anschließen“, betonen die Seenotretter nach dem Einsatz am Sonntagabend. „Die Kraft der Gezeiten und die Beschaffenheit des Meeresgrundes bergen große Risiken. Senken, Priele, Löcher, Muschelfelder, Steilkanten und Schlickfelder können lebensgefährlich werden.“
Tipps und Regeln für Wanderungen im Wattenmeer sind auf der Webseite der Seenotretter zu finden. Die wichtigsten Tipps seien Sicherheitstipps, ist dort zu lesen.
Wattwandern: Regeln für das Verhalten im Watt
- 1. Gehen Sie nie alleine ins Watt.
- 2. Vertrauen Sie sich einem kundigen Wattführer an.
- 3. Senken, Priele, Löcher, Muschelfelder, Steilkanten und Schlickfelder können lebensgefährlich werden, wenn man die Tücken nicht kennt (Gefahr des Einsinkens in Schlickzonen).
- 4. Führen Sie Wattwanderungen nur im Sommer am Tage (Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) und nur bei ruhigem Wetter und guten Sichtverhältnissen durch.
- 5. Gehen Sie auf keinen Fall bei Dämmerung, Dunkelheit, Sturm oder Nebel ins Watt. Der Aufenthalt ist lebensgefährlich.
- 6. Merken Sie sich die Windrichtung und beobachten Sie das Ziehen der Wolken.
- 7. Sollte überraschend Nebel auftauchen, irren Sie nicht ziellos herum, sondern versuchen Sie anhand ihrer Fußspuren den Weg zur Küste zu finden. Rufen Sie laut und deutlich um Hilfe.
- 8. Bei Gewitter ist das Betreten des Watts lebensgefährlich.
- 9. Gehen Sie nicht mit Kindern unter 6 Jahren ins Watt, mit Kindern bis 8 Jahren nur für kleine Touren in Ufernähe.
- 10. Informieren Sie sich über die Gezeiten.
- 11. Berechnen Sie genügend Zeit für den Rückweg ein, bevor Sie loswandern.
- 12. Informieren Sie jemanden, bevor Sie ins Watt gehen.
- 13. Merken Sie sich einen Markierungspunkt auf dem Festland.
- 14. Meiden Sie bei auflaufendem Wasser die Nähe von Prielen, es herrscht starke Strömung! Auch geübte Schwimmer sollten auf keinen Fall versuchen, einen Priel zu durchschwimmen.
- Quelle: DLRG
Die endlose Weite des Wattenmeers fasziniert. Doch nur Wattführer kennen sichere Wege und Routen, betonen die Seenotretter. Auch sei es wichtig auf das passende Schuhwerk zu achten, locker sitzende Gummistiefel oder Sandalen sollten Wattwanderer lieber zu Hause lassen. (ml)
