Behauptet sich eine neue Mutation?

Corona im Winter: Laut Experten sind drei Szenarien möglich

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Der dritte Winter der Corona-Pandemie steht ins Haus. Experten haben sich mit drei möglichen Szenarien beschäftigt. Demnach könnten auch zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig werden.

München - Karl Lauterbach bemüht sich redlich. Der Gesundheitsminister der SPD lässt kaum eine Möglichkeit ungenutzt, um die Corona-Pandemie vor dem dritten Winter seit dem erstmaligen großflächigen Ausbruch in Deutschland ins Bewusstsein der Bürger zu bringen. Doch angesichts der Befürchtungen einer zunehmenden Inflation und eines möglicherweise auf NATO-Gebiet übergreifenden Ukraine-Kriegs führt SARS-CoV-2 aktuell eher ein Schattendasein.

Dabei wissen nicht nur Experten, dass das Virus in den kalten Monaten seine Hochzeit erlebt. Inwiefern es dank seiner vielen Mutationen unser Leben erneut erschweren kann, lässt sich zwar bislang nur mutmaßen. Aber eine grobe Skizzierung der Entwicklung ist dennoch möglich, wie die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bewies. 22 Experten in sieben Gruppen leisteten im Rahmen eines Workshops des Modellierungsnetzes für schwere Infektionskrankheiten Vorarbeit.

Corona im Winter 2022: Drei Szenarien - von keiner neuen Variante bis hin zu gefährlicherer Mutation

Darin wurden drei Szenarien behandelt, wie auch kreiszeitung.de berichtet. Im ersten setzt sich keine neue Variante des Coronavirus durch. Das zweite dreht sich um eine neue Mutation, die bei Umgehung des Immunschutzes ein gleiches Risiko für schwere Krankheitsverläufe mit sich bringt wie die aktuell bekannten Varianten. Nummer drei sieht eine neue Virusvariante vor, die größere Gefahr schwerer Verläufe ausstrahlt.

Die Forscher gehen aktuell von einem „relativ hohen Schutz in der Bevölkerung gegen einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion“ aus. Dennoch könnten weitere Mutationen „eine Herausforderung darstellen“.

Die sieben Modelle hätten hinsichtlich des jeweiligen Szenarios „ähnliche Prognosen“ geliefert, allerdings seien auch Unterschiede festzustellen gewesen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Modelle „auf teilweise sehr verschiedenen Ansätzen“ beruhen und „das Infektionsgeschehen unterschiedlich detailliert“ abbilden würden. Daher sei es „sinnvoll, die Ergebnisse zu vergleichen und gegenüberzustellen“.

Corona-Mutationen in Deutschland: Auch ohne neue Variante Personalknappheit im Gesundheitswesen möglich

Im ersten Szenario würde sich also keine neue Mutante behaupten. In Deutschland herrschen damit weiterhin die für die Sommerwelle verantwortlichen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 vor. Zu erwarten sei laut den meisten Simulationen „eine neue, saisonal bedingte Infektionswelle für den kommenden Herbst/Winter“. Es seien wahrscheinlich weniger Hospitalisierungen zu verzeichnen, als während der vergangenen Herbst/Winter-Welle.

Einen ungünstigeren Verlauf erwarten lediglich die „Simulationen, die in diesem Szenario von einer sehr hohen Auswirkung der Saisonalität in Verbindung mit relativ hoher Abschwächung der in der Bevölkerung bestehenden Immunität ausgehen“. Grundsätzlich möglich seien aber infolge der hohen Inzidenz relevante Personalausfälle im Gesundheitswesen sowie anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur.

Wie wird der Corona-Winter in Deutschland? Bei neuer Mutation wären weitere Maßnahmen sinnvoll

Das zweite Szenario prognostiziert eine neue Mutation, die den bisher aufgebauten Immunschutz umgehen kann. Dies sei etwa bei den unterschiedlichen Omikron-Subvarianten festgestellt worden. Eine Infektion mit der neuen Mutante sei dann also wahrscheinlicher als mit BA.4 oder BA.5. In diesem Fall „würde ohne weitere Maßnahmen eine deutliche Winterwelle entstehen“.

Möglich seien ähnliche Spitzenwerte bei den Hospitalisierungen wie zu Beginn dieses Jahres. Es müsse mit relevanten Personalausfällen gerechnet werden. Wie sehr das Gesundheitssystem belastet werde, hänge „von den Eigenschaften des Virus und den ergriffenen Gegenmaßnahmen ab“.

Schutzmaßnahmen gegen Corona: Hospitalisierungen wie Anfang des Jahres nicht auszuschließen

Darauf folgt das Szenario drei, in dem die neu vorherrschende Mutation vermehrt schwere Krankheitsverläufe auslösen kann. Als Beispiel wird die Delta-Variante genannt. Es werde angenommen, „dass ein Krankenhausaufenthalt nach einer Infektion mit der neuen Virusvariante zwei- bis dreimal so wahrscheinlich wird wie in den beiden anderen Szenarien“.

Hier kommen alle Modelle zu dem Schluss, „dass der bisherige Spitzenwert der Hospitalisierungen von Anfang 2022 deutlich übertroffen werden würde, falls keine geeigneten Gegenmaßnahmen getroffen werden“. Auch in diesem Szenario komme es hinsichtlich der Höhe der Welle auf die Viruseigenschaften und die getroffenen Schutzmaßnahmen an.

Experten über Corona-Winter: Kontaktreduzierungen könnten wieder nötig werden

Auch über mögliche Interventionen haben sich die Forscher Gedanken gemacht. Werde noch im Oktober eine Impfkampagne gestartet und die Vakzine seien gegen die neue Virusvariante zumindest teilweise wirksam, könnte „in allen Szenarien die Anzahl der Hospitalisierungen um zehn bis 40 Prozent“ reduziert werden. Dabei falle die Reduktion in den Szenarien zwei und drei deutlich höher aus als im ersten Szenario.

Im Fall mit der neuen Mutation, die vermehrt schwere Krankheitsverläufe zur Folge haben kann, seien neben der Impfkampagne jedoch weitere Maßnahmen nötig. Genannt werden als Beispiele Kontaktreduzierungen oder Teststrategien.

Die Experten betonen, dass diese drei Szenarien allesamt möglich seien, „jedoch können aktuell keine Wahrscheinlichkeiten für deren Auftreten angegeben werden“. Sinnvoll sei demnach „eine fortgeführte, zeitnahe und regionale Überwachung der Infektionslage und ein Monitoring neuer SARS-CoV-2-Varianten. Zusätzlich sollten epidemiologische Daten der Infektionsausbreitung mit einbezogen werden.“ Auch raten die Forscher dazu, „schnelle Entscheidungsfindungen und Strategieanpassungen“ durch entsprechende Mechanismen zu ermöglichen. (mg)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Müller-Stauffenberg

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