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Die Ostseeküste atmet auf: Das Schlimmste ist vorbei. Doch die Bilanz der Sturmflut ist verheerend, rechnet der Katastrophenschutz vor. Was am Freitag geschah.
Kiel – Ausnahmelage an der Küste der Ostsee, insbesondere in Schleswig-Holstein. Das Schlimmste ist zwar vorbei, doch die Auswirkungen der Sturmflut sind gewaltig. Der Katastrophenschutz geht von Hochwasserschäden im dreistelligen Millionenbereich aus. Wie gravierend die Situation tatsächlich ist, werde sich am Samstag klären, so Ralf Kirchhoff, Leiter des Stabes, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Sturmflut an der Ostseeküste: Katastrophenschutz evakuiert 2000 Menschen – Dämme in Arnis brechen
Etwa 2000 Menschen wurden vom Katastrophenschutz aus den Überschwemmungsgebieten in Sicherheit gebracht, schätzt Kirchhoff. Betroffen waren Ortschaften wie Eckernförde, Schleswig und Brodersby. Auch im Landkreis Rendsburg-Eckernförde mussten Bewohner ihre Wohnungen räumen. In der Stadt Arnis an der Schlei brachen zwei Deiche. 700 Helfer waren im Landkreis Schleswig-Flensburg im Einsatz, um gegen die Flut anzukämpfen, berichtet die Schleswig-Holsteinische Zeitung. Verletzte gab es keine.
„Die Anwohner in den betroffenen Gebieten wurden informiert. Es besteht keine unmittelbare Gefahr. Die Parkstraße und der Lindenweg werden aktuell evakuiert. Betroffen sind rund 40 Personen, die jetzt nach Grödersby gebracht werden“, informierte der Landkreis über die Dammb. Einen Deich in Maasholm mussten die Einsatzkräfte am Freitagabend aufgeben. Die Gemeinde mit 600 Einwohnern wurde ebenfalls evakuiert.
Offenbar eine Ertrinkungsopfer bei Hochwasser an der Ostseeküste - Frau auf Fehmarn von Baum getötet
Am Samstag sollen sich noch immer Menschen auf Sportbooten aufhalten. Die positive Nachricht: „Wir haben nach jetzigem Kenntnisstand keine Ertrinkenden“, so Kirchhoff. Allerdings kam eine Frau auf Fehmarn ums Leben, sie wurde von einem Baum erschlagen. Die 33-Jährige aus dem Landkreis Ostholstein wohnte auf der Insel und befand sich in ihrem Auto, als der Baum auf sie stürzte. Die Polizei gab keine weiteren Details zum Vorfall bekannt. Mehrere Touristen wurden von der Seenotrettung in Sicherheit gebracht.
Bereits am Mittag waren in Küstenstädten wie Kiel, Lübeck und Flensburg die Straßen überschwemmt. Hinzu kamen umgestürzte Bäume und herumfliegende Gegenstände. Zudem konnten viele Autofahrer ihre Fahrzeuge offenbar nicht rechtzeitig aus den Gefahrenzonen entfernen.
Sturmflut-Höhepunkt ist vorbei – aber der Regen bleibt wohl bis Montag
In Mecklenburg-Vorpommern erreichte die Sturmflut gegen 22 Uhr ihren Höhepunkt, so der NDR. Die Wasserstände stiegen nicht weiter, blieben aber auf hohem Niveau stabil. Aufgrund starker Winde stellte die Reederei Scandlines am Freitag den Fährverkehr auf den Routen Rostock-Gedser und Puttgarden-Rodby ein. Am Samstagmorgen soll dieser wieder aufgenommen werden. Der Bahnverkehr wurde am Freitagabend auf mehreren Strecken rund um Kiel eingestellt.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht davon aus, dass sich die Situation an der Ostseeküste erst am Montag erheblich entspannt. Der Wind lässt nach, aber der Regen bleibt. Immerhin sind die Temperaturen mit 14 bis 16 Grad recht mild. In anderen Teilen Deutschlands wurde zum Wochenende zuvor sogar der erste Schnee erwartet. (moe)
Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Moritz Bletzinger sorgfältig überprüft.
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