Papua-Neuguinea ist der drittgrößte Inselstaat der Welt. Das Land ist teilweise vulkanischen Ursprungs. In der Kolonialzeit gehörte das Land zeitweise auch zum deutschen Einflussgebiet. In den 1970er Jahren konnte sich der Staat unabhängig machen.
- Papua-Neuguinea ist Mitglied des Commonwealth of Nations mit dem englischen Monarchen als Staatsoberhaupt.
- Das Land weist weit über 800 Sprachen und Dialekte auf.
- Muschelgeld ist eine offiziell anerkannte Währung.
Port Moresby – Mit einer Fläche von 462.840 Quadratkilometern gilt Papua-Neuguinea nach Indonesien und Madagaskar als der drittgrößte Inselstaat der Welt. Viele Gebirgsregionen des Landes sind nur schwer zugänglich, was die isolierte Stammesbildung einzelner Völker begünstigt. Dadurch wirkt das Land auf Touristen auch bis heute noch landschaftlich besonders geheimnisvoll. Obwohl der Staat viele Rohstoffe und Bodenschätze besitzt, ist die Armut hoch. Ein Großteil der Einwohner lebt von der Hand in den Mund.
Papua-Neuguinea: Frühgeschichte und europäische Entdeckung
Bereits vor 50.000 bis 60.000 Jahren soll das Gebiet des heutigen Papua-Neuguinea von Menschen besiedelt worden sein. In frühgeschichtlicher Zeit bildete die Region zusammen mit dem Kontinent Australien eine durchgehende Landmasse. Mit dem Ende der Eiszeit und dem Anstieg der Meeresspiegel ging die Verbindung zum Festland vor etwa 8000 Jahren verloren. Auf der Insel fand eine starke Diversifizierung zahlreicher Stämme statt. Aus diesem Grund kommen noch heute etwa 800 verschiedene Sprachen in Neuguinea vor. Um 2000 vor Christus ragte vor allem die Lapita-Kultur besonders hervor.
In den Jahren 1526/27 erkundete der portugiesische Seefahrer Jorge de Meses als erster Europäer die Nordküste und die vorgelagerten Inseln. Den Namen „Neuguinea“ erhielt die Insel allerdings erst 1545 vom Spanier Íñigo Ortiz de Retez, der zuvor am afrikanischen Guinea vorbeigesegelt war. Im 17. Jahrhundert baute die Niederländische Ostindien-Kompanie ihre Handelsbeziehungen zu der Region auf.
Papua-Neuguinea: Kolonialzeit und Unabhängigkeit
Im 18. Jahrhundert weiteten die Niederlande ihre Vormachtstellung in dem Gebiet aus und gründeten im westlichen Teil die Kolonie Niederländisch-Neuguinea. Den Osten der Insel teilten sich Briten und Deutsche. Das südliche Gebiet erhielt den Namen Britisch-Neuguinea, der nördliche Landstrich wurde Kaiser-Wilhelms-Land getauft. 1906 ging der britische Teil unter dem Namen „Papua“ an Australien, das nach dem Ersten Weltkrieg auch noch das deutsche Gebiet erhielt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Gebiete zu einem „Territorium Papua und Neuguinea“ zusammengeführt. Indonesien hatte bereits 1949 Ansprüche auf den Westteil der Insel erhoben. 1973 konnte sich nach vorangegangenen Wahlen Papua-Neuguinea unabhängig machen. Die volle Souveränität erhielt der Staat allerdings erst am 16. September 1975.
Papua-Neuguinea: Militärputsche und Bougainville-Konflikt
In den Folgejahrzehnten wechselte das Land häufig seine Premierminister. Die politische Situation des Landes blieb recht instabil. 1989 kam es zu einem blutigen Bürgerkrieg auf der Insel Bougainville, der zahlreichen Menschen das Leben kostete. Auch über Militärputsche versuchten manche Politiker, die Macht an sich zu reißen. Erst 1997 konnte der Konflikt beigelegt werden. Allerdings beschlossen die Bewohner der autonomen Region Bougainville 2019 in einem Referendum ihre Unabhängigkeit und weit reichende Autonomie.
Papua-Neuguinea: Das politische System
Papua-Neuguinea ist eine parlamentarische Monarchie und Mitglied des Commonwealth of Nations. Offizielles Staatsoberhaupt ist demnach Queen Elizabeth II. in ihrer Rolle als Königin von Papua-Neuguinea. Sie wird vertreten von einem Generalgouverneur – derzeit Bob Dadae. Das Parlament von Papua-Neuguinea befindet sich in der Hauptstadt Port Moresby und umfasst 111 Abgeordnete. Es wird alle fünf Jahre gewählt.
Trotz mancher Herausforderungen hat sich seit 1975 die Demokratie weitgehend gefestigt. Allerdings hat da Land immer noch mit Entwicklungshemmnissen wie hoher Staatsverschuldung, Kriminalität und Korruption zu kämpfen. Für die autonome Region Bougainville gelten seit 2005 Sonderrechte. Die 2019 mit überwältigender Mehrheit eingeforderte Unabhängigkeit der Region muss in seinem Ergebnis noch umgesetzt werden.
Papua-Neuguinea: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Port Moresby
- Amtssprache: Hiri Motu, Tok Pisin und Englisch
- Fläche: 462.840 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 8,9 Millionen (Stand 2020)
- Währung: Kina (PGK)
- Verwaltungsgliederung: 20 Provinzen, autonome Region Bougainville, Hauptstadt-Distrikt National Capital District
- Religion: Vorwiegend christlich
Papua-Neuguinea: Sprachen und Bevölkerung
Den größten Bevölkerungsanteil des Landes bilden die Papua. Die Namensbezeichnung stammt einem portugiesischen Seefahrer, der die Menschen nach ihrem „krausen Haar“ benannt hat. Diese gliedern sich in 700 bis 1.000 Volksgruppen mit jeweils eigener Sprache und Kultur. Diese sind mehrheitlich melanesischer Abstammung. Die Mikronesier, Polynesier und Europäer zählen zu den Minderheiten.
Aufgrund der zahlreichen Volksgruppen herrscht in Papua-Neuguinea eine enorme Sprachenvielfalt. Unter den knapp 9 Millionen Einwohnern werden insgesamt 839 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Das Hiri Motu, eine melanesisch-papuanische Mischsprache, ist Amtssprache. Allerdings schwindet ihre Bedeutung im Gegensatz zur Pidginsprache Tok. Diese ist eine englisch-melanesische Kreolsprache, die auch von immer mehr Menschen als Muttersprache verwendet wird.
Papua-Neuguinea: Geografie und Städte
Papua-Neuguinea liegt im Pazifik und wird zum australischen Kontinent gerechnet. Etwa 80 Prozent der Landesfläche umfassen den Ostteil der Insel Neuguinea. Des Weiteren zählen noch einige vorgelagerte Inseln zum Staatsgebiet. Das Land besitzt ein etwa 200 Kilometer breites Gebirge. Aufgrund der steilen Täler und den wenig zugänglichen Ebenen konnten sich die vielen Stämme isoliert voneinander entwickeln. Der höchste Berg des Landes ist der Mount Wilhelm mit 4.509 Metern.
Viele der Einwohner leben immer noch traditionell in Familienverbänden im Bergland. Ein überschaubarer Prozentsatz ist in die Städte abgewandert. Die Gemeinschaft wird stark vom sogenannten „Wantok“-System bestimmt (das Wort setzt sich aus den englischen Wörtern „one“ und „talk“ zusammen). Es bezeichnet die Zugehörigkeit zu einem Volk durch die Verwendung der gleichen Sprache. Dadurch wird Hilfe und Unterstützung durch die Gemeinschaft zugesichert, aber man geht auch Verpflichtungen ein. Das System bestimmt stark das Zusammenleben der Bevölkerung und zieht sich nicht nur durch private, sondern auch staatliche Strukturen.
Die größten Städte Papua-Neuguineas im Überblick
- 1 Port Moresby: 364.125 Einwohner, Region National Capital District
- 2 Lae: 148.934 Einwohner, Region Morobe
- 3 Wewak: 37.825 Einwohner, Region East Sepik
- 4 Madang: 35.971 Einwohner, Region Madang
- 5 Mount Hagen: 29.765 Einwohner, Region Western Highlands
- 6 Kimbe: 22.923 Einwohner, Region West New Britain
- 7 Goroka: 22.830 Einwohner, Region Eastern Highlands
- 8 Daru: 15.142 Einwohner, Region Western
- 9 Vanimo: 13.970 Einwohner, Region Sandaun
- 10 Popondetta: 12.600 Einwohner, Region Oro
Papua-Neuguinea: Wissenswertes zum Land
Obwohl das Land reicht an Rohstoffen und Bodenschätzen wie Öl, Gas, Gold oder Kupfer ist, leben die meisten Bewohner dennoch nach wie vor von der Landwirtschaft. Vieles wird auf Eigenbedarf angebaut. Zu den Produkten, die auch auf größeren Plantagen geerntet werden, zählen: Kaffee, Kakao, Tee und Kautschuk.
Lange Zeit wurde auch Holzwirtschaft betrieben. Doch da zu viel abgeholzt wurde und die Tier- und Pflanzenwelt gefährdet war, hat man die Holzwirtschaft inzwischen eingeschränkt. Von der Industrie werden noch Fische, Palmöl und Zucker für das Ausland verarbeitet und exportiert. Allerdings fließt das meiste Geld ins Ausland, weswegen das Land trotz vieler Rohstoffe sehr arm ist.
Eine Besonderheit des Landes ist die Währung. In Papua-Neuguinea ist das Muschelgeld neben der offiziellen Währung als Zahlungsmittel anerkannt. Es besteht meistens aus kleinen Muscheln, die man auf Schnüren aufzieht und deren Wert sich je nach Länge der Schnüre bemisst. Es gibt hierfür sogar eine eigene Bank.
Bemerkenswert ist auch die Fauna des Landes. Sie ist aufgrund der kontinentalen Verbindung vor über 10.000 Jahren eng verwandt mit der australischen Tierwelt. Neben Schnabeligel und Baumkängurus zählen vor allem Warane zu den herausragenden Arten. Einzigartig ist auch die Vogelwelt. Allein die Paradiesvögel kommen hier in 36 Arten vor. Sie zieren auch die Flagge des Landes.
Allerdings stehen viele Arten auch auf der bedrohten Liste. Die Gründe sind die Plantagenwirtschaft mit ihrer Monokultur sowie die Zerstörung und Abholzung von Regenwaldgebieten. Es wird vermutet, dass viele Arten womöglich schon verschwinden, bevor sie überhaupt entdeckt werden. Zu diesen gefährdeten Tierarten zählt unter anderem auch der Königin-Alexandra-Vogelfalter. Er ist mit einer Flügelspannweite von 30 Zentimetern der größte Schmetterling der Welt und auch bei Sammlern heiß begehrt.