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In Europa macht sich die Asiatische Hornisse breit. Problematisch ist das, weil die Art sich auch von Bienen ernährt. Experten schlagen Alarm und gehen raffiniert vor.
München – Invasive Arten haben die Fähigkeit, sich schnell in unvorbereiteten Ökosystemen auszubreiten und Schaden anzurichten. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist da keine Ausnahme. Sie vergrößert ihren Lebensraum pro Jahr um über 80 Kilometer, ernährt sich unter anderem von Schwebfliegen und Honigbienen. Imker schlagen Alarm, Experten warnen und versuchen die invasive Art mit Mini-Peilsendern zu bestücken, um ihre Nester auszumachen.
Imker in Sorge: Asiatische Hornissen dringen sogar in Bienenstöcke ein
Bereits vor 20 Jahren sollen die kleinen „Stachler“ erstmals in Europa aufgetaucht sein. Genetische Analysen haben ergeben, dass der Befall im Westen wahrscheinlich das Ergebnis einer einzigen eingeschleppten Wespe sei, die 2004 von China nach Frankreich gelangte. „Unsere Forschung hat das bemerkenswerte Potenzial für die Ausbreitung der Populationen eusozialer Insekten in eingedrungenen Gebieten aufgezeigt“, erklärte Simon Harrison, Ökologe an der Universität Cork gegenüber sciencealert.com.
So unterscheiden sich europäische und asiatische Hornissen:
| Europäische Hornissen | Asiatischen Hornissen |
| Rötlich bis schwarzer Kopf | Schwarzen Kopf mit orangener Stirn |
| Rotbraune Vorderseite mit schwarzer, v-förmigen Zeichnung | Schwarzer Oberkörper |
| Unterkörper ähnlich einer Wespe; schwarze Markierung auf gelbem Grund | Schwarze Unterseite mit orangener Spitze |
| Quelle: NABU |
Mittlerweile haben sich die Hornissen wohl in ganz Europa ausgebreitet und bereiten Imkern Sorgen. Die invasive Art belagert regelrecht Bienenstöcke und dringt offenbar sogar in die Kästen ein. Durch den heißen und trockenen Sommer im letzten Jahr hätten sich die Tiere vermutlich stark vermehrt. Die Asiatischen Hornissen sind etwas kleiner als heimische, ihre Völker können Tausende Tiere umfassen. Mehr als 15 Nester habe man 2022 in Baden-Württemberg gezählt, sagte Benjamin Waldmann, Referent für invasive Arten beim baden-württembergischen Umweltministerium. „Wir gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus.“ Die ballonförmigen Nester seien schwer zu finden, oft hingen sie versteckt in Baumkronen, heißt es bei science.apa.at.
„Trojanische Pferd“-Prinzip: Jagd auf Asiatische Hornisse mit Peilsendern, um Ausbreitung zu stoppen
Nun hofft man, dass die Hornissen ihre Bauten mit Peilsendern selbst verraten. Helfer lauern ihnen in der Nähe von Bienenstöcken mit Keschern auf und fangen einzelne Tiere. An denen befestigen sie winzige Sender. „Die Idee ist, dass wir den Hornissen auf diese Weise bis zum Nest folgen können“, sagte Waldmann.
Hinweis:
Asiatische Hornissen stehen auf der EU-Liste der invasiven Arten. Wer ein Nest entdeckt, muss es daher Behörden melden und es entfernen lassen. Um die Insektenart und dessen Auswirkung auf das hiesige Ökosystem besser nachvollziehen zu können, bittet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) es per App zu melden, falls asiatische Hornissen gesichtet werden.
Einige Male sei die Methode bereits erfolgreich gewesen. Werde ein Nest aufgespürt, werde mit einem Schaumlöscher der Eingang des Nests geschlossen, dann der entsprechende Ast abgesägt. Das Nest werde tiefgefroren. Durch die Kälte sterben die Hornissen.
Noch bereitet die Asiatische Hornisse Obstbauern wenig Sorgen – anders als in Südeuropa
Bisher haben Imker durch die invasive Art noch keine großen Schäden, wie es vom badischen Imkerverband heißt. Das Problem müsse aber auf lange Sicht gedacht werden. Zudem vergingen sich die „Eindringlinge“ auch an Weintrauben und anderem Obst. In Südeuropa sei das schon ein Problem für Wein- und Obstbauern.
Wer von einer Hornisse gestochen wird, hat wie auch bei einem Wespen- oder Bienenstich Schmerzen. Doch auch wenn sie deutlich größer sind als ihre gelb-schwarzen Artverwandten, sind die Stiche von Hornissen nicht gefährlicher oder schmerzhafter als die einer Wespe. Das gilt auch für den „Neuling“ aus Asien. Ausnahme: jemand ist allergisch. In dem Fall könnte der Stich im schlimmsten Fall zu Atemnot führen. (Ines Baur)
Rubriklistenbild: © David Becus/dpa
