VonJasmina Deshmehschließen
Nicht alles, was in Kosmetik steckt, pflegt die Haut. Insbesondere in der Schwangerschaft sollten Frauen die Inhaltsstoffe ihrer Pflegeartikel genau unter die Lupe nehmen.
Eine Schwangerschaft bringt viele körperliche Veränderungen mit sich. Vielleicht möchten angehende Mamas gerade deshalb nicht auf die gewohnte Kosmetik-Routine verzichten. Denn was der Mutter gut tut, kommt auch dem Baby zugute – oder? Tatsächlich kann die Haut während der Schwangerschaft besondere Aufmerksamkeit benötigen. Denn häufig ist sie trockener oder fettiger als sonst. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten lohnt sich aber. Denn nicht alle Substanzen sind für Mutter und Kind unbedenklich.
Welche Inhaltsstoffe Schwangere meiden sollten
Schwangere müssen nicht vollständig auf Kosmetik verzichten, aber sie sollten sich bewusst sein, dass bestimmte Substanzen durch die Haut in den Körper gelangen und potenziell Auswirkungen auf das Ungeborene haben können.
Folgende Inhaltsstoffe sollten sie umgehen:
- Salicylsäure (BHA): ist oft Bestandteil von Anti-Pickel-Cremes und hemmt die Produktion von körpereigenen Prostaglandinen. Sie kann sich negativ auf Herz und Nieren des Babys auswirken.
- Retinol (Vitamin A): Soll die Zellteilung anregen und steckt häufig in Anti-Falten-Creme. Studien zeigen, dass oral aufgenommenes Retinol zu Fehlbildungen beim Fötus führen kann. Auch wenn Retinol in Kosmetik vermutlich nur in geringer Menge über die Haut aufgenommen wird, empfehlen Mediziner, solche Kosmetikprodukte sicherheitshalber zu meiden.
- Anti-Schuppen-Shampoo: Können ebenso Salicylsäure enthalten. Hier können Schwangere alternativ auf Hausmittel wie Brennnesseltee oder Zinkhaarwasser zurückgreifen.
- Deo mit Aluminium: Deodorant mit Aluminiumsalzen steht immer wieder in der Kritik. Ob diese wirklich über die Haut in den Körper gelangen und eine Gefahr für das Baby darstellen, ist fraglich. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist – ganz ausgeschlossen werden kann das nicht. Statt Antitranspirante, können Schwangere natürliche Alternativen nutzen.
Kosmetik in der Schwangerschaft: Wie sieht es mit Haarefärben aus?
Klinische Studien, die zeigen, dass Haarefärben einen schädlichen Effekt auf das Ungeborene hat, gibt es nicht. Allerdings dürfen aus ethischen Gründen auch keine Studien an Schwangeren durchgeführt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht ebenfalls keine Gefahr von Haarfärbemitteln in der Schwangerschaft und Stillzeit. Dies gilt jedoch nur für Produkte, die in Deutschland zugelassen sind.
Hinzu kommt, dass Haarfärbemittel chemische Substanzen wie aromatische Amine enthalten können, von denen ein Allergierisiko ausgeht. Wer hier jegliche Risiken ausschließen möchte, sollte also besser auf Haarefärben in der Schwangerschaft verzichten.
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Und wie sieht es mit Nagellack aus?
Maniküre und Pediküre sind in der Schwangerschaft erlaubt. Im besten Fall aber ohne den Einsatz von Nagellack. Denn der Effekt der glatten, ebenmäßigen und bunten Nägel entsteht nicht zuletzt durch Lösungsmittel und Weichmacher. Einige von ihnen stehen im Verdacht, Allergien hervorzurufen.
Anders als oft angenommen ist der aus Horn bestehende Nagel für Schadstoffe durchlässig. Außerdem können beim Auftragen Dämpfe eingeatmet werden. Wer nicht auf Nagellack verzichten möchte, sollte zumindest auf Naturkosmetik zurückgreifen. Denn Produkte zertifizierter Naturkosmetikhersteller müssen frei von kritischen Stoffen wie Formaldehyd, Formaldehydharz, Toluol, Dibutylphthalat und Kampfer sein.
Besser die Finger lassen sollten Schwangere dagegen von künstlichen Gel-Nägeln: Sie enthalten eine Menge Chemikalien, die in der Schwangerschaft wirklich nicht sein müssen.
Vorsicht mit Bleaching: Zahnfleisch von Schwangeren ist besonders empfindlich
Während regelmäßige Kontrolluntersuchungen und professionelle Zahnreinigungen in der Schwangerschaft durchaus sinnvoll sind, sollten Schwangere mit dem Bleaching (Aufhellung der Zähne) bis nach der Geburt warten. Denn Studien zu Auswirkungen des Bleichmittels Wasserstoffperoxid in der Schwangerschaft gibt es nicht. Außerdem ist das Zahnfleisch durch die Schwangerschaftshormone empfindlicher als sonst. Das sollte auch beim Einsatz von Zahnseide und Zungenbürsten bedacht werden.
Rasieren ist besser als Enthaarungscremes
Ein erhöhter Östrogenspiegel in der Schwangerschaft lässt die Haare sprießen – auch am Körper. Da die Haut am Bauch in der Schwangerschaft besonders strapaziert wird, sollte sie aber nicht mit Enthaarungscremes behandelt werden. Denn in den Cremes stecken meist Thioglykolsäure und Natriumhydroxid, zwei Substanzen mit ätzender Wirkung, die die Haut reizen und Kontaktallergien auslösen können. Besser: zum klassischen Rasierer greifen und Rasiergele oder -schaum mit neutralem PH-Wert nutzen.
Sonnencreme und Selbstbräuner
In der Schwangerschaft ist die Haut besonders empfindlich gegenüber UV-Licht. Bei längeren Aufenthalten im Freien sind deshalb Sonnenschutzmittel zu empfehlen. Sonst kann es zu Sonnenbränden und Pigmentflecken kommen. Weil chemische UV-Filter über die Haut in den Körper gelangen, sollten Schwangere besser zu Sonnencreme mit mineralischen UV-Filtern greifen. Es bleibt auf der Hautoberfläche und reflektiert die Sonnenstrahlen. Allergikersiegel wie das DAAB-Siegel oder das ECARF-Siegel zeigen außerdem, dass die Produkte frei von bedenklichen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sind.
Selbstbräuner und Solariengänge sind dagegen nicht zu empfehlen. Die UV-Strahlung im Solarium erhöht zum einen das Hautkrebsrisiko und kann zum anderen den Abbau von Folsäure fördern, wie Studien verweisen. Diese ist gerade zu Beginn der Schwangerschaft für die Entwicklung des Babys wichtig.
Die Wirkung von Selbstbräuner beruht meist auf Dihydroxyaceton (DHA), das in Kombination mit Wärme Formaldehyd abspalten kann. Eine Substanz, die im Verdacht steht, Krebs zu erregen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren nicht beantwortet werden.
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