Vom Aussterben bedroht

Bisher unbekannte Pinguin-Kolonie in der Antarktis entdeckt – dank Satelliten

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Junge und ausgewachsene Kaiserpinguine in der Antarktis.
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Eine neue Kaiserpinguin-Kolonie wurde dank Satelliten-Aufnahmen entdeckt. Doch auch diese Kolonie ist wahrscheinlich vom Aussterben bedroht.

Halley VI (Westantarktis) – Vor Kurzem haben Wissenschaftler die Existenz einer bisher unbekannten Kolonie von Kaiserpinguinen (Aptenodytes forsteri) bestätigt. Die Kolonie beherbergt schätzungsweise 1000 erwachsene Vögel in 500 Paaren mit ihren Jungen und ist damit relativ klein für einen Brutplatz des Kaiserpinguins.  Bei der Entdeckung halfen ihnen Satellitenaufnahmen der europäischen Copernicus Sentinel-2-Satelliten und der Maxar WorldView-3-Satelliten.

Die Aufnahmen zeigen relativ auffällige braune Flecken auf dem Eis und Felsen – Kotspuren oder auch Guano-Flecken genannt. Guano wird der Vogelkot von fischessenden Seevögeln genannt, der sich über Jahrhunderte an den bevorzugten Brutplätzen dieser Vögel ansammelt.  Da Kaiserpinguinkolonien auf dem Meereis leben, ist ein Großteil des Guanos gefroren und riecht nicht. „Die Kaiserpinguine sind stattlicher und stinken nicht so sehr wie andere Pinguine“, so der Entdecker der Kotspuren, Peter Fretwell.

Bislang haben Wissenschaftler 66 Kaiserpinguin-Kolonien an der Küste der Antarktis gefunden; viele davon liegen in abgelegenen Regionen und waren bisher nur auf Satellitenfotos zu sehen.

Er sah sich im Dezember 2022 dafür Aufnahmen der beiden Copernicus-Sentinel-2-Satelliten an, auf denen der Meereisverlust klar zu erkennen war. „Ich konnte etwas sehen, das wie ein sehr kleiner brauner Fleck auf dem Eis aussah“, erzählte der Mitarbeiter der britischen Polarforschungsorganisation BAS (British Antarctic Survey) gegenüber Live Science.   Die höher auflösenden Aufnahmen der Maxar WorldView-3-Satelliten bestätigten seine Annahme: das Vorhandensein der Brutkolonie in der Nähe des Verleger Point in der Westantarktis.

Da sich der Guano der Pinguine ansammelt und das Eis und den Schnee tiefbraun färbt, ist er aus der Ferne viel leichter zu erkennen als die Kaiserpinguine selbst. Doch auf den Aufnahmen sind vereinzelnd auch Kaiserpinguine als winzige Punkte zu sehen – auf diesen Punkten habe Fretwell eine Schätzung über die Population der Kolonie getroffen. 

Mehr Kaiserpinguine als bisher angenommen – dennoch sind sie bedroht

Mit dieser jüngsten Entdeckung verfügen die Wissenschaftler nun über Daten zu 66 Kaiserpinguinkolonien entlang der antarktischen Küste, von denen die Hälfte mithilfe von Satellitenbildern entdeckt wurde. Jüngste Satellitenuntersuchungen legen sogar nahe, dass es in der Antarktis rund 20 Prozent mehr Kaiserpinguine geben könnte als bisher angenommen. 

Hochauflösende Aufnahmen, die der Satellit Maxar WorldView-3 im Oktober gemacht hat, zeigen die bisher unbekannte Pinguinkolonie auf dem Meereis. Die Guanoflecken und sogar einzelne Pinguine sind nun sichtbar.

Zudem sind die Kaiserkolonien in diesem Gebiet nur schwer zu erforschen, da sie sich oft an abgelegenen und unzugänglichen Orten befinden. Dort herrschen Temperaturen von minus 60 Grad Celsius. Aus diesem Grund nutzt das BAS seit 15 Jahren Satelliten, um auf seinen Aufnahmen nach Guano-Flecken auf dem Eis zu suchen.

„Die neuen Satellitenbilder der antarktischen Küste haben es uns ermöglicht, viele neue Kolonien zu finden. Und obwohl dies eine gute Nachricht ist, ist diese Kolonie, wie viele der kürzlich entdeckten Standorte, klein und liegt in einer Region, die vom jüngsten Meereisverlust stark betroffen ist“, erörtert Fretwell.

Eisberg von der Größe Londons in der Antarktis abgebrochen

Erst jüngst ist der 1.550 Quadratkilometer große Eisbrocken Chasm-1 während einer Springflut in der antarktischen Brunt-Schelfeis abgebrochen. Das entspricht einer Fläche in der Größe der Stadt London. „Diese Abspaltung haben wir erwartet, sie ist Teil des natürlichen Verhaltens des Brunt-Schelfeises. Das hängt nicht mit dem Klimawandel zusammen“, sagte der BAS-Gletscherforscher Dominic Hodgson einer Mitteilung zufolge. Nur wenige Kilometer von der jetzigen Abbruchstelle entfernt, befindet sich die britische Forschungsstation Halley VI. Seit Jahren beobachten Glaziologen von dort aus Ausdehnung großer Risse im Eis. 

Was ist ein Glaziologe?

Ein Glaziologe ist ein Wissenschaftler, der die Formen, das Auftreten und die Eigenschaften von Eis und Schnee in all ihren Ausformungen – seien es Gletscher, Permafrost oder Schelfeis – untersucht.

In derselben Region ist bereits vor zwei Jahren ein ähnlich großer Eisberg abgebrochen. Hier hatte der Klimawandel durch seine höheren Temperaturen das Schmelzen des Meereises deutlich beschleunigt, bis der 1200 Quadratkilometer große Eisbrocken schließlich abbrach.

Pinguin-Kolonien vom Aussterben bedroht

Laut dem BAS würden die derzeitigen Prognosen für den Klimawandel auf das Aussterben von 80 Prozent der Pinguin-Kolonien bis zum Ende des Jahrhunderts hindeuten. Kaiserpinguine brüten ausschließlich auf gepacktem Meereis. Diese Abhängigkeit vom Meereis macht die Pinguine jedoch auch anfällig für dessen Verlust und die Erderwärmung lässt Eisbrocken immer wieder abbrechen.

„Letztes Jahr hatten wir in der Antarktis die geringste Meereisausdehnung aller Zeiten, und dieses Jahr ist es sogar noch schlimmer, und zwar in zwei aufeinanderfolgenden Jahren“, so Fretwell. Der Kaiserpinguin ist die größte und schwerste aller lebenden Pinguinarten. Sie werden in der Regel bis zu 100 Zentimeter groß und wiegen bis zu 45 Kilogramm. Ihren Namen verdanken sie ihrem dramatischen schwarz-weiß-gelben Federkleid. 

Kaiserpinguine verbringen den größten Teil des antarktischen Sommers damit, nach Fischen, Krustentieren und Krill zu tauchen. In den dunklen Wintermonaten brüten sie auf der Oberfläche des dichten Meereises, manchmal mehr als 50 Kilometer vom offenen Ozean entfernt, wo die Temperaturen bis auf minus 60 Grad Celsius fallen können. Die US-Regierung hat die Kaiserpinguine aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels im letzten Jahr zu einer bedrohten Art erklärt.

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