VonCarolin Gehrmannschließen
Das Post Covid-Syndroms ist unangenehm und kann noch Monate nach der Corona-Infektion für Leidensdruck sorgen. EineStudie zeigt nun, wie häufig auch Kinder und Jugendliche betroffen sind.
Dresden – Der Test ist wieder negativ, das Coronavirus ist besiegt. Doch für viele Menschen hört das Leid danach nicht auf. Covid-19 führt in vielen Fällen zu Spätfolgen. Long Covid und die zugehörgen Symptome lassen grüßen. Millionen von Menschen kämpfen noch lange nach der akuten Erkrankung mit unangenehmen Symptomen wie Brain Fog, chronischer Müdigkeit, Husten oder Kurzatmigkeit – oft sogar monatelang. Wenn die Beschwerden länger als drei Monate nach der Ansteckung mit dem Coronavirus noch andauern, spricht man von Post Covid. Sind es mindestens vier Wochen, dann definieren die deutschen Patientenleitlinien das als Long Covid Syndrom.
Bei Beschwerden, die länger als drei Monate andauern, spricht man von Post Covid
Ob Post Covid auch Kinder und Jugendliche betrifft, war lange Zeit nicht klar. Doch eine groß angelegte Studie unter Leitung der Uniklinik Dresden liefert neue Erkenntnisse zu Post Covid in den verschiedenen Altersgruppen und zeigt: Auch junge Menschen können noch sehr lange unter erheblichen Beschwerden leiden – wenn auch nicht so häufig wie Erwachsene, die von Post Covid betroffen sind.
Dauer der Symptome von Post Covid in neuer Studie der TU Dresden untersucht
Für die Studie zu Post Covid wurden Daten von sechs deutschen Krankenkassen verwendet, die Aufschluss über Art und Dauer der Symptome geben sollten, wie oft bestimmte Langzeit-Symptome bei durch einen PCR-Test bestätigten Covid-19-Fällen auftraten. Dabei kam heraus: Das Risiko von Kindern und Jugendlichen, nach einer Corona-Infektion länger unter gesundheitlichen Problemen – und damit unter Post Covid – zu leiden, war um 30 Prozent erhöht.
Allgemeines Unwohlsein, Erschöpfung, Husten sowie Schmerzen im Hals- und Brustbereich waren laut der Studie zu Post Covid die häufigsten Beschwerden, die nach drei Monaten bei den jungen Menschen auftraten. Aber auch psychische Auswirkungen wie Anpassungsstörungen, die den Gemütszustand und die zwischenmenschlichen Beziehungen beeinträchtigen, wurden festgestellt. Übrigens: Bei Long Covid steigt das Risiko für Depressionen allgemein an.
Erwachsene deutlich häufiger von Post Covid Syndrom betroffen als Kinder und Jugendliche
Erwachsene waren ein Vierteljahr nach der Erkrankung jedoch deutlich häufiger noch gesundheitlich eingeschränkt – um 41 Prozent höher war die Wahrscheinlichkeit, dass sie langanhaltende psychische oder physische Symptome entwickelten. Die häufigsten Post Covid-Symptome, die in den Akten vermerkt waren, lauteten: langanhaltende Geschmacks- oder Geruchsstörungen, Fieber, Atemnot oder Husten. Bei der Studie wurden allerdings Daten aus dem Jahr 2020, also dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, verwendet. Inzwischen hat sich das Coronavirus schon mehrfach verändert und mit Omikron verschiedene neue Varianten – zum Beispiel BQ.1.1 hervorgebracht, die andere, oft mildere, Symptome als die Ursprungsvariante hervorrufen.
Schwierige Diagnose: Symptome wie Müdigkeit und Konzentrationsschwäche bringen viele nicht mit Post Covid in Verbindung
Die Studie wurde in Fachkreisen mit Interesse aufgenommen, da besonders die Erkenntnisse über die Post-Covid-Beschwerden von Heranwachsenden neu sind. Ein Kritikpunkt daran war jedoch, dass es durch das Design der Studie nur einen Einblick in die Beschwerdekomplexe von Menschen gibt, die tatsächlich eine Arztpraxis aufgesucht haben. Müdigkeit, Erschöpfbarkeit sowie Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwächen bringen viele Betroffene möglicherweise nicht mit ihrer Covid-Erkrankung in Verbindung oder gehen deswegen nicht unbedingt zum Hausarzt. Sonst wäre das Ergebnis möglicherweise noch deutlicher ausgefallen.
Genaue Ursachen für Long und Post Covid noch unklar – Therapie deshalb schwierig
Neben Untersuchungen über Art, Dauer und Häufigkeit von Long-Covid-Symptomen, befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit auch mit den möglichen Ursachen für die Beschwerden. Doch die Forschung hat hier noch keine eindeutigen Informationen sicherstellen können. Fachleute fordern deshalb auch, dass mehr Geld für die Erforschung von Long Covid bereitgestellt werden muss.
Einen Zusammenhang zwischen einer gesteigerten Abwehrreaktion des Zentralen Nervensystems und dem Auftreten von Brain Fog legt eine Studie aus Kalifornien nahe. Auch ein gesteigertes Risiko für Gürtelrose gehört zu den möglichen Spätfolgen einer Corona-Infektion, wie Forscher in den USA ermitteln konnten. Zudem gehen Wissenschaftler derzeit davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, an Long Covid zu erkranken, steigt, je öfter man sich mit Corona ansteckt.
Therapie von Post Covid derzeit auf Symptomlinderung ausgerichtet
Es ist offensichtlich: In Sachen Long und Post Covid ist noch viel Ursachenforschung nötig, die allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, ehe sich gesicherte Erkenntnisse daraus ableiten lassen werden. Bis dahin bleibt die Therapie schwierig. Die beschränkt sich derzeit nämlich noch auf die reine Symptomlinderung, wie Nicole Simon vom Nachrichtenmagazin Stern im Podcast „Heute wichtig“ erklärt. Das kann Riechtraining sein oder auch Gedächtnistests, Atemübungen oder Muskeltraining.
Betroffene von Long Covid müssen lange Wartezeiten für Reha in Kauf nehmen
Eine ursächliche Behandlung ist durch das fehlende Wissen über Long Covid und Post Covid noch nicht möglich und auf eine Reha muss man meist sehr lange warten. Viele verzweifelte Patienten werden daher selbst aktiv und greifen für Behandlungen mit fragwürdigem Erfolg wie die Blutwäsche tief in die Tasche. Einen vielversprechenden Ansatz, um Long Covid zu vermeiden, könnte jedoch die Gabe des Medikaments Paxlovid während der akuten Infektion darstellen.
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