VonFelicitas Breschendorfschließen
Die Kosten für ein Gramm Cannabis variieren stark je nach Anbauvereinigung. Was sind die Ursachen für die Preisunterschiede?
Im Frühjahr sagte ein Cannabis-Club-Vorsitzender BuzzFeed News Deutschland, dass es nicht möglich sei, unterschiedliche Sorten mit verschiedenen Preisen anzubieten. Damals habe noch niemand ein Konzept gehabt, wie das funktionieren könne – „ohne eine Art ‚All You Can Eat-Abo‘ anzubieten“, kritisierte Andreas Gerhold im April 2024.
Vier Monate nach der Teil-Legalisierung öffnen die ersten deutschen Cannabis-Clubs. Doch, wie viel müssen Mitglieder für Gras bezahlen? Nach einer Recherche von BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA variieren die Cannabis-Preise zwischen drei und zehn Euro pro Gramm. Im Schnitt liegt der Preis ungefähr bei sechs Euro.
Neun Cannabis-Clubs in Niedersachsen beginnen mit Anbau
Seit dem 1. April können Cannabis-Clubs eine Genehmigung zum Anbau bei der in ihrem Bundesland zuständigen Behörde beantragen. Um herauszufinden, wie hoch die Preise in Cannabis-Clubs sind, haben wir uns nur diejenigen angesehen, deren Antrag bereits erfolgreich war.
Bisher ist das nur in einem Bundesland passiert: in Niedersachsen. Dort dürfen auf Nachfrage bei der Landwirtschaftskammer bereits neun Cannabis-Clubs mit dem Anbau beginnen (Stand: 15. August, 16 Uhr). In allen anderen Bundesländern zögern Behörden mit der Genehmigung.
CSC-Gründerin erklärt, warum ihre Preise so hoch sind
Einer der Cannabis-Clubs, die gerade an den Start gehen, ist der CSC Niedersachsen in der Gemeinde Schortens im Landkreis Friesland. Die Einstiegsgebühr, um Mitglied zu werden, kostet hier 180 Euro. Das beinhaltet 20 Euro einmalige Beitrittsgebühr, 60 Euro Jahresmitgliedschaft und zehn Gramm Cannabis. Daraus ergibt sich ein Gramm-Preis von zehn Euro. Der CSC Niedersachsen ist damit viel teurer als beispielsweise CSC Veerßen im Landkreis Uelzen, der – je nach Sorte – nur drei bis vier Euro für das Gramm verlangt.
Warum sind die Preise beim CSC Niedersachsen so viel höher? „Weil es nicht anders möglich ist. Wir müssen so viel verlangen, um den Cannabis-Anbau zu stemmen und unsere Investitionskosten tragen zu können. Wir finanzieren uns ausschließlich über unsere Mitglieder und deren aktive Hilfe“, sagt Petra Borchers BuzzFeed News Deutschland. Sie hat gemeinsam mit ihrem Sohn den Cannabis-Club gegründet.
Günstiger Cannabis-Club verkauft nebenbei medizinisches Cannabis
Eine Anbauvereinigung aufzubauen sei kostspielig, erzählt Borchers: allein durch die Stromkosten und die Miete für die Anbaufläche. Viele andere Cannabis-Clubs finanzieren sich deshalb laut Bochers mit einem Sponsor. Sie selbst habe ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter. Wie jede Anbauvereinigung darf auch der CSC Niedersachsen keine Gewinne erzielen.
Cannabis beim CSC Veerßen ist aufgrund der Anbaumethode günstiger, teilt der Vorstandsvorsitzende Roger Bräckerbohm BuzzFeed News Deutschland mit. Der Verein plant, Cannabis mit Solarenergie und Hydrokulturen (also nicht mit Erde, sondern in wassergefüllten Behältern) anzubauen.
Aktuell nimmt der CSC Veerßen nur 50 Mitglieder auf, rechnet aber in Zukunft mit 300 Mitgliedern. „Umso mehr Mitglieder ein Verein hat, umso günstiger kann der Cannabis-Preis sein“, sagt Bräckerbohm. Für eine aktive Mitgliedschaft müssen sie bei ihm einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 39 Euro zahlen. Wer den Verein zusätzlich fördern will, kann 59 Euro im Monat geben. Ab Anfang Oktober können Mitglieder voraussichtlich das erste Gras abholen, so Bräckerbohm.
Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschand.
CSC-Gründerin: Cannabis-Anbau ist „nicht abschätzbares finanzielles Risiko“
„Für alle Vereine ist der Anbau ein derzeit nicht abschätzbares finanzielles Risiko“, sagt Borchers. Sie fühlt sich trotz Teil-Legalisierung nicht von der Politik abgesichert. Bei einem Regierungswechsel könnte die CDU das Cannabis-Gesetz (CanG) wieder einschränken. Bisher ist sie jedoch dankbar, dass die niedersächsische Landwirtschaftskammer, die von den Grünen geführt wird, sich für die Anbauvereinigungen einsetzt.
„Die Arbeit, die hinter einem Cannabis-Club steckt, ist der Wahnsinn“, sagt die CSC-Gründerin. „Aber die Gemeinschaft macht mir Freude. Gestern (Sonntag, 19. August) habe ich Mitgliedern dabei zugeschaut, wie sie die ersten Pflanzen gesetzt haben.“
Ende November können sich die Mitglieder des CSC Niedersachsens nach ihrer Einschätzung auf die Ernte freuen. In vielen anderen Bundesländern kommt die Cannabis-Abgabe in Anbauvereinigungen vermutlich erst Anfang nächsten Jahres.
Transparenzhinweis: Wir haben den Text um ein Statement vom CSC Veerßen ergänzt.
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