Winter‐Wetter im November? Modell liefert klare Prognose für den Monatswechsel
VonDominik Jung
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Der November startet mild – doch bahnt sich schon der erste Winterhauch an? Die Modelle geben eine überraschende Antwort. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Das sogenannte Climate Forecast System, kurz CFS, ist ein komplexes Klimamodell, das von US-Forschern entwickelt wurde. Es kombiniert Atmosphäre, Ozeane, Boden und Meereis zu einem einzigen globalen System. Dabei werden aktuelle Messdaten eingespeist, die dann als Startpunkt für viele verschiedene Berechnungen dienen. Aus diesen unzähligen Szenarien entsteht eine Art Wahrscheinlichkeitskarte der kommenden Monate.
Das CFS soll also keine punktgenaue Wetter-Vorhersage liefern, sondern vielmehr einen Trend zeigen – ob etwa ein Monat zu warm, zu nass oder zu trocken ausfallen könnte. Das Modell ist deshalb besonders beliebt, um zu erkennen, ob ein ganzer Monat ungewöhnlich warm oder kalt werden könnte. Doch man darf es nicht überinterpretieren: Langfristmodelle liefern keine exakten Wettertage, sondern nur Tendenzen. Sie sind ein Blick auf das große Ganze – keine tägliche Prognose.
Wetter-Trend für den November 2025: Mild, aber nicht rekordverdächtig
Die aktuellen CFS-Daten zeigen für Deutschland einen leicht überdurchschnittlich warmen November. Vor allem im Norden sind die Abweichungen spürbar, hier könnte der Monat um etwa ein halbes bis ein Grad wärmer ausfallen als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im Süden hingegen liegen die Werte im Bereich des langjährigen Durchschnitts. Auch beim Niederschlag gibt es kaum Auffälligkeiten – weder zu trocken noch zu nass, einfach ein recht durchschnittlicher Spätherbstmonat.
Das bedeutet: Ein abruptes Umschlagen in tiefwinterliche Verhältnisse ist derzeit unwahrscheinlich. Die Witterung dürfte eher wechselhaft und mild bleiben, mit einzelnen kühleren Phasen, aber ohne markante Kältewellen. In den höheren Lagen kann es zwar vorübergehend etwas Schnee geben, doch von einem landesweiten Wintereinbruch sind wir noch weit entfernt.
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Warum ein früher Wintereinbruch unwahrscheinlich ist
Die Ausgangslage spricht klar gegen einen frühen Winterstart. Die Luftmassen, die derzeit Mitteleuropa bestimmen, stammen größtenteils aus dem Atlantik – sie bringen Feuchtigkeit und milde Temperaturen. Um einen echten Wintereinbruch zu bekommen, müsste sich die Strömung komplett umstellen, kalte Luft aus Skandinavien oder Russland müsste nach Süden drängen. Doch weder das CFS-Modell noch andere saisonale Prognosen deuten derzeit auf eine solche Umstellung hin. In den Bergen in Bayern wird aber bereits Schnee erwartet.
Selbst wenn einzelne Kaltluftepisoden möglich sind, würde es sich dabei um kurze Zwischenphasen handeln. Ein flächendeckender, langanhaltender Wintereinbruch im November wäre ein Ausnahmefall – und danach sieht es momentan nicht aus. Die Wahrscheinlichkeit für frostige Nächte oder erste Schneeflocken bleibt zwar bestehen, doch sie markieren eher den Übergang in den Winter als dessen eigentlichen Beginn.
Wann kommt der „echte“ Winter?
Vieles spricht dafür, dass sich der Winterstart in diesem Jahr verzögert. Das milde Temperaturniveau im November kann den Boden lange warm halten, wodurch Schnee in den Niederungen schwer Fuß fasst. Ein später, dafür aber womöglich markanterer Winter ist daher realistischer. Wenn sich im Dezember oder Januar die großräumige Zirkulation ändert, könnte es dann deutlich kälter werden – vor allem, wenn der Polarwirbel geschwächt wird oder kalte Luft aus Osteuropa anrückt.
Im Moment jedoch dominiert die milde Atlantikluft. Der November 2025 dürfte daher eher freundlich und herbstlich als winterlich ausfallen. Für Schneefans heißt das: Geduld. Der Winter kommt – aber wohl nicht früh, nicht heftig und sicher nicht im November.