Ohne sie zu gefährden

„Passiert allen Eltern“: Psychologin über Erziehungsfehler, der Kinder seelisch verletzen kann

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Eine Psychologin trainiert mit Eltern wichtige Skills in der Erziehung. Sie sagt, welchen Fehler viele Eltern machen und warum er so schädlich ist.

In Deutschland leiden bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter einer psychischen Störung. Doch nicht alle Kinder sind gleich gefährdet. Was sie in der Familie erleben und wie sich Eltern verhalten, hat einen erheblichen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Kinder.

„Eltern spiegeln permanent den mentalen Zustand ihres Kindes. Und wenn sie dabei falsch vorgehen, dann lernt das Kind nicht, sich selbst zu verstehen“, sagt Svenja Taubner BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Die Psychologin möchte, dass mehr Eltern darüber informiert sind, wie sie ihre Erziehung verbessern können.

„Das passiert allen Eltern“: Psychologin erklärt, welchen Einfluss Erziehung auf psychische Gesundheit hat

Taubner sieht viele psychische Erkrankungen als kreative Anpassungsreaktionen. Wie entstehen sie? Ein Kind ist wütend, die Eltern reagieren mit Liebesentzug oder Strafen. Das Kind lernt, dass es nicht sicher ist, negative Emotionen wie Wut und Ärger auszudrücken. „Aber die Gefühle sind ja nicht weg. Das Kind muss diese Wut umwandeln, abwehren, unterdrücken. Das macht es nicht bewusst, sondern mit psychischen Werkzeugen. Wenn die Wut dann gegen sich selbst gerichtet wird, können Depressionen entstehen“, erläutert sie.

Ich bin zu viel, ich bin schlecht, ich kann nichts – negative Grundüberzeugungen, die viele Patientinnen und Patienten von Taubner haben. Sie ist Direktorin des Instituts für Psychosoziale Prävention am Universitätsklinikum Heidelberg und erklärt: „Diese negativen Grundüberzeugungen sind verinnerlichte Spiegelungen von überforderten Eltern.“ Sie fügt hinzu: „Eltern machen das nicht absichtlich. Das passiert allen Eltern.“

Im Supermarkt, in der Bahn, auf Spielplatz: Wutanfälle von Kindern gibt es häufig. (Symbolbild)

Wie Eltern bei einem Wutausbruch reagieren sollten und welchen Erziehungsfehler viele machen

Um die psychische Gesundheit der Kinder zu schützen, müssten Eltern eine sichere Bindung herstellen und den Kindern etwas über ihre Gefühle nahe bringen – „nämlich, dass sie okay sind“, so Taubner. Eine Voraussetzung dafür sei, dass die Eltern selbst ein gutes Verständnis dafür haben, was ihr Kind denkt und fühlt.

Die Psychologin sagt: „Wenn Eltern Schwierigkeiten haben, sich in ihr Kind hineinzuversetzen, laufen Interaktionen schief“. Diese Fähigkeit hänge beispielsweise vom Stresslevel ab. Gesellschaftliche Normen, also bestimmte Erwartungen, wie Kinder sich verhalten sollten, spielen laut Taubner ebenfalls eine Rolle. „Wir neigen dazu, gerade unter Stress, eher negative Absichten zu unterstellen“, sagt Taubner. Eltern sollten versuchen, offen und neugierig die Gründe für das Verhalten ihrer Kinder herauszufinden.

Wenn ein Kind wütend werde, weil seine Mutter das Geschwisterchen ins Bett bringt, sollten die „Bedürfnisse und Gefühle des Kindes wertgeschätzt und ernst genommen werden“, sagt Taubner. „Validieren“ nennt sie diese wichtige Reaktion von Eltern auf einen Kinder-Wutausbruch. In diesem Fall kann das so aussehen: Es ist kein Wunder, dass du eifersüchtig bist, weil du jetzt die Aufmerksamkeit deiner Eltern mit deinem neuen Geschwisterchen teilen musst. Viele Eltern machten den Erziehungsfehler, danach noch ein „aber“ dranzuhängen. So komme das „validieren“ nicht richtig rüber, warnt die Expertin.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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