VonMartina Lipplschließen
An Italiens Küsten häufen sich Berichte über Quallen-Probleme. Besonders betroffen sind die beliebten Urlaubsstrände von Jesolo. Eine Frau sorgt allerdings für Staunen.
Jesolo – Quallen können Urlaubern das Baden im Meer vergraulen. In Jesolo (Italien) werden gerade unzählige der glibbrigen Meerestiere an den Strand geschwemmt. In den sozialen Netzwerken verbreiten sich Fotos und Videos von der Quallen-Plage. Meduse heißen die Meeresbewohner auf Italienisch.
Italien: Frau in Jesolo packt Quallen für Zuhause ein
Die meisten Touristen gehen vor den wabbligen Überresten auf Abstand. Eine Urlauberin wurde jedoch dabei beobachtet, wie sie dutzende Quallen am Strand sammelte. Nachdem die Frau die Meerestiere in einem Netz einfangen hatte, legte sie ihre Beute an der Strandpromenade auf der Piazza Marcroni aus, berichten lokale Medien. Dann bestreute sie die Quallen mit etwas Salz. Etwas später sammelte die Frau die Quallen in Plastikeimer.
In einem Video der Lokalnachrichten ist zu sehen, wie die Frau die Quallen aus dem Meer von Jesolo auf einem Holzsteg für das Abendessen in der Sonne auslegt. Es scheint eine tägliche Routine der Frau zu sein.
Italien: Quallen-Plage in Jesolo – Weichtiere zum Abendessen sorgen für Kopfschütteln
Der Anblick der Vorbereitung bringt wohl einige Menschen ziemlich durcheinander. Quallen als Lebensmittel zu verwenden, können sich viele Italiener oder deutsche Urlauber kaum vorstellen. In China, Japan und Thailand ist der Verzehr von Quallen hingegen recht verbreitet. Quallen-Gerichte finden sich dort auf der Speisekarte.
Es gibt unterschiedliche Methoden, Quallen zuzubereiten. In China werden Quallen gerne getrocknet, gesalzen und hauptsächlich in Salaten verwendet. Im Internet finden sich zahlreiche Rezepte für Quallensalat, Quallensuppe oder Quallen-Sushi. Quallen gelten als ein Lebensmittel der Zukunft – auch für Europa: Sie enthalten kein Fett und kein Cholesterin, dafür Proteine, Natrium, Calcium, Kalium und Magnesium.
Gründe für die Quallen-Plage in Italien
Quallen in der Adria sind kein seltenes Phänomen. Immer wieder treten sie in Schwärmen entlang der Strände in Gardo, Bibione oder Ligano auf. Im Frühjahr wurde etwa im Hafen von Triest eine „Quallenblüte“ überraschenden Ausmaßes beobachtet. Mehrere Gründe sind wahrscheinlich dafür verantwortlich. Das massive Auftreten der Quallen ist noch nicht restlos geklärt. Eher ungewöhnlich ist hingegen die aktuelle Heuschrecken-Plage auf der Insel Sardinien.
- Quallenplagen sehen Forscher vor allem als ein Symptom der Überfischung der Meere. Die Überfischung führt zu einem Ungleichgewicht der Meere.
- Überfischung: Thunfischen und Meeresschildkröten fressen Quallen. Beide Bestände gehen vielerorts drastisch zurück. Es ist einer der plausibelsten Erklärungen für das häufige Vorkommen von Quallen.
- Erwärmung der Meere: Der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Meere soll für den Anstieg der Quallen-Population verantwortlich sein.
Quallen aus dem Meer von Jesolo: Delikatesse zum Dinner
Bei den Exemplaren im Meer von Jesolo handelt es sich vor allem um Lungenquallen (Rhizostoma pulmo.) Sie gehören zu der größten Quallen-Art im Mittelmeer. Die Lungenqualle ist für Menschen in der Regel ungefährlich. Sie sind nicht giftig. Der rosa gefärbte Saum verfügt allerdings über Nesselzellen. Bei Kontakt kann das zu unangenehmen Reaktionen führen.
Wer Lungenquallen essen möchte, sollte mit der Zubereitung vertraut sein, um wirklich die Nesseln gut zu entfernen. Und ein wichtiger Hinweis: Die Verwendung von Quallen in Lebensmittel ist in Italien und anderen Ländern in Europa zunächst noch nicht zugelassen. Darauf weist auch das europäische Forschungsprojekt „Go Jelly“ in seinem eigens verfassten Kochbuch (Stand: Dezember 2021) hin.
Bei der Quallen-Feinschmeckerin in Jesolo handelt es sich um eine Chinesin. Die Köchin ist scheinbar mit dem Umgang und Zubereitung der Quallen vertraut. Nach ihren Angaben müssen die Quallen einen Tag in Salz liegen, bevor sie zum Essen weiterverarbeitet werden, berichtet die Zeitung il mattino di Padova. Übrigens: Die lästigen glibbrigen Meeresbewohner sind für Wissenschaftler auf der ganzen Welt sehr interessant. Schon seit etwa 600 Millionen Jahren bevölkern Quallen die Meere.
Neben der Quallen-Plage kämpft Norditalien mit einer historischen Dürre. Das Land hat den Notstand in den Regionen zwischen Mailand, Gardasee und Venedig ausgerufen. Vergangenes Jahr sorgte der Fund eines seltenen Tieres in Italien für Aufsehen. (ml)
