Als Blitzer-Robin-Hood gefeiert

Volksheld oder Krimineller? „Fleximan“ zerstört Italiens Radarfallen

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In Italien werden Radarfallen reihenweise außer Gefecht gesetzt. Der dafür Verantwortliche wird von Autofahrern als „Fleximan“ gefeiert und von den Behörden gejagt.

Norditalien – In den vergangenen Monaten wurden in Italien mehrere Radargeräte manipuliert. Neun in Venetien, eines in Piemont, eines in der Lombardei und ein weiteres erst kürzlich in Padua. Die Identität der Person oder Gruppe, die für diese Taten verantwortlich ist, bleibt ein Rätsel. In Italien macht in diesem Zusammenhang dennoch ein Name die Runde – der mysteriöse „Fleximan“.

„Fleximan“ hat mindestens 12 Radargeräte in Norditalien unbrauchbar gemacht

Die Serie der Sabotageakte begann bereits im Mai 2023, als ein Radargerät auf der Staatsstraße von Rovigo nach Ferrara bei Bosaro beschädigt wurde. Die Masten, an denen die Radargeräte befestigt sind, werden einfach umgesägt. Mit einem Winkelschneider wird der Mast durchtrennt, ohne die Stromkabel zu beschädigen. Danach wird das Radargerät auf dem Boden liegen gelassen.

Die Radarkästen wurden an ihrem Masten umgesägt (Symbolbild)

Zwei Verdächtige wurden mittlerweile von einer Überwachungskamera bei ihrer Tat gefilmt, nun könnten sie gefasst werden. Die Polizei prüft die Aufnahmen. Sie versucht zu ermitteln, wie viele Täter beteiligt sind und ob alle Fälle miteinander in Verbindung stehen oder ob einige von ihnen von Nachahmungstätern begangen wurden.

Autofahrer und Behörden gespalten über „Fleximan“

Die Reaktionen auf die Taten sind geteilt. Der Staatsanwalt von Treviso, Marco Martani, über Vorfälle: „Hier handelt es sich um die Beschädigung von Eigentum, das dem öffentlichen Vertrauen ausgesetzt und für den öffentlichen Dienst bestimmt ist“. Der Politiker Matteo Gazzini hingegen sieht in dem Protest des „Fleximan“ einen Ausdruck dessen, was von der Bevölkerung aktuell „als versteckte Steuer und Einschränkung der Bewegungsfreiheit wahrgenommen wird“. Die Gemeinden in Italien profitieren von den vielen Radargeräten. In Zukunft sind sogar Handy-Blitzer mit KI-Unterstützung geplant.

Bußgeldkatalog: Mit welchen Geldstrafen Verkehrssünder rechnen müssen

Streit um Tempolimit für Ortsdurchfahrt
Zum 9. November 2021 ist der neue Bußgeldkatalog in Kraft getreten. Wer innerorts 16 bis 20 Stundenkilometer zu schnell fährt und geblitzt wird, zahlt statt wie früher 35 nun 70 Euro. © Sebastian Gollnow/dpa
Wer außerorts 16 bis 20 km/ zu schnell fährt und erwischt wird, zahlt statt früher 30 nun 60 Euro, auch hier gilt: je schneller, desto teurer. In vielen Fällen – also bei den Stufen der Geschwindigkeitsüberschreitungen – handelt es sich um eine Verdopplung der Bußgelder.
Wer außerorts 16 bis 20 km/ zu schnell fährt und erwischt wird, zahlt statt früher 30 nun 60 Euro, auch hier gilt: je schneller, desto teurer. In vielen Fällen – also bei den Stufen der Geschwindigkeitsüberschreitungen – handelt es sich um eine Verdopplung der Bußgelder. © Uwe Anspach/dpa
 Auch die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird teurer. Verstöße werden statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. M
Auch die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird teurer. Verstöße werden statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa
Manche Verstöße würden entsprechend auch für Radfahrer teurer, wie der ADFC mit Blick auf den neuen Bußgeldkatalog erläuterte.
Manche Verstöße würden entsprechend auch für Radfahrer teurer, wie der ADFC mit Blick auf den neuen Bußgeldkatalog erläutert hatte. Dies gelte dann, wenn Radfahrer vorschriftswidrig auf einem Gehweg fahren.  © Paul Zinken/dpa
Der allgemeine Halt- und Parkverstoß wird anstatt wie früher bis zu 15 Euro mit einem Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro geahndet. (Archivbild/Symbolbild)
Der allgemeine Halt- und Parkverstoß wird anstatt wie früher bis zu 15 Euro mit einem Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro geahndet. (Archivbild/Symbolbild)  © Swen Pförtner/dpa
Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 statt wie früher 35 Euro rechnen.
Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 statt wie früher 35 Euro rechnen. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen.
Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen. (Archivbild/Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa
Wer keine Rettungsgasse bildet, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.
Wer keine Rettungsgasse bildet oder die sogar selbst zum schnelleren Vorankommen mit dem Auto nutzt, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.  © Patrick Seeger/dpa
Polizei-Kontrollaktion zu Drogen und Alkohol
Lkw-Fahrer, die gegen die neu eingeführte Pflicht verstoßen, mit dem Lastwagen beim Rechtsabbiegen innerorts nur mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren, werden mit 70 Euro zur Kasse gebeten. (Archivbild/Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa
Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.
Auto-Poser aufgepasst: Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.  © Patrick Pleul/dpa

Viele Italiener unterstützen den „Fleximan“ und betrachten ihn als Robin Hood der Autofahrer. Im Internet äußern sie ihre Bewunderung. Einige Fans haben sogar angeboten, für die Prozesskosten aufzukommen, sollte der Verantwortliche verurteilt werden. Sollte der Täter gefasst werden, könnte ihm durch die Schädigung oder Zerstörung der Radargeräte, eine hohe Geldstrafe oder bis zu 3 Jahre Haft drohen, berichtet die italienische Nachrichtenplattform Corriere del Veneto.

Ob das Vorgehen dem Unbekannten nun bei einigen Autofahrern Sympathie-Punkte einbringt oder nicht – es bleibt eine Straftat. Auch für andere Verkehrsdelikte muss man in Italien mit hohen Geldstrafen rechnen. In Düsseldorf wurde ein Autofahren zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt, da er auf einem Blitzer-Foto den Mittelfinger zeigte.

Rubriklistenbild: © Varlet J/Andia.fr/Imago

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