Volksheld oder Krimineller? „Fleximan“ zerstört Italiens Radarfallen
VonNico Reiter
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In Italien werden Radarfallen reihenweise außer Gefecht gesetzt. Der dafür Verantwortliche wird von Autofahrern als „Fleximan“ gefeiert und von den Behörden gejagt.
Norditalien – In den vergangenen Monaten wurden in Italien mehrere Radargeräte manipuliert. Neun in Venetien, eines in Piemont, eines in der Lombardei und ein weiteres erst kürzlich in Padua. Die Identität der Person oder Gruppe, die für diese Taten verantwortlich ist, bleibt ein Rätsel. In Italien macht in diesem Zusammenhang dennoch ein Name die Runde – der mysteriöse „Fleximan“.
„Fleximan“ hat mindestens 12 Radargeräte in Norditalien unbrauchbar gemacht
Die Serie der Sabotageakte begann bereits im Mai 2023, als ein Radargerät auf der Staatsstraße von Rovigo nach Ferrara bei Bosaro beschädigt wurde. Die Masten, an denen die Radargeräte befestigt sind, werden einfach umgesägt. Mit einem Winkelschneider wird der Mast durchtrennt, ohne die Stromkabel zu beschädigen. Danach wird das Radargerät auf dem Boden liegen gelassen.
Zwei Verdächtige wurden mittlerweile von einer Überwachungskamera bei ihrer Tat gefilmt, nun könnten sie gefasst werden. Die Polizei prüft die Aufnahmen. Sie versucht zu ermitteln, wie viele Täter beteiligt sind und ob alle Fälle miteinander in Verbindung stehen oder ob einige von ihnen von Nachahmungstätern begangen wurden.
Autofahrer und Behörden gespalten über „Fleximan“
Die Reaktionen auf die Taten sind geteilt. Der Staatsanwalt von Treviso, Marco Martani, über Vorfälle: „Hier handelt es sich um die Beschädigung von Eigentum, das dem öffentlichen Vertrauen ausgesetzt und für den öffentlichen Dienst bestimmt ist“. Der Politiker Matteo Gazzini hingegen sieht in dem Protest des „Fleximan“ einen Ausdruck dessen, was von der Bevölkerung aktuell „als versteckte Steuer und Einschränkung der Bewegungsfreiheit wahrgenommen wird“. Die Gemeinden in Italien profitieren von den vielen Radargeräten. In Zukunft sind sogar Handy-Blitzer mit KI-Unterstützung geplant.
Bußgeldkatalog: Mit welchen Geldstrafen Verkehrssünder rechnen müssen
Viele Italiener unterstützen den „Fleximan“ und betrachten ihn als Robin Hood der Autofahrer. Im Internet äußern sie ihre Bewunderung. Einige Fans haben sogar angeboten, für die Prozesskosten aufzukommen, sollte der Verantwortliche verurteilt werden. Sollte der Täter gefasst werden, könnte ihm durch die Schädigung oder Zerstörung der Radargeräte, eine hohe Geldstrafe oder bis zu 3 Jahre Haft drohen, berichtet die italienische Nachrichtenplattform Corriere del Veneto.
Ob das Vorgehen dem Unbekannten nun bei einigen Autofahrern Sympathie-Punkte einbringt oder nicht – es bleibt eine Straftat. Auch für andere Verkehrsdelikte muss man in Italien mit hohen Geldstrafen rechnen. In Düsseldorf wurde ein Autofahren zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt, da er auf einem Blitzer-Foto den Mittelfinger zeigte.