VonMoritz Bletzingerschließen
Lehrereverbandspräsident Stefan Düll schlägt bei IPPEN.MEDIA vor: „Wir sollten den Online-Unterricht ein, zwei Mal im Schuljahr üben“. Eine Lehre aus der Corona-Krise.
München – Schule, aber online. Was während der Corona-Pandemie noch ein improvisierter Notfallplan war, sollte in Zukunft besser klappen. Wäre das deutsche Bildungssystem bereit?
Deutsche Schulen auf Distanz-Unterricht vorbereitet? Lehrerverbandspräsident plädiert für Übung
„Wir sind sehr viel besser vorbereitet, wir haben viel gelernt“, sagt Gesundheitsminister Karl Lauterbach im ARD-Morgenmagazin. Lehrerverbandspräsident Stefan Düll meint bei IPPEN.MEDIA: „Da bin ich mir nicht ganz so sicher.“
Ja, Ausstattung, die während Corona noch gefehlt hat, – und von Lehrkräften damals privat angeschafft wurde – ist mittlerweile da. Angekommen sind die neuen PCs und Kameras pünktlich kurz nach der Pandemie. Jetzt gelte es, den Umgang damit zu proben.
„Online-Unterricht üben“: Lehrerverbandspräsident plädiert für regelmäßige „Distanz-Tage“
„Wir sollten den Online-Unterricht ein, zwei Mal im Schuljahr üben“, sagt Düll. Und bringt dafür „Distanz-Tage“ ins Gespräch, als regelmäßige Homeoffice-Tests für Schülerschaft und Lehrkräfte.
Denn: Eine Unterrichtsstunde im Video-Chat beziehungsweise mit individuell gecoachten Selbstearbeitungsphasen müsse ganz anders vorbereitet werden, als eine im herkömmlichen Klassenzimmer. Da kann allen Beteiligten eine wiederkehrende Übung nicht schaden.
Vorbereitung auf Homeoffice: Distanz-Unterricht fördert Kompetenz im Umgang mit digitalen Geräten
Außerdem haben auch die Schülerinnen und Schüler in dem Bereich Lernbedarf. Zwar wischen und posten sie in Sozialen Netzwerken oder zocken am Computer, der berufsorientierte und kollaborative Umgang mit digitalen Geräten sei aber etwas anderes, auf Distanz allzumal, betont Düll. „Da sind Heranwachsende den Erwachsenen nicht überlegen.“
Distanz-Tage könnten Jugendlichen so als Berufsvorbereitung dienen. Laut Statistischem Bundesamt arbeitete 2023 fast ein Viertel (23,5 Prozent) aller Erwerbstätigen in Deutschland vom Homeoffice aus. Davon blieben 13,2 Prozent täglich oder mindestens an der Hälfte der Arbeitstage zu Hause. Große Unternehmen rudern beim Homeoffice-Trend jedoch nach und nach zurück.
Schule, aber online: Distanzunterricht nicht nur in Pandemie relevant
Zumal es nicht gleich eine Pandemie braucht, damit Distanzunterricht an Schulen zum Thema wird. Bei lokalen Krankheitswellen oder witterungsbedingten Ausfällen greift das Konzept. Vereinzelt haben Schulen davon Gebrauch gemacht. Düll hat es an seinem Gymnasium in Neusäß (Landkreis Augsburg) auch schon selbst probiert. Bei Glättewarnung bekamen seine Schüler nicht „Eis-frei“, stattdessen fand der Schultag online statt. Und das komplett reibungslos – viele sind von Corona noch erprobt. (moe)
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