Reise mit Folgen

Im Italien-Urlaub geblitzt: Sind Bußgeldbescheid und Punkte in Deutschland gültig?

+
Insgesamt haben die Hauptstadtgemeinden in Italien laut Corriere della Sera 793 Millionen Euro eingenommen. (Symbolbild)
  • schließen

Wer in Italien Urlaub macht, der muss sich in diesem Sommer auf noch mehr Blitzer gefasst machen. Doch was muss man tun, wenn der Bußgeldbescheid kommt?

Rom – Einfach aussitzen lässt sich ein Bußgeldbescheid nicht – auch nicht, wenn er aus Italien kommt. Blitzer-Bescheide und sonstige Strafzahlungen sollten daher unbedingt beantwortet werden, denn sonst droht eine Vollstreckung. In einem Fall jedoch gilt das laut dem ADAC nicht: Wenn das Schreiben in italienischer Sprache verfasst wurde, wird das Bußgeld, wenn es nicht bezahlt wird, in Deutschland nicht vollstreckt. Der Grund dafür leuchtet ein: Wer kein Italienisch versteht, versteht auch nicht, was ihm vorgeworfen und von ihm verlangt wird.

Für das Vergehen haften nach italienischem Recht Halter und Fahrer gemeinsam. Bei einem Bußgeld für zu schnelles Fahren, das durch einen stationären Blitzer festgestellt wurde, wird der eingetragene Fahrzeughalter ermittelt und angeschrieben. Der ADAC weist jedoch darauf hin, dass die Polizei das Geld direkt beim Fahrer oder der Fahrerin einfordert, wenn man vor Ort bei dem Verstoß erwischt wird. Gegebenenfalls könne auch das Fahrzeug beschlagnahmt werden, bis die Strafe bezahlt wird.

Bußgeld in Italien: Bei Verspätung droht Verdoppelung, für „Schnellzahler“ winkt ein Rabatt

Die Zahlungsfrist eines Bußgeldbescheids aus Italien sollte unbedingt eingehalten werden, denn: Wird das Geld nicht innerhalb der in dem Bescheid genannten Frist von 60 Tagen bezahlt, verdoppelt sich der Betrag laut Informationen des ADAC. 60 Tage beträgt demnach auch die Frist, innerhalb derer ein Einspruch gegen den Bescheid eingelegt werden kann.

  • In Italien geblitzt: Was kostet das? Wie hoch das Bußgeld bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung ausfällt, kommt auf die Höhe der Überschreitung an (siehe Tabelle). Bei 20 Kilometern pro Stunde zu schnell wird ein Bußgeld ab 175 Euro fällig.
  • Sind Punkte aus Italien in Deutschland gültig? Nein, etwaige Punkte sind nur in dem Land gültig, das sie ausgesprochen hat. Diese haben keine Auswirkungen auf den Punktestand in Flensburg, Deutschland.
  • Muss ich einen Bußgeldbescheid aus Italien überhaupt zahlen? Ja, ein Bußgeldbescheid aus Italien hat auch in Deutschland Gültigkeit. Gegen einen italienischen Bußgeldbescheid kann man innerhalb von 60 Tagen Einspruch einlegen.
  • Quelle: ADAC, bussgeldkataloge.de

Die drohende Verdoppelung des Bußgelds ist zwar streng, jedoch gibt es in Italien auch die Möglichkeit, weniger zu zahlen – wenn man schnell handelt: Bei den meisten Verkehrsverstößen können „Schnellzahler“, die den geforderten Betrag innerhalb von fünf Tagen nach der Zustellung des Bescheides bezahlen, einen Rabatt in Höhe von 30 Prozent auf das geforderte Bußgeld erhalten, so der ADAC weiter.

Bußgeld-Rekorde in Italien: So viel kosten die Verstöße

Italien ist der europäische Spitzenreiter in Sachen stationäre Blitzer im Straßenverkehr: Mit rund 11.000 Blitzern liegt das beliebte Urlaubsziel der Deutschen laut der statistische Auswertung der weltweiten Blitzerdaten von SCDB.info an einsamer Spitze. Allein die Stadt Florenz konnte durch ihre Blitzer im Jahr 2022 Einnahmen von 23 Millionen Euro verzeichnen. Doch nicht nur eine Geschwindigkeitsübertretung kann im Italien-Urlaub teuer werden. Einige Bußgelder, die für Verstöße im Straßenverkehr fällig werden können, sind:

VerstoßBußgeld
Parkverstoßab 45 Euro
20 Kilometer pro Stunde zu schnellab 175 Euro*
Über 50 Kilometer pro Stunde zu schnellab 545 Euro
Nichtanlegen des Sicherheitsgurtesab 85 Euro
Handy am Steuerab 165 Euro
Über rote Ampel fahrenab 170 Euro*
Alkohol am Steuerab 545 Euro
* Mindestbußgeld tagsüber, von 22 bis 7 Uhr um ein Drittel höher
Quelle: ADAC (Stand Mai 2023)

Italien verhängt europaweit im Vergleich die meisten Bußgelder aufgrund von Geschwindigkeitsübertretungen, so berichtet die Onlinezeitung La Repubblica. Und die Strafzahlungen werden immer höher: Die Bußgelder seit dem vergangenen Jahr demnach um 37 Prozent gestiegen. Und nicht nur im Straßenverkehr verhängt das Land immer mehr Strafen, auch Folgen des Massentourismus sollen mit teils kurios klingenden Verboten eingedämmt werden. (na)

Kommentare