VonJohannes Welteschließen
Drei Skitourengeher haben sich am Wochenende bei einer Tour auf den Großvenediger verirrt. Eine schnelle Bergung scheitert an heftigem Sturm.
Prägraten am Großvenediger – Eine Skitour dreier Münchner (zwei Männer und eine Frau im Alter von 24, 25 und 26 Jahren) auf den Großvenediger (3657 Meter) an der Grenze vom Salzburger Land nach Osttirol wäre am Wochenende beinahe in einem Fiasko geendet. Das Trio hatte sich im Schneesturm in den Hohen Tauern (Österreich) auf 3150 Meter verirrt und konnte abends nicht mehr absteigen.
Skiwanderer verirren sich in Österreich am Großvenediger – im Nebel am Gipfel die Orientierung verloren
Die drei Wintersportler waren am Freitag (8. März) auf den Gipfel des Großvenedigers aufgestiegen, um danach wieder zu Kürsinger Hütte abzufahren. Dabei hatten sie laut Bergrettung Salzburg schon die Orientierung verloren, sie folgten einem anderen Skifahrer, der talwärts abfuhr.
Doch dieser hatte ein anderes Ziel. Er war nicht in Richtung Kürsinger Hütte im Salzburger Land unterwegs, wo das Trio übernachten wollte, sondern in Richtung Matreier Tauernhaus in Osttirol. Erst bei einem Gespräch der vier Skitourengeher auf Höhe der Alten Prager Hütte in 2489 Meter Höhe stellte sich heraus, dass sie falsch abgebogen waren.
Die drei Bayern beschlossen, wieder aufzusteigen. „Dabei dürften sie sich verirrt und in Richtung Defreggerhaus (Prägraten, Tirol) geraten sein“, heißt es im Bericht der Bergrettung Salzburg weiter. Als die drei gegen Abend nicht auf der Kürsinger Hütte eintrafen und der Hüttenwirt sie auch per Handy nicht erreichen konnte, verständigte dieser die Bergrettung Neukirchen am Großvenediger.
Gegen 21 Uhr rückten 17 Bergretter aus Neukirchen in Richtung Großvenediger aus. Ebenso wurden die Einsatzkräfte der Bergrettungen Prägraten und Matrei alarmiert. Die Suche verlief in der Nacht ergebnislos. „Es herrschte Sturm mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde Geschwindigkeit, die Sicht war schlecht“, berichtet Siegfried Kratzer, Ortsstellenleiter der Bergrettung Prägraten in Osttirol, gegenüber IPPEN.MEDIA.
Trio gräbt sich Höhle in den Schnee – um bei minus 14 Grad zu überleben
Das Trio grub sich eine Höhle in den Schnee und richtete sich ein Notbiwak ein – während draußen der Sturm bei minus 14 Grad durch die Gebirgswelt brauste. „Gegen 7.35 Uhr konnten am Samstagmorgen (9. März) die drei Skitourengeher einen Notruf absetzen, der die Leitstelle Tirol erreichte“, berichtet die Bergrettung Salzburg weiter. Die Bergrettung Prägraten konnte die drei Verirrten auf 3150 Meter im Bereich des Oberen Einstiegs zum Rainerkees-Gletscher finden. Sie waren erschöpft, aber unverletzt.
Sie wurden von der Bergrettung zur Johanneshütte begleitet und anschließend mit dem Notarzthubschrauber zum Stützpunkt der Bergrettung Prägraten geflogen.
Bergretter: „Die Sache hätte auch nicht so harmlos ausgehen können“
„Sie waren schwach und körperlich am Ende, hätte man sie nicht gleich in der Früh‘ gefunden, wäre die Sache vielleicht nicht so harmlos ausgegangen“, berichtet Bergretter Kratzer weiter. „Die hatten allerdings abgesehen von ihrem Fehler beim Abbiegen alles richtig gemacht“, so Kratzer weiter. „Sie waren auch gut ausgerüstet.“ Insgesamt seien an die 50 Einsatzkräfte unterwegs gewesen, um das Trio zu retten. Ob sie den Einsatz bezahlen müssen, ist noch unklar.
Viel Glück hatten am Wochenende auch zwei Skifahrer aus Baden-Württemberg, die in Vorarlberg von einer Lawine verschüttet wurden. In Südtirol wurde kürzlich ein Skiwanderer aus München von einer Lawine getötet. Im französischen Zentralmassiv kamen sogar mindestens vier Menschen bei einer Lawine ums Leben
Rubriklistenbild: © Bergrettung Prägraten in Osttirol.



