Bauern finden Raubtier-Spuren

16 Schafe tot, 19 vermisst: Alarm wegen Wolf und Bär in Tirol – blutiger Beginn des Almauftriebs

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Ein Bär soll im Tiroler Lechtal nahe des Allgäus Schafe gerissen haben.
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Aufregung um Bären und Wölfe in den Alpen. Neuer Höhepunkt: Im Tiroler Lechtal wurden nahe der bayerischen Grenze 16 Schafe gerissen, 19 werden vermisst.

Weißenbach am Lech – „Blutiger hätte der Almauftrieb nicht beginnen können.“ Christian Angerer, Obmann der Landwirtschaftskammer im Tiroler Bezirk Reutte, ist entsetzt. Die Schafbauern im Lechtal hatten erst vor gut zwei Wochen Tagen ihre ersten Tiere ins Schwarzwassertal getrieben, um die Almsaison zu eröffnen.

Ein Wolf soll im Außerfern ebenfalls Schafe gerissen haben.

„Es wurden 16 Schafe gerissen, 19 werden noch vermisst“, so Angerer zu unserer Redaktion. Die Täter stehen für die Lechtaler Bauern fest: „Es wurden in der Nähe der toten Schafe Spuren von einem Bären und Wölfen entdeckt“, so Angerer weiter. Das Land Tirol hat fünf der Risse am 16. Mai registriert, die Auswertung der DNA und somit die Identifizierung des Raubtiers, das daran schuld war, laufe noch.

Ein gerissenes Schaf im Schwarzwassertal (Tirol)

Das Tal mit den Schafrissen führt ins Allgäu

Das Schwarzwassertal beginnt am Nordufer des Lechs und zieht sich bis an die Grenze zum Allgäu hin: Die Schafe werden laut Angerer im Sommer bis zum Prinz-Luitpold-Haus bei Bad Hindelang (Allgäu) getrieben. „Der Auftrieb kann im Schwarzwassertal früher beginnen, da die Hänge sonnenexponiert sind und man nach und nach bis zum Ende des Tals hochtreiben kann“, so Angerer weiter.

Eine frische Bärenspur im Schwarzwassertal

Am 1. Mai hatten die Lechtaler Landwirte 750 Schafe ins Schwarzwassertal aufgetrieben. Darunter 200 Schafe aus dem Tiroler Unterland bei Kufstein, wo man sie wegen der dortigen Wolfs- und Bärengefahr seit Jahren nicht mehr auftreibt. Doch auch im Schwarzwassertal waren Mitte April bereits Bärenspuren im Schnee entdeckt worden, außerdem tappte ein Bär in der Nähe in eine Fotofalle. Jetzt fanden die Bauern unweit der jüngsten Risse frische Spuren im Schnee, der hier noch in den oberen Lagen liegt.

Dieser Bär tappte Mitte April im Tiroler Lechtal in eine Fotofalle

Schafe wurden von weit her ins Lechtal gebracht – wegen Wolf & Bär

Somit sind auch die Almen im Lechtal auch nicht mehr sich von Wolf & Bär, wie die neuesten Risse nahelegen. Als Reaktion darauf holten die Landwirte die Schafe seit Donnerstag Samstag ins Tal zurück. Alleine Eugen Barbist aus Höfen bei Reutte im Lechtal, Obmann der Außerferner Schafzüchter, hatte bis dahin schon über 30 Schafe ins Schwarzwasser gebracht.

Schafbauer Eugen Barbist holt seine Tiere wieder ins Tal.

Noch mal so viele wollte er am Samstag auftreiben, jetzt holte er die erste Herde wieder ins Tal. „Nun stehen bei mir 50 Tiere ums Haus“, eklärt Barbist. Er habe zwar einen Stall und genügend Futter, aber das sei nicht ideal für die an die Alpen angepassten Bergschafe.

Tieren droht jetzt der Schlachter

Vielen anderen Schafen droht nun der Schlachter: „Im Tal ist es viel zu warm, im Stall droht Parasitenbefall – das würde an Tierquälerei grenzen“, betont Schafbauer Reinhard Astner aus Itter bei Kitzbühel gegenüber der Krone, der seine Schafe wieder heimgeholt hat. „Die Tiere nun zum Metzger bringen – das tun wir wirklich nicht gern.“

Für Bauernobmann Angerer steht fest: „Wolf und Bär passen nicht in unsere Weidelandschaft, sie bedrohen auch unseren Tourismus.“ Die Schafe im Schwarzwasser einzuzäunen und von Schutzhunden bewachen zu lassen, sei nicht möglich. Der Untergrund sei zu felsig, um Zaunstangen hinein zu treiben. Angerer hofft wie die anderen Almbauern jetzt auf neue Abschussverordnungen des Landes, wie sie bereits zwei Mal für Wölfe erlassen wurden.

Neue Bärenspuren auch in Ötztal, Karwendel und Chiemgau

Auch im Karwendel hat ein Bär zugeschlagen: Das Land Tirol meldet einen Schafriss am 13. Mai im Bereich der Tiroler Gemeinde Gnadenwald südlich von Engalm und Lamsenspitze. Nahe Umhausen (Ötztal) wurden am 16. und 17. Mai sieben Schafe von einem Bären gerissen. In Bayern wurden laut Traunsteiner Tagblatt jetzt Bärenspuren an der Baireralm bei Staudach-Egerndach (Kreis Traunstein) entdeckt.

Unklar sei, ob sie von einem oder zwei Tieren stammen. Die Trittsiegel in der vom langen Regen aufgeweichten Erde scheinen demnach unterschiedlich groß zu sein, ganz eindeutig sei das aber nicht. Zuletzt waren Bärenspuren im Bereich Berchtesgadener und Salzburger Land entdeckt worden.

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