VonPia Seitlerschließen
Frisch geschieden oder Langzeitsingle: Zwei Trennungs-Expertinnen haben Ratschläge, wie wir den Partner fürs Leben finden können.
129.000 Paare ließen sich 2023 scheiden. Eine gescheiterte Ehe zu beenden, ist gut – für das Paar und die Kinder, wenn es welche gibt. Dass es so weit kommt, möchten die meisten jedoch vermeiden. Scheidungen sind schlecht für die Gesundheit, zeigen Studien und teuer.
2023 heirateten in Deutschland 361.000 Pärchen. Ihnen scheint es das Risiko immer noch wert zu sein. Deshalb hat BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA Scheidungsanwältinnen nach ihren Tipps fürs Dating gefragt – schließlich erleben sie täglich, wie eine Ehe scheitern kann.
Uta von Lonksi überrasche dabei nach 25 Jahren „kaum noch etwas“. Im Familienrecht erlebe sie die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen. „Von grenzenlosem Egoismus bis zu totaler Aufopferung, von der gemeinsamen fröhlichen Anreise zum Scheidungstermin bis zu Psychoterror und Schlimmerem“, sagt die Scheidungsanwältin.
Scheidungsanwältin erzählt, wann Scheidungen „böse ausgehen“
Estell Baumann begegnen seit 18 Jahren als Scheidungsanwältin zwei Beziehungsarten. Bei der einen haben sich die Leute lange geliebt, aber „stellen irgendwann fest, dass sie sich auseinander gelebt haben“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Diese Paare kennt auch von Lonski. „Ohne gemeinsame Werte, kontinuierliche Arbeit an der Beziehung, Geduld und Glück gelingt keine dauerhafte Ehe“, sagt sie.
Baumann berichtet als zweites von Paaren, bei denen sich schon früh gezeigt habe, dass die Beziehung nicht glücklich verlaufe. „Es wird aber immer weiter in die Beziehung investiert. Sie bekommen noch ein Kind, weil sie haben ja schon ein Haus gekauft, und so weiter. Die Fassade wird über Jahre hinweg aufrechterhalten. Das sind dann meist die Scheidungen, die böse ausgehen“, sagt sie.
Baummann gibt den Tipp, sich zu fragen: „Warum hab ich Affären geduldet? Warum hab ich mich so abhängig gemacht oder unterdrücken lassen? Warum habe ich mich so verbogen?“ In eine neue Beziehung sollte man „eher mit einer Lupe gehen statt mit einer rosaroten Brille und den Blick auch auf sich richten“, empfiehlt die Scheidungsanwältin, Mediatorin und Coachin.
Ehevertrag: Scheidungsanwältin gibt Tipps, welche Fragen Paare vor der Ehe klären sollten
„Viele spätere Konflikte entstehen durch Naivität. Wenn ich einen gutverdienenden Workaholic heirate und selbst nicht Hausfrau sein möchte, wird es spätestens bei der Betreuung des ersten Kindes Probleme geben“, weiß von Lonski. Baumann empfiehlt vor der Eheschließung das Szenario einer Trennung durchzuspielen. Keiner glaube zu dem Zeitpunkt daran, aber es durchzudenken, wenn man sich noch wohlgesonnen sei, „ist einfach klug“.
Paare sollten laut Baumann überlegen: „Was passiert, wenn man Kinder bekommt? Wie regeln wir die Betreuung? Und wer bringt sich finanziell wie in die Beziehung ein? Transparent seine Bedürfnisse zu äußern, das finde ich wichtig. Und das kann man alles in einem Ehevertrag festhalten. Nur so hat Bestand, was einst mal geplant war“, sagt sie.
Scheidungsanwältin verrät, worauf Singles in den ersten sechs Wochen beim Dating achten müssen
Die beiden Scheidungsanwältinnen haben noch zwei weitere Tipps fürs Dating, lange bevor es um Eheschließung geht. „Ich behaupte, dass man schon in den ersten sechs Wochen gewisse Dinge beobachten kann, die später häufig dann der Trennungsgrund sind“, sagt Baumann.
Jemand sei beispielsweise illoyal oder geizig, misstrauisch, eifersüchtig oder habe nie Zeit. „Diese Dinge verschwinden nicht, nachdem die erste Verliebtheit verflogen ist, sondern sie wachsen. Dabei gibt es kein gut oder schlecht. Aber, wenn ich Eigenschaften bemerke, die nicht mit mir kompatibel sind, würde ich sehr kritisch in die Beziehung gehen“, sagt Baumann BuzzFeed News Deutschland.
Von Lonksi empfiehlt: „Vielleicht nicht beim ersten Date, aber irgendwann sollten vergangene Beziehungen thematisiert werden. Wenn an deren Scheitern immer der Andere schuld war oder diese Person schlimmstenfalls herabgewürdigt wird, rate ich: Finger weg.“
Rubriklistenbild: © Cinema Publishers Collection/Imago

