Rücksicht auf Jungtiere

Seehund-Heuler im Watt: Was Strandbesucher an der Nordsee beachten müssen

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Seehunde und Robben ziehen im Wattenmeer ihren Nachwuchs auf. Das sollten Wattwanderer und Strandbesucher beachten, wenn sie einen Heuler sehen.

Norddeich/Nordsee – Süß sehen die kleinen Heuler aus, wenn sie einen mit ihren schwarzen Knopfaugen anschauen. Doch so groß die Verlockung auch ist: Menschen und auch Hunde sollten unbedingt Abstand halten, wenn sie im Watt oder am Strand eine kleine Robbe oder ein Seehundebaby entdecken. kreiszeitung.de hat einige Tipps und Hinweise zusammengestellt, wie man sich im Umgang mit den Tieren richtig verhält.

Name:Heuler
Bedeutung:Jungtiere von Seehunden und Kegelrobben
Alter:wenige Tage bis ca. drei Wochen
Größe:ca. 80 bis 100 Zentimeter

Heuler am Strand: Warum kleine Seehunde und Robben verlassen werden

Ab Ende Mai ziehen Seehunde und Kegelrobben im Nationalpark Wattenmeer ihren Nachwuchs auf. Dabei kommt es immer wieder vor, dass ein Jungtier alleine am Strand oder auf einer Sandbank liegt. Das kann verschiedene Gründe haben, wie Experten auf der Internetseite des Nationalparks erläutern. Kegelrobben lassen zum Beispiel häufiger ihre Babys zurück, um alleine auf Nahrungssuche zu gehen. In der Regel kehrt das Muttertier aber nach einiger Zeit zu ihrem Jungtier zurück.

Aber auch durch Stürme können die kleinen Robben und Seehunde von ihrer Mutter getrennt werden. Krankheit oder Tod des Muttertieres können ebenfalls Ursachen dafür sein, dass ein Heuler alleine am Strand zurückbleibt. Manche Jungtiere werden von ihren Müttern auch verstoßen, weil sie krank oder verletzt sind. Zurückgelassene junge Robben und Seehunde würden ohne Hilfe nicht überleben.

Wer einen verlassenen Heuler am Strand findet, sollte Abstand halten und professionelle Helfer informieren. (Symbolbild)

Wie soll man sich verhalten, wenn man einen Heuler am Strand findet?

Viele Urlauber verbringen ihren Sommerurlaub 2023 nicht an einem der fünf günstigsten Reiseziele im Ausland, sondern bleiben in Deutschland. Sie genießen zum Beispiel Strand und Meer an der Nordseeküste und auf den Inseln. Dort kann es schon mal vorkommen, dass man dem einen oder anderen Seehund begegnet. Nicht alle sind Jungtiere – viele ausgewachsene Seehunde nehmen gerne ein Sonnenbad am Strand. Glaubt man, im Watt oder am Strand ein scheinbar verlassenes Seehund- oder Robbenbaby entdeckt zu haben, sollte man in jedem Fall Abstand halten und leise sein.

Auch Hunde sind von dem hilflosen Tier fernzuhalten. In den meisten Fällen sind die Vierbeiner zwar nur neugierig, aber auch die Nähe von Hunden verursacht Stress bei den Jungtieren. Daher müssen sich in Niedersachsen Hunde-Halter auch an die Leinenpflicht halten, die während der Brut- und Setzzeit bis Mitte Juli gilt.

Woher der Begriff „Heuler“ stammt

Werden Muttertier und Jungtier getrennt, dann stößt der kleine Seehund sogenannte „Kontaktlaute“ aus, damit seine Mutter zu ihm zurückfindet. Diesen „heulenden“ Lauten verdanken die Jungtiere ihren Namen „Heuler“.

Oft ist das Muttertier nicht weit von dem kleinen Heuler entfernt. Daher ist es wichtig, den Zugang zum Wasser nicht zu versperren, damit die Mutter zu ihrem Jungen gelangen kann. Das Tier auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen! Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Heuler seine Mutter verloren hat, sollten professionelle Helfer informiert werden.

Aufzuchtstation Norddeich kümmert sich in Niedersachsen um Heuler

In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg gibt es Meldestellen, an die man sich bei einem Heuler-Fund wenden kann. Hat man an der niedersächsischen Küste ein scheinbar hilfloses Seehund- oder Robbenbaby entdeckt, kann man bei der Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich unter der Telefonnummer 04931 97333-0 anrufen. Die Seehundstation informiert dann Helfer vor Ort, die sich das Tier anschauen und es ggf. mitnehmen.

In Schleswig-Holstein meldet man einen Robbenfund bei der Seehundstation Friedrichskoog. Allein im Jahr 2022 haben die beiden Seehundstationen rund 400 Jungtiere großgezogen – so viele wie nie zuvor. Grundsätzlich wollen die Nordsee-Anrainer Deutschland, Dänemark und die Niederlande aber so wenig wie möglich in die Bestände von Robben und Seehunden eingreifen. In einer Erklärung zum Schutz des Wattenmeeres haben sie sich unter anderem darauf geeinigt, dass „die Pflege kranker Seehunde mit anschließender Freilassung unter biologischen und naturschützerischen Gesichtspunkten nicht erforderlich ist.“

Rubriklistenbild: © imago

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