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Tod in den Alpen: In den italienischen Dolomiten ist am Mittwoch ein Base-Jumper beim Sprung von der Sella gegen einen Felsen gekracht. Er war offenbar sofort tot.
Corvara – Der Base Jumper wollte in Italien vom Piz da Lech (2911 Meter), ein Nebengipfel der berühmten Sella bei Corvara (Provinz Bozen) ins rund 1700 Metern hohe Mittagstal fliegen. Er war mit seiner Freundin über einen Klettersteig aufgestiegen, bevor er mit dem Wingsuit vom Gipfel sprang. Der Wingsuit ist ein Flügelanzug, bei dem sich zwischen Armen und Beinen beim Ausstrecken der Extremitäten eine Tragfläche bildet, mit der der Base-Jumper seinen Flug steuern kann, wenn er damit ins Tal gleitet. Rechtzeitig vor dem Aufprall muss die Reißleine für den Fallschirm gezogen werden, damit der Sportler sicher landen kann.
Italien: Dolomiten-Gipfel bei Base-Jumpern sehr bliebt
Der Finne und seine Freundin hatten ausgemacht, dass sie sich nach dem Sprung im Tal in der Ortschafts Kolfuschg wieder treffen. Der Sprung vom Piz da Lech ist bei Base-Jumpern sehr beliebt, wie Videos im Internet zeigen.
Die Lebensgefährtin kletterte wieder ins Tal. Doch ihr Freund kam nicht zum verabredeten Treffpunkt. Als er am späten Nachmittag dort aber immer noch nicht angekommen war und auch keine Nachrichten aufs Handy geschickt hatte, alarmierte die Freundin die Rettungskräfte.
Tod in den Alpen: Freundin wartet vergebens am ausgemachten Treffpunkt
Die Bergrettung von Alta Badia machte sich zu Fuß auf die Suche nach dem Finnen, auch der Rettungshubschrauber von Aiut Alpin stieg auf. Die Retter fanden den Base-Jumper in der Nähe eines Schneefeldes. Für ihn kam allerdings jede Hilfe zu spät – er war tot. Die Rettungskräfte bargen den Verunglückten mit einer Seilwinde und flogen ihn ins Tal.
An der Stelle, an dem die Rettungskräfte den Leichnam fanden, stürzte bereits vor drei Jahren ein Base-Jumper tödlich ab, wie Fabian Oberbacher von der Bergrettung Abtei gegenüber der Südtiroler Tageszeitung erklärt. Die Route, die der junge Finne fliegen wollte, sei bei Base-Jumpern sehr beliebt, heißt es dort weiter. Allerdings gebe es einen Abschnitt, an dem Felsen umkurvt werden müssen. Vermutlich sei genau diese Stelle dem jungen Finnen zum Verhängnis geworden.
Gefährliches Hobby: Schon 455 Tote Base-Jumper
Erst am Sonntag war im schweizerischen Kantons St. Gallen ein Base-Jumper (42) aus Tirol auf dem Berg Chäserrugg tödlich verunglückt. Er war kurz vor Landung auf dem Gelände des offiziellen Landeplatzes abgestürzt. Die Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die Alpine Einsatzgruppe der Kantonspolizei St. Gallen untersucht den Unfallhergang. Im März vorigen Jahres stürzte ein deutscher Base-Jumper (48) im Schweizer Lauterbrunnental in den Tod.
Das seit den 1980er Jahren in Mode gekommene Base-Jumping ist eine lebensgefährliche Sportart: Eine seit 1981 geführte Liste im Internet zählt weltweit bis heute 455 Todesopfer auf. Der Begriff Base-Jumping (auch BASE oder B.A.S.E. jumping geschrieben) ist eine Umschreibung für Objektspringen, also das Fallschirmspringen von festen Objekten im Gegensatz zum Fallschirmspringen aus dem Flugzeug. Auch von Hochhäusern oder Brücken wird gerne gesprungen.

