Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

40-Grad-Prognosen für Deutschland: Wetter-Karten senden deutliches Alarmsignal

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Extreme Hitze in den Wettermodellen: Kommt im Juli die erste echte 40-Grad-Welle nach Deutschland? Eine Analyse zwischen Warnung und Unsicherheit. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – In den neuesten Läufen der Wettermodelle GFS und ECMWF tauchen erneut extreme Hitzespitzen für Deutschland und Mitteleuropa auf – und das mit auffälliger Häufigkeit. Für den 20. Juli werden in mehreren Modellrechnungen Temperaturen von 40 bis 43 Grad simuliert. Solche Werte sind nicht nur außergewöhnlich hoch, sondern in dieser Konstanz völlig neu im Vergleich zu früheren Jahren. In meiner fast 25-jährigen Tätigkeit als Medienmeteorologe kann ich mich nicht erinnern, dass gleich mehrere Modellläufe in so kurzer Zeit solch extreme Hitze für Mitteleuropa angezeigt hätten. Selbst wenn diese Spitzenwerte bisher nicht exakt eingetroffen sind, ist allein ihre regelmäßige Berechnung durch die führenden Wettermodelle ein Warnsignal.

Was steckt dahinter – eine temporäre Fehlentwicklung in den Modellen oder ein deutliches Signal des sich beschleunigenden Klimawandels?

Schon wieder tauchen in den aktuellen Prognosekarten extreme Temperaturspitzen für Mitteleuropa und Deutschland auf. Das ist in diesem Sommer in diesem Ausmaß neu.

Hitze-Wetter mit 40 Grad: Die neue Realität der Modellkarten

Die Tatsache, dass solche Extremwerte nun regelmäßig in den Wettermodellen auftauchen, ist mehr als nur ein meteorologischer Ausreißer. Besonders das amerikanische GFS-Modell zeigt immer wieder brutale Hitze-Szenarien, die das europäische ECMWF-Modell zumindest andeutungsweise bestätigt. Schon im Juni gab es mehrere Vorläufe mit prognostizierten Höchstwerten um die 40 Grad, die zwar teils übertrieben waren, jedoch in einigen Nachbarländern durchaus eingetroffen sind. Frankreich und Italien erlebten bereits ihren heißesten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Deutschland wurde bisher noch knapp verschont – aber wie lange noch? Der Juli ist traditionell der heißeste Monat des Jahres. Wenn sich diese Modelltrends bestätigen sollten, könnte Deutschland vor einer bisher nicht gekannten Hitzewelle stehen.

Was passiert, wenn es wirklich so heiß wird?

Schon die jüngste Hitze mit Werten knapp über 39 Grad hat in Deutschland erste Probleme verursacht: Verkehrsbehinderungen, Schäden an Fahrbahnen und Beeinträchtigungen in der Infrastruktur. Eine mehrtägige Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad würde diese Effekte potenzieren. Nicht nur der Verkehr, auch Stromversorgung, Wasserversorgung und das Gesundheitssystem kämen schnell an ihre Grenzen. Besonders gefährdet wären ältere Menschen, Kranke und Kinder. Der Begriff „Hitzetote“ ist kein abstrakter Begriff mehr, sondern könnte auch hierzulande traurige Realität werden. Noch sind es nur Modellprognosen – aber sie häufen sich auffällig. Man darf hoffen, dass die Hitze nur in den Simulationen bleibt. Falls nicht, steht Deutschland ein echter Härtetest bevor – meteorologisch, gesellschaftlich und infrastrukturell.

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