Umweltbehörde ermittelt

Skandal-Party auf Urlaubsinsel: Deutscher drohen 200.000 Euro Strafe für Vulkan-Rave – sie reagiert

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Zwei DJanes sorgen mit einer Live-Stream-Produktion auf Fuerteventura für Empörung in Spanien. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Umweltzerstörung.  

Calderón Hondo – Eigentlich sorgt die Hamburger DJane Nina Hepburn mit ihren klangvollen Bässen und rhythmischen Beats bei ihrem Publikum für Begeisterung – bei den spanischen Behörden stieß sie zuletzt jedoch auf taube Ohren und erzürnte die Gemüter auf Fuerteventura.

Gemeinsam mit einer befreundeten DJane, der Niederländerin Sisi Carini, war die 31-jährige Musikerin zum Jahresbeginn auf die spanische Urlaubsinsel zu einem kleinen „Come Together“ unterm freien Himmel gekommen, um aufzulegen. Allerdings nicht irgendwo, sondern auf dem Krater des Calderón Hondo, einem inaktiven Vulkan im Norden der Insel.

Der Vulkan Calderón Hondo: Hier haben DJane Nina Hepburn und Kollegin Sisi Carini eine Musik-Session veranstaltet.

Das Brisante: Der Vulkankegel von Calderón Hondo wird aufgrund seiner Nähe zu einem Vogelschutzgebiet von der örtlichen Umweltbehörde als sensibles Gebiet geführt. Außerdem steht der Vulkankrater selbst unter besonderem Schutz.

Der Calderón Hondo: Ein sensibler Vulkan – Deutsche organisierte Party in geschütztem Gebiet

Die zuständige Verwaltungsbehörde von Fuerteventura leitete nun ein Verfahren wegen des Vorwurfs der Umweltzerstörung ein. Ziel sei es, die „Verantwortlichkeiten für eine offenbar über soziale Netzwerke organisierte und verbreitete Party in einem Gebiet zu ermitteln“, wie es in einer Pressemitteilung des Cabildo de Fuerteventura heißt. Das Gebiet sei als besonders geschützter ländlicher Raum eingestuft.

Der Vulkankegel von Calderón Hondo sei ein sensibles Gebiet für die Erhaltung bedrohter Arten, die im Katalog der geschützten Arten der Kanarischen Inseln aufgeführt sind. Im Gebiet um den Vulkan finden sie einen Platz zum Rasten und Nisten. Die Electro-Party könnte daher den Tatbestand der Belästigung, Störung und Zerstörung von Lebensräumen wild lebender, besonders geschützter Arten erfüllen.

In einer Pressemitteilung der zuständigen Gemeindeverwaltung von La Oliva heißt es: „Die Vorfälle ereigneten sich an diesem Wochenende und lösten eine Welle der gesellschaftlichen Ablehnung auf der ganzen Insel aus, da die Organisatoren eine DJ-Session auf dem Gipfel des Vulkans beworben und gefeiert haben, wobei sie etwa einhundert Personen versammelten. In den verbreiteten Bildern sieht man, wie die Veranstalter eine Soundanlage auf dem Vulkan aufgebaut haben und die Musiksession mit mehreren Kameras und einer Drohne aufzeichnen.“

„Attentat auf die Umwelt” – Vulkan-Rave um deutsche DJane sorgt für Empörung in Spanien

Sachverständige der Umweltbehörde bewerten nun die Schäden, die bei schweren Verstößen eine Ordnungswidrigkeit mit Strafen von 3.000 bis 200.000 Euro nach dem Gesetz 42/2007 vom 13. Dezember über das „Naturerbe und die biologische Vielfalt“ nach sich ziehen können. 

Besonders unerfreulich sei wohl die Tatsache, dass während des Open-Air-Events Kameras und Drohnen Bildmaterial aufzeichneten. Dies führe zu einer „Reproduktion in den sozialen Netzwerken, welche das Problem noch verschärfen und einen möglichen ‚Mitnahmeeffekt‘ auslösen“ könnte. Lokale Medien sprechen nun sogar von einem „Attentat auf die Umwelt“.

Skandal-Rave auf Fuerteventura: Nina Hepburn äußert ihre Meinung

Auf Nachfrage der Fuerteventura Zeitung stellt Nina Hepburn den Sachverhalt aus ihrer Sicht klar: „Wir haben keinen Rave organisiert, sondern ein Live-Stream DJ-Set. Dies ist vollkommen erlaubt, da das Filmen in der Öffentlichkeit gestattet ist. Wir hatten nur zwei Monitorlautsprecher für den DJ, waren nicht laut und haben in keiner Weise die Natur gestört. Wir waren bereits wieder unten, bevor es dunkel wurde.“

Die DJane weiter: „Wir haben keinen Müll hinterlassen. Wir haben die Natur nicht gestört, und dieser Naturpark ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Es ist erlaubt, dass jeder zu dieser Zeit dort sein darf. Wir waren dort mit unseren Freunden und haben nichts weiter organisiert, nichts Verbotenes getan und sicherlich keinen Rave veranstaltet. Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen einem Live-DJ-Stream und der Organisation einer illegalen Veranstaltung, die gemeinhin als Rave bezeichnet wird.“

Influencer und ihr Umgang mit der Umwelt Fuerteventuras sind den Einheimischen schon seit längerem ein Dorn im Auge. Unter einem im Sommer 2022 geteilten Video zweier Touristen, die sich abseits der Wege auf den Weg zum Kraterboden des Vulkanes machten kommentiert ein Nutzer: „Diese „Influencer“ glauben, dass sie das Recht haben, alles zu tun, was sie wollen. Sie bitten um eine kostenlose Unterkunft oder Verpflegung. Sie sitzen drei Stunden lang vor einer Bar, um das WLAN zu nutzen, und lassen eine Flasche Wasser die ganze Zeit über stehen. Sie brechen Regeln und scheren sich nicht darum. Eine Schande!“. (ls

Rubriklistenbild: © Screenshot/Instagram

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