Die sechs häufigsten Verletzungen

Frauen trifft es häufiger als Männer: „Ungewöhnlich, wie viele Skifahrer es derzeit erwischt“

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Diagnose Kreuzbandriss: Dr. Manuel Köhne erklärt seiner Patientin Dr. Isabelle Jacobson die MRT-Bilder von ihrem lädierten Knie. Der Spezialist hat das gerissene Kreuzband durch einen Teil der vorderen Oberschenkelsehne (Quadrizeps) ersetzt. Sie gilt als besonders robust. Allerdings ist der Heilungsprozess etwas schmerzhafter als mit einem Ersatz-Kreuzband aus der Semitendinosus-Sehne (Hamstrings) an der Oberschenkelrückseite. „Welche Sehne man für die sogenannte Kreuzband-Plastik verwendet, hängt immer vom Einzelfall ab“, sagt Köhne.
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Heuer passieren in den Münchner Hausbergen so viele Skiunfälle wie seit Jahren nicht mehr – besonders oft verletzen sich die Brettl-Fans am Knie. Hier erklärt der Mannschaftsarzt der deutschen Ski-Nationalmannschaft, Dr. Manuel Köhne, die Hintergründe.

München – In Kliniken und Arztpraxen geben sich derzeit verletzte Skifahrer die Klinke in die Hand – eine Folge des Brettl-Booms in der ersten Saison nach zwei eingeschränkten Corona-Wintern. „Auf den Pisten geht’s heuer extrem zu“, hat bereits Felix Neureuther in unserer Zeitung analysiert – und Ski-Arzt Dr. Manuel Köhne von der OCM-Klinik in München berichtet: „Es ist wirklich ungewöhnlich, wie viele Skifahrer es derzeit erwischt.“ Die meisten verletzen sich am Knie. Der Klassiker: ein Riss des vorderen Kreuzbands, das hintere ist nur selten betroffen. Stattdessen sind allerdings oft auch das Innenband und/oder der Innenmeniskus lädiert. Solche Kombiverletzungen nennen Mediziner Unhappy Triad. Mehr zu den häufigsten Knieverletzungen lesen Sie im Artikel unten.

Viele Ski-Unfälle: Frauen sind häufiger betroffen als Männer

„Bei den Ski-Opfern handelt es sich oft um Anfänger oder um sehr gute Skifahrer. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, weil die Kniegelenke der Damen eine ungünstigere Anatomie haben. Sie sind anfälliger insbesondere für Kreuzbandrisse, dazu kommt, dass sie oft eine etwas schwächere Muskulatur haben als Männer“, weiß Köhne.

Die meisten Unfälle passieren in wenig spektakulären und scheinbar harmlosen Situationen. Das gilt insbesondere für Knieverletzungen. So handeln sich Hobby-Skifahrer vergleichsweise selten bei schweren Stürzen mit hohem Tempo einen Kreuz–bandriss ein. Viel öfter erwischt es sie in leichtem Gelände und bei geringer Geschwindigkeit. „Wenn die Konzentration nachlässt, verschlägt es einem ganz schnell mal die Ski. Das kann schon reichen, um sich das Kreuzband zu reißen“, erläutert der Arzt.

Ski-Unfälle: „Gerade gute Skifahrer verletzten sich oft in vergleichsweise leichtem Gelände“

Ein Paradebeispiel ist seine Patientin Dr. Isabelle Jacobson. Die 46-jährige Münchner Kardiologin, die früher selbst Skirennen gefahren ist, war im Skigebiet von St. Anton am Arlberg unterwegs – genauer gesagt auf einem Ziehweg zwischen dem Gampen und der Zammermoosbahn. „Irgendwie bin ich in einen Kunstschneehaufen am Pistenrand geraten, dabei hat’s mir meine Skiern mit frisch geschliffenen Kanten verrissen.“ Jacobson ist nicht einmal gestürzt, spürte aber sofort, dass ihr Knie wahrscheinlich lädiert ist. „Es war leider bereits mein dritter Kreuzbandriss.“

Solche Fälle seien typisch, sagt Köhne. „Gerade gute Skifahrer verletzten sich oft in vergleichsweise leichtem Gelände, eben auf Ziehwegen oder beim Abschwingen vor dem Lift. Manchmal berichten die Patientin, dass ihnen die Verletzung praktisch im Zeitlupen-Tempo passiert ist“, berichtet der Ski-Doc. „In diesen Situationen lässt die Konzentration oft etwas nach. Dazu kommt, dass bei Stürzen mit langsamer Geschwindigkeit häufig die Bindung nicht aufgeht. Der Druck aufs Knie ist dann deutlich größer als bei Stürzen mit größerem Tempo.“

Muskelmasse aufbauen: Sportarten, die Ihnen einen straffen Körper bescheren

Frau trainiert mit einem Kettlebell
Beim Crossfit geht es darum, den Körper ganzheitlich zu trainieren. Das wird durch Eigengewicht-Übungen erreicht, aber auch durch Training mit Geräten. Ursprünglich sollte das Workout Polizisten während ihrer Ausbildung fit machen. Mittlerweile ist das funktionelle Training allerdings im Breitensport angelangt. „Crossfit ist ein Mix aus Kraft-, Bodyweight- und Ausdauer-Training. Hinzu kommt der geniale Nebeneffekt, dass du mit dieser speziellen Art des Functional Trainings auch die gewünschten optischen Effekte herbeirufst“, wird Ulrike Glöckner, Trainerin und Crossfit-Athletin, vom Magazin Women‘s Health zitiert. Eine Crossfit-Einheit dauert rund eine Stunde und beinhaltet Aufwärmübungen, ein „Workout of the day“ und Stretching am Ende des Trainings. © Josep Suria/Imago
Frau steht vor verschiedenen Hanteln
Mithilfe von Krafttraining mit Geräten lässt sich effektiv Muskulatur aufbauen. Im Fitnessstudio, aber auch im heimischen Fitnessraum, lässt sich mithilfe von Hanteln, Klimmzugstange, Bauchroller bis Kettlebell ein individuelles Krafttraining absolvieren.  © Sergio Nievas/Imago
Frauen machen Übungen in einem EMS-Studio
EMS steht für Elektromyostimulation oder Elektro-Muskel-Stimulation. Die Muskeln werden hier während spezieller Übungen durch leichte Stromschläge angeregt, zu wachsen. Die EMS kommt ursprünglich aus dem Bereich der Physiotherapie. Therapeuten nutzen die Methode, um nach Verletzungen oder Unfällen Muskulatur gezielt wieder aufzubauen. Aber auch für gesunde Erwachsene kann das Training sinnvoll sein. Wie die Barmer Krankenkasse informiert, ist das EMS-Training im Studio zwar verhältnismäßig teuer. Aber für Menschen, die ihre Muskeln trainieren wollen, aber wenig Zeit haben, sei der Fitness-Trend EMS allein aus Zeitgründen eine interessante Option. „Jede Übung wird intensiviert, effizientes Ganzkörpertraining dauert damit lediglich 15 bis 20 Minuten“, zitiert das Magazin Woman‘s Health den Sportwissenschaftler Dr. Heinz Kleinöder von der Deutschen Sporthochschule Köln. (Symbolbild) © Imago
Frau macht Ballett
Ballett-Workout, auch Barre genannt, ist weit weniger bekannt als der typische Kraftsport am Gerät. Doch der Effekt auf die Muskulatur kann sich sehenlassen. Auch tiefliegende Muskulatur wird gestärkt und gedehnt, positiver Nebeneffekt: eine straffe Silhouette. © Imago
Eine junge Frau macht Dehnungsübungen
Pilates trainiert auch die tiefliegenden Muskeln in Bauch und Rücken. Kontrollierte Bewegungen und viele Eigengewichtübungen machen den Sport für alle Altersgruppen empfehlenswert. Viele sehen in Pilates einen wenig anstrengenden „Frauensport“, was Andy Dalton, Quarterback in der Profi-Liga im American-Football dem Magazin GQ zufolge wie folgt kommentiert: „Du denkst, Pilates sei eher eine Übung für Frauen, dann machst du es einmal und stellst fest, dass diese Mädchen dir in den Arsch treten, weil sie vor allem die kleinen Muskelgruppen trainieren, die Männer nicht immer trainieren.” © Aleksei Isachenko/Imago
Frau und Mann treiben im Park Sport mithilfe eines Sling-Trainers.
Auch das sogenannte Sling-Training eignet sich gut, um gezielt Muskulatur aufzubauen. Mithilfe eines Gurtsystems werden spezielle Übungen gemacht, während derer Sie sich ständig ausbalancieren müssen. Dies stabilisiert nicht nur die großen Muskelgruppen, sondern auch die tiefliegenden.  © Arne Trautmann/PantherMedia/Imago
Frau macht Sport auf der Matte
HIT steht für High Intensity Training, zu deutsch so viel wie hochintensives Training oder Hochintensitätstraining. Die Muskeln werden hier durch kurzes, intensives Workout stark belastet. Die intensiven Reize führen dazu, dass der Körper schnell und effektiv Muskulatur aufbaut, informiert die Barmer Krankenkasse.  © Imago

Viele Unfälle ereignen sich entweder früh morgens beim Start in den Skitag oder nachmittags bei der letzten Abfahrt. „In der Früh sind die Muskeln oft noch kalt, zu wenige Skifahrer wärmen sich vor der ersten Abfahrt auf. Ihr Körper ist sozusagen noch gar nicht auf Betriebstemperatur – und schon ist es passiert“, weiß der Orthopäde. „Mitunter spielt auch die Psyche eine Rolle. Man geht am Wochenende auf die Piste, ist noch gestresst von der Arbeitswoche und will gleich Vollgas geben.

Ski-Unfälle: Die sechs häufigsten Verletzungen am Knie – und was hilft

Kreuzband

Anzeichen: Schwellung meist erst zeitverzögert, Knie fühlt sich an wie Wackelpudding, meist nur mäßige Schmerzen.

Behandlung: Jüngere und sportliche Patienten werden in der Regel operiert, um das Knie zu stabilisieren und wieder volle Belastbarkeit zu erreichen.

Darauf kommt’s an: Nach einer schweren Knieverletzung sollte man rasch ein Röntgenbild machen lassen, um Knochenverletzungen auszuschließen. Wenn keine zu sehen sind, kann man in Ruhe einen MRT-Termin vereinbaren. Vor einer Kreuzband-OP lassen Spezialisten meist zunächst die Schwellung abklingen, um das Gewebe nicht zusätzlich zu stressen.

So lange dauert’s: Nach der OP oft nur wenige Wochen Teilbelastung mit Krücken, dazu optional eine Schiene. Sport frühestens wieder nach sechs Monaten, eher nach einem Jahr.

Innenband

Anzeichen: Ein Innenband-riss ist sehr schmerzhaft, tut in der Regel mehr weh als alle anderen Band- oder Meniskusverletzungen – und zwar inbesondere beim Strecken des Beins. Die Schwellung ist jedoch meist eher überschaubar.

Behandlung: In mehr als 90 Prozent der Fälle konservativ – also Schonung, Schmerzmittel und Kühlpack, eventuell eine entlastende Bandage.

Darauf kommt’s an: Wenn in Ausnahmefällen doch operiert werden muss, sollte man das Innenband sehr rasch wieder am Knochen befestigen - mit sogenannten Knochenankern oder Schrauben.

So lange dauert’s: Wenn es ohne OP geht, kann man nach vier bis sechs Wochen langsam wieder sporteln.

Schienbeinkopf

Anzeichen: Oft Schwellung im Knie und Unterschenkelbereich, starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Behandlung: Eine OP ist dann nötig, wenn sich Bruchstücke verschoben haben. In diesen Fällen wird der Knochen mit einer Platte und manchmal zusätzlich mit zwei Schrauben stabilisiert. Bei unverschobenen kleinen Brüchen reicht es oftmals aus, das Bein zu entlasten bzw zu schonen.

Darauf kommt’s an: Beim Verdacht auf einen Knochenbruch sollte man rasch ein Röntgenbild machen lassen. Denn es besteht die Gefahr, dass Blutgefäße verletzt sein könnten. Wenn der Bruch nicht gut ausheilt, droht Arthrose.

So lange dauert’s: Der Knochen wächst in circa sechs bis acht Wochen wieder zusammen. Sport ist nach vier bis sechs Monaten wieder drin.

Knieprellung

Anzeichen: Unmittelbar nach der Prellung tut’s oft höllisch weh, allerdings lässt der Schmerz meistens schnell nach. Das Knie wird in der Regel nicht sonderlich dick, und auch die Funktion ist nicht stärker eingeschränkt. Das Bein fühlt sich – anders als etwa bei einem Kreuzbandriss – auch nicht wackelig bzw- instabil an.

Behandlung: Eispack, Schonung und Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Voltaren.

Darauf kommt’s an: Auch bei einer starken Prellung gilt: Im Zweifel lieber ein Röntgenbild besorgen, um sicherzustellen, ob Knochen bzw. Kniescheibe unversehrt sind.

So lange dauert’s: Schnelle Besserung, meist keine längere Sportpause nötig.

Meniskus

Anzeichen: Ganz typisch sind Schmerzen beim Beugen – beispielsweise, wenn man in die Hocke geht. Auch bei Drehbewegungen kann es sauber wehtun. Die Schwellung ist meist nicht so wild.

Behandlung: Eine OP ist dann nötig, wenn ein abgerissenes Stück Meniskus eingeklemmt ist.

Darauf kommt’s an: Heute gilt die Devise, dass man so viel Meniskus wie möglich erhalten sollte. Daher versuchen Spezialisten´, gerissene Menisken zu nähen. Wenn dies nicht möglich ist, wird der kaputte Teil entfernt.

So lange dauert’s: Nach einer Teilentfernung nur wenige Tage Krücken, nach einer Naht mehrere Wochen.

Kaspelverletzung

Anzeichen: Die Gelenkkapsel, die das Kniegelenk wie eine Art elastische Gewebehülle ummantelt, wird oft durch eine Überstreckung oder Verdrehung des Beins in Mitleidenschaft gezogen. Kaspelverletzungen ohne andere Schäden verursachen keine größeren Schwellungen. Die dumpfen, eher flächigen Schmerzen sind meist mittelstark.

Behandlung: In der Regel reicht es aus, das Knie zu schonen und zu kühlen. Gegen die Schmerzen helfen Voltaren oder Ibuprofen. Sinnvoll ist auch eine Bandage zur Entlastung.

Darauf kommt’s an: Ob neben der Kaspel auch Bänder verletzt sind, muss womöglich mit einem MRT geklärt werden.

So lange dauert’s: Zwei bis vier Wochen.

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