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Das ECMWF-Modell sorgt für Staunen: Anfang November könnte es Temperaturen geben, die sonst nur im Frühsommer vorkommen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Da kann man sich tatsächlich nur noch verwundert die Augen reiben: Das renommierte europäische Wettermodell ECMWF hat Szenarien berechnet, die eher an Juni als an November erinnern. Für das erste Novemberwochenende – konkret den 1. und 2. November – wurden ursprünglich Höchstwerte zwischen 18 und 24 Grad simuliert. Das wären nicht nur außergewöhnlich milde, sondern regelrecht rekordverdächtige Temperaturen. Solche Werte treten in Mitteleuropa sonst höchstens an frühsommerlichen Tagen auf – doch mitten im Spätherbst wäre das eine echte Sensation.
Verantwortlich für die Wärme wäre eine kräftige Südwestströmung, die außergewöhnlich warme Höhenluft direkt aus Südwesteuropa heranführen würde. Selbst wenn die aktuellste ECMWF-Prognose das Extrem leicht abgeschwächt hat, bleiben Tageshöchstwerte von 20 bis 21 Grad im Bereich des Möglichen. Für Anfang November wäre das immer noch mehr als üppig. Auch die Nächte würden mild verlaufen, vielerorts mit zweistelligen Tiefstwerten. Von Novembergrau also keine Spur – stattdessen ein goldener, fast sommerlicher Start in den Monat.
Südwestströmung bringt warme Höhenluft – Vom Polarwirbel keine Spur
Während das ECMWF vergleichsweise stabil auf mild bleibt, zeigt sich das amerikanische GFS-Modell deutlich sprunghafter. Einmal deutet es auf warme Witterung hin, dann wieder auf kühlere Phasen. Eine einheitliche Prognose für das erste Novemberwochenende ist daher schwer zu fassen. Doch selbst das kühlere Szenario würde eher einem milden Herbsttag entsprechen als einem Vorgeschmack auf den Winter. Ein Wintereinbruch bis in tiefe Lagen ist zum Start in den November ausgeschlossen.
Und was ist mit dem oft zitierten Polarwirbel, der laut Medien schon wieder für Schlagzeilen sorgt? Der bleibt vorerst ein Phantom. Über Mitteleuropa lässt er sich jedenfalls nicht blicken. Stattdessen scheint die Atmosphäre derzeit eher mediterran gestimmt – oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen: Wenn man den aktuellen ECMWF-Lauf betrachtet, dann wäre das kein Polarwirbel, sondern ein echter „Sahara-Wirbel“. Eine kuriose, aber faszinierende Wetterlage zum Start in den November – und vielleicht der letzte große Sommergruß des Jahres.
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