„Notsituation“ auf Sizilien: Zehntausende auf Italien-Insel nach Hitzewelle ohne Wasser und Strom
VonVivian Werg
schließen
Für viele Touristen und Einwohner ist die Lage in Italien kaum zu ertragen. Neben der extremen Hitze kommt nun ein Versorgungsproblem erschwerend hinzu.
München – Italien leidet: Das Wetter im Land spielt derzeit verrückt und während der Norden von heftigen Unwettern heimgesucht wird und Regen, Hagel und Sturmböen erhebliche Schäden angerichtet haben, schwitzen im Süden des Landes Menschen bei mehr als 40 Grad. Zudem sorgen in Sizilien größere Wald- und Flächenbrände für Chaos. Palermo ist in Rauch gehüllt. In Apulien und Kalabrien wurden ebenfalls mehrere Brände registriert. Auch in Griechenland wüten enorme Waldbrände.
Die große Hitzewelle hat, wie Südtirol News berichtet, in der Hafenstadt Catania und einigen umliegenden Kleinstädten zu einem weitgehenden Zusammenbruch der Stromversorgung geführt. Seit vergangenen Donnerstag kam es zu Stromausfällen, die wiederum zum Ausfall von Wasserpumpen führten. Focus.de zufolge waren nach Angaben des Wasserversorgers Sidra bis Montagmorgen (24. Juli) zwischenzeitlich 200.000 bis 300.000 Menschen ohne Wasser.
Extremwetter in Italien: Hitze beschädigt Stromleitungen – Sizilien in einer „klimatischen Notsituation“
Obwohl seither versucht wird, die Versorgung wiederherzustellen, sind Zehntausende von Menschen seit mehr als 90 Stunden ohne Strom und damit zusammenhängend auch von der lebenswichtigen Versorgung von Wasser abgeschnitten. „Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen klimatischen Notsituation“, teilte der Netzbetreiber E-Distribuzione, der zum teilstaatlichen Stromanbieter Enel gehört, in einer Erklärung mit. Als Hauptursache wurden Hitzeschäden an der unterirdischen Stromleitungen genannt. Hunderte Techniker seien im Einsatz, um die Probleme zu lösen.
Auch mehrere Kleinstädte im Hinterland von Catania, wie Acireale und Paternò seien laut der Nachrichtenseite von ständigen Stromausfällen betroffen. Während Hunderttausende Menschen unter dem Strom- und Wassermangel leiden, haben Unternehmen bereits jetzt Schäden in Millionenhöhe zu beklagen. „Es wurde bereits berechnet, dass allein die Schließung und die langsame Wiedereröffnung des Flughafens Fontanarossa von Catania den Unternehmen einen täglichen Verlust von 40 Millionen Euro beschert. Wenn wir die ausgedehnten Stromausfälle und die dadurch verursachten massiven Schäden für Bürger und Unternehmen hinzurechnen, ist die Schadensbilanz noch größer“, erklärt der Präsident von Confindustria Catania, Angelo Di Martino gegenüber Südtirol News.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
„Wir zahlen für den Klimawandel und Infrastruktur, die den neuen Bedingungen nicht angemessen scheint“
Die Behörden in Catania meldeten am Montag (24. Juli) heftige Temperaturen von bis zu 47,6 Grad. Auch am Mittwoch war es auf Teilen der Insel noch bis zu 43 Grad heiß. Der Strom- und Wassermangel trifft auch die Landwirtschaft hart. Denn bei der derzeitigen Hitzewelle herrsche ein chronischer Mangel an Wasser für die Bewässerung. Unter den Bauern sind, wie Medien berichten, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung groß.
Der italienische Katastrophenschutzminister und früherer Regionalpräsident Siziliens, Nello Musumeci, findet nach Angaben italienischer Nachrichtenagenturen drastische Worte zur aktuellen Lage: „Wir zahlen einerseits für den Klimawandel, dem wir schon seit einigen Jahren mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, und andererseits für eine Infrastruktur, die den neuen Bedingungen nicht angemessen scheint“. (Vivian Werg)