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Das 800-Einwohner-Dorf Hallstatt in Österreich ächzt seit Jahren unter enormer Belastung durch Touristen. Jetzt könnte ein Ticketsystem kommen.
Hallstatt - Die Alpenregion kennt zahlreiche schöne Flecken, die sich für einen Tagesausflug lohnen, wo man aber auch einen ganzen Urlaub verbringen kann. Wenn in Bayern an schönen Wochenendtagen die Münchner Richtung Tegernseer Tal fahren, wird es regelmäßig voll – auf den Straßen und rund um den See.
Doch schier von Touristen überlaufen wird ein idyllischer Urlaubsort in Österreich: Hallstatt. In der Marktgemeinde im Salzkammergut ist der Platz beschränkt. Hier leben nicht einmal 800 Menschen. Doch das hält Besucher aus der ganzen Welt nicht davon ab, den Ort zu entern. Teilweise kommen bis zu 10.000 Gäste am Tag, auf das Jahr gesehen sind es fast eine Million Touristen.
Hallstatt überlaufen: Kommen Tagestickets mit Obergrenze?
Hallstatt, seit 1997 Unesco-Welterbe, punktet durch seine Lage am Hallstätter See. Das Örtchen drängt sich auf einen schmalen Uferstreifen am Westufer. Dahinter ragt steil das Dachsteinmassiv in die Höhe. Das Bild mit der Kirche vor den Bergen ist weit über die Grenzen Europas bekannt. Doch die Hallstätter haben den Massentourismus seit Langem satt.
2020 war die Anzahl der Touristenbusse beschränkt worden. Diese Überlegungen gibt es inzwischen auch für Pkw. Im Mai 2023 sah man sich gezwungen, einen beliebten Aussichtspunkt für Selfie-Jäger zu sperren. Jetzt kommen womöglich Tagestickets mit Obergrenze, worüber seit Jahren diskutiert wird. Touristen sollen Tagestickets für den Besuch kaufen. Ist die Maximalzahl erreicht, wird Hallstatt gesperrt. Laut DerStandard schwebt vielen Einheimischen eine Zahl zwischen 2.000 und 5.000 Tagesgästen vor.
Hallstatt: Maßnahmen gegen Touristenandrang könnten beschlossen werden
Am 6. September könnte die Regelung umgesetzt werden, wenn sich die Bürgermeister Hallstatts und der Nachbargemeinden mit dem Tourismusverband treffen, um über Maßnahmen zur Eindämmung des Touristenansturms zu entscheiden, berichtet die österreichische Tageszeitung Kurier. Auch Österreichs Tourismus-Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler plädiert für ein Ticketsystem.
Um auf die Situation aufmerksam zu machen, blockierten zuletzt rund 100 Einwohner für 15 Minuten die einzige Zufahrtsstraße aus Norden kommend. „Wenn mehr als zehn Prozent der Bevölkerung in so einem kleinen Ort ihren Unmut kundtun, dann ist das ein sehr deutliches Zeichen“, sagte ein Betroffener dem Standard. In Bayern protestierten auch die Wallgauer gegen die Verkehrsbelastung durch Ausflügler. (mt)
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