Folgen der Klimakatastrophe

Hitze in Italien nimmt verheerendes Ausmaß an – Menschen sterben „auf furchtbare Weise“

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In der extremen Hitze in Italien sind in den vergangenen Wochen mehrere Menschen während ihrer Arbeit ums Leben gekommen. Nun drohen im Land Streiks.

München/Rom – Mit heftigen Waldbränden in Griechenland, nahezu ausgetrockneten Flüssen in Spanien, Rekordtemperaturen im Süden Italiens und heftigen Unwettern werden die Folgen der Klimakrise in diesen Tagen in Südeuropa besonders gut sichtbar. Das zeigt sich in den Hitzehochburgen Italiens nun auch in einer anderen, drastischen Statistik: Der Zahl der Hitzetoten.

Über mehrere Menschen, die die Hitze in der vergangenen Woche das Leben kostete, berichteten in den vergangenen Tagen laut einem dem britischen Guardian mehrere Medien. Die tatsächliche Anzahl der Todesfälle, die es ohne die extreme Hitze womöglich nicht gegeben hätte, liegt Schätzungen zufolge deutlich höher. Viele der Hitzetoten, über die derzeit in Italien gesprochen wird, waren Arbeiter, die in oder nach ihrer Arbeitszeit zusammengebrochen sind.

Mehrere Hitzetote in Italien: Gewerkschaften fordern Maßnahmen von Arbeitgebern

Da ist etwa der Bäcker aus der Region Venedig, der im Krankenhaus starb, nachdem er in seiner Bäckerei kollabiert war. Oder der 75-jährige Bauarbeiter, der am Neubau eines Amazon-Lagers bei Ancona arbeitete. Der 44-Jährige, der beim Auftragen von Straßenmarkierungen in Mailand zusammenbrach. Oder der 61-jährige Supermarktmitarbeiter aus Florenz, der nach seiner Schicht im 39 Grad heißen Personalraum tot aufgefunden wurde. Und dessen Nichte sagt, er wäre „auf furchtbare Weise“ gestorben: „Auf der Arbeit und allein.“

Selbst Touristen ächzen unter der Hitze in vielen Städten und Regionen Italiens. (Symbolfoto)

Als Reaktion darauf haben erste Arbeiterorganisationen und Gewerkschaften bessere Bedingungen für die Beschäftigten gefordert, einige drohen zeitnah zu streiken. Dem Guardian sagte etwa Salvatore Cutaia, Generalsekretär einer Mailänder Arbeiterorganisation, dass er Arbeitgeber in der Pflicht sehe, mit verbesserten Arbeitsbedingungen Abhilfe zu schaffen. Verkürzte Arbeitszeiten an Hitzetagen bei gleicher Bezahlung, die Schaffung schattiger Pausenplätze und kostenlose Versorgung mit Wasser – laut Cutaia könnten Maßnahmen wie diese Leben retten.

Temperaturen über 46 Grad in Italien: Krankenhäuser sind am Limit

Der Temperaturrekord in Italien lag in den vergangenen Tagen bei 46,4 Grad in Sizilien, für die kommende Wochen rechnen Prognosen mit bis zu 47 oder gar 48 Grad in den Regionen Sardinien und Sizilien. Auch in vielen Städten, die nicht im Süden des Landes liegen – etwa Rom, Perugia oder Firenze – liegen die prognostizierten Höchsttemperaturen knapp unter 40 Grad. Weiter nördlich haben am Wochenende (22./23. Juli) heftige Hagelgewitter für Verletzte und weggeschwemmte Strandliegen und Sonnenschirme gesorgt.

Schon am Mittwoch (19. Juli) hatte das Gesundheitsministerium für 23 größere italienische Städte die höchste Alarmstufe für Hitze ausgerufen. In einigen wurden klimatisierte Gesundheitszentren errichtet, in denen sich die Menschen mit Wasser eindecken können. Vielerorts in Italien sind Krankenhäuser und Notaufnahmen überlastet. Die italienische Zeitung La Repubblica berichtete bereits am Dienstag (18. Juli) von italienweit etwa 20 Prozent mehr Notarzteinsätzen als üblich. (saka mit dpa)

Rubriklistenbild: © Andrew Medichini/dpa

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