- VonFabian Pieperschließen
Eine Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen soll gut für die Umwelt sein. Eine Studie liefert nun konkrete Zahlen zu dieser Aussage.
Dessau – Es ist seit jeher ein Privileg, das Autofahrer in Deutschland genießen: Während in den meisten Ländern der Welt auf den Autobahnen nicht schneller als 120 oder 130 km/h gefahren werden darf, gilt einzig hierzulande keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung.
Immer wieder hat es Vorstöße verschiedener Verbände gegeben, auch in Deutschland ein allgemeines Tempolimit einzuführen. Als Begründung werden vor allem Sicherheitsaspekte genannt, denn schnelle Autos sind schwieriger zu kontrollieren als langsame. Das Bundesverfassungsgericht urteilte kürzlich über diese Vorstöße.
Tempolimit auf der Autobahn? Klimaaspekt spielt eine große Rolle
Doch gerade in den vergangenen Jahren ist der Umweltaspekt immer mehr in den Mittelpunkt der Diskussion geraten. Denn schnell fahrende Autos verbrauchen für dieselbe Strecke in der Regel auch deutlich mehr Sprit als langsam fahrende. In Zeiten des Klimawandels hat die Politik bereits viele Schritte unternommen, um Deutschland nachhaltiger und umweltbewusster aufzustellen.
An eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn hat sich bislang aber noch keine Regierung wirklich getraut – auch nicht nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine, der eine andauernde Energiekrise zur Folge hatte.
Tempolimit auf der Autobahn: So viel CO₂ wird damit tatsächlich eingespart
Möglicherweise fußte die Ablehnung aber auch auf irrigen Annahmen zum Nutzen eines Tempolimits. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) bekräftigte zuletzt, keine Höchstgeschwindigkeit auf Deutschlands Autobahnen einführen zu wollen. Einerseits gehöre die Entscheidung über das Tempo in die Eigenverantwortung der Bürger, so der FDP-Mann. Andererseits würde ein Tempolimit kaum Einsparungen bringen.
Doch offenbar ist das Gegenteil der Fall. Denn wie das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau am Montag, 23. Januar 2023, mitteilte, dürfte die Einsparung an CO₂ durch ein Tempolimit sogar größer sein als bisher angenommen.
Das sind die Höchstgeschwindigkeiten in Deutschlands Nachbarländern
Als Grundlage für die Berechnungen habe die Studie eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h auf den Autobahnen sowie Tempo 80 außerhalb geschlossener Ortschaften angenommen, also ähnlich wie in der Schweiz und in Irland gefahren wird. Die Berechnung sei für einen Zeitraum zwischen Januar 2024 bis 2030 gelaufen.
| Land: | Autobahn: | Außerorts: |
| Niederlande | 100 km/h | 80 km/h |
| Belgien | 120 km/h | 90/70 km/h |
| Luxemburg | 130 km/h | 90 km/h |
| Frankreich | 130 km/h | 80 km/h |
| Österreich | 130 km/h | 100 km/h |
| Schweiz | 120 km/h | 80 km/h |
| Tschechien | 130 km/h | 90 km/h |
| Polen | 140 km/h | 90 km/h |
| Dänemark | 130 km/h | 80 km/h |
Demnach liege die CO₂-Einsparung bei rund acht Millionen Tonnen pro Jahr, insgesamt 47 Millionen Tonnen. Alleine das Autobahn-Tempolimit steuere eine Einsparung von rund 6,8 Millionen Tonnen bei. Damit würde die Klimaschutz-Lücke im Verkehrssektor um ein Sechstel geschlossen werden.
Wie viele E-Autos für eine ähnliche Einsparung an CO₂ notwendig wären
Eine ähnliche Einsparung dürfte nach UBA-Präsident Dirk Messner erreicht werden, wenn drei Millionen zusätzliche reine E-Autos auf deutschen Straßen mit durchschnittlicher Fahrleistung unterwegs seien. Er betonte zudem, dass die Maßnahmen der Regierung bislang nicht ausreichten, um die angepeilten Klimaschutz-Ziele zu erreichen. Alleine im Verkehr summierten sich die Zielverfehlungen bis 2030 auf jährlich rund 271 Millionen Tonnen CO₂.
Wissing sieht allerdings bereits jetzt Effekte, die ein generelles Tempolimit überflüssig machen würden: „Die hohen Energiepreise führen schon jetzt dazu, dass viele Menschen langsamer fahren. Und bei den E-Autos werden die Menschen auch nicht so schnell fahren, weil sie ihren Akku schonen wollen“. Moderne und reichweitenstarke E-Autos schaffen bei Tempo 130 unter günstigen Bedingungen bis zu 500 Kilometer am Stück, bei höheren Geschwindigkeiten sinkt die Reichweite drastisch.
Nein zum Tempolimit: Wie Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) die Klimaschutz-Ziele erreichen will
Der Verkehrsminister betonte zuletzt immer wieder, die Energiewende im Mobilitätssektor über alternative Antriebe erreichen zu wollen, statt Autofahrer einzuschränken. „Wir müssen klimaneutralen Verkehr auf der Straße ermöglichen, mit mehr E-Autos und CO₂-neutralen Kraftstoffen, auch im Güterverkehr“, sagte er der Bild am Sonntag. Er wolle das Autobahn-Netz in Deutschland vervollständigen, Lücken schließen und bestehende Autobahnen ausbauen und verbreitern.
Vor allem von Klimaschutzminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) hagelte es in der Vergangenheit regelmäßig Kritik an der Einstellung Wissings, dessen mitregierende FDP sich konsequent gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn stellt. Viele Einwohner Deutschlands befürworten hingegen eine Höchstgeschwindigkeit.