VonJohannes Nußschließen
Nach den Einschränkungen durch Corona werden zum Sommerurlaub 2023 in Italien Millionen Touristen erwartet. Regionen, Inseln und Städte ergreifen Maßnahmen.
München/Rom – Italien wappnet sich aktuell für einen Touristen-Ansturm im Sommer. Darüber berichtet die italienische Tageszeitung La Republicca. Denn nach gut drei Jahren Einschränkung durch die Corona-Pandemie, rechnet man in Italien mit einem enormen Anstieg touristischer Buchungen. Darauf will man sich vorbereiten, will sich in verschiedenen Regionen und Städten auf den Andrang vorbereiten.
Urlauber-Ansturm im Sommer: Italien droht touristischer Kollaps – Einschränkungen für Touristen geplant
Und der soll enorm ausfallen, denn laut den Prognosen des Demoskopika-Instituts werden es über 442 Millionen Übernachtungen sein. Das entspricht einem Wachstum von 12,2 Prozent gegenüber 2022 und würde den höchsten Wert aller Zeiten darstellt. Was die Ankünfte von Touristengruppen betrifft, könnten fast 127 Millionen registriert werden – der dritthöchste Wert jemals nach 2019 (131 Millionen) und 2018 (128 Millionen). Dies hat einen treibenden Effekt auf die Tourismusausgaben, die in absoluten Zahlen die Schwelle von 89 Milliarden Euro fast erreichen könnten, mit einem geschätzten Wachstum von 22,8 Prozent gegenüber 2022.
Italien droht Touristen-Kollaps: Rund 61 Millionen Ausländer wählen Italien als Urlaubsziel
Es gibt also Anzeichen einer Erholung im Jahr 2023 für den Tourismus in Italien auch auf der Seite der ankommenden Touristen: Fast 61 Millionen Ausländer würden Italien laut den Schätzungen als Urlaubsziel wählen. Alle regionalen Destinationen sollen dieses Jahr einen positiven Trend bei den Touristenströmen verzeichnen.
Nun versucht man, sich in Italien für den drohenden touristischen Kollaps zu wappnen. Die ersten Städte und Regionen haben bereits erste Maßnahmen ergriffen, andere prüfen laut dem Bericht der La Repubblica Maßnahmen, um den Ansturm, der sich für die nächsten Wochen und Monate ankündigt, irgendwie Herr zu werden. Wie das Online-Portal Travelbook.de berichtet, werden Beschränkungen, Regeln und Eintrittspreise für Touristen in Erwägung gezogen, teilweise wurden sie schon erlassen.
Venedig: Zum Sommerurlaub 2023 sollen Touristen in Venedig 3 Euro Eintritt bezahlen
Beispielsweise in Venedig. Ursprünglich war vorgesehen, dass Touristen bereits seit dem 1. Juli 2020 Eintritt bezahlen müssen, um die Stadt zu besuchen. Drei Euro waren geplant, doch dann kam Corona und damit noch nie dagewesene Einschränkungen, die den Tourismus haben einbrechen lassen. Das zweite Startdatum – ursprünglich geplant für Mit Januar 2023 konnte ebenfalls nicht realisiert werden. Jetzt soll die Eintrittsgebühr zur Sommersaison 2023 kommen, ob das aber dieses Mal klappt ist noch nicht klar. Der Stadt täte es allemal gut.
Comer See: Gemeinden und Orte wollen zum Sommerurlaub 2023 Reisebusse beschränken
Nach einem heftigen Saisonstart zu Ostern am Comer See – vor ein paar Wochen waren Norditaliens Ortschaft fast überrannt worden von Touristen – will man es im Sommer besser machen, wie Travelbook.de schreibt. Denn der Ansturm hatte schon so weit groteske Ausmaße, dass viele Pendler aufgrund der Staus, die durch die Urlauber und Touristen rund um den Comer See verursacht wurden, nicht zu ihren Arbeitsstellen in die Schweiz fahren konnten.
„Die Verabschiedung außerordentlicher Maßnahmen zum Verbot bzw. zur Begrenzung des Schwerverkehrs ist unerlässlich, vor allem für Reisebusse, aber auch für Fahrzeuge wie Lastwagen, Sattelschlepper usw.“, zitiert das Portal den Bürgermeister der am Comer See gelegenen Gemeinde Tremezzina, Mauro Guerra.
Auto- und Mopedverbot auf Lampedusa – Zugangsbeschränkungen für Strände auf Sardinien geplant
Krasse Einschnitte für Touristen und Besucher plant die Regierung der Insel Lampedusa, wie die Zeitung Il Mattino schreibt. Dort soll es zwischen Juli und Anfang September 2023 verboten sein, für einen Zeitraum von 40 Tagen mit dem Auto oder dem Moped auf die Insel zu kommen. Dies gilt für alle, die nicht auf der Insel leben. „Es gibt etwa 6700 Einwohner und letztes Jahr hatten wir mehr als 200.000 Ankünfte, also haben wir entsprechende Maßnahmen vorbereitet, um die Ströme zu bewältigen“, so Bürgermeister Filippo Mannino zu der Zeitung.
Auf Sardinien ist das zwar nicht geplant, aber es ist laut Travelbook.de wahrscheinlich, dass es Zugangsbeschränkungen für Strände geben wird. Betroffen sein soll davon im Osten der Insel die Ortschaft Baunei sein. Extra dafür wird eine App entwickelt, die die Strandbesuche regulieren soll. Kosten soll das ganze sogar sechs Euro am Tag.
Fischerdorf Portofina verbietet das Stehenbleiben – Südtirol begrenzt Anzahl der touristischen Betten
Auch in Ligurien, genauer gesagt in dem kleinen 400-Seelen-Dorf Portofino, bereitet man sich auf einen enormen Urlauberansturm vor. Denn üblich ist es hier auch so, dass der Ort in den Urlaubszeiten völlig überlaufen ist. Bereits vor Ostern sei durch Bürgermeister Matteo Viacava die „Verordnung zur Regulierung der Touristenströme“ erlassen worden. Jetzt ist es verboten, in Portofino an besonders belebten Orten stehenzubleiben – ähnlich dem Verweilverbot, das beispielsweise die Stadt Düsseldorf während der Corona-Pandemie in der dortigen Altstadt erlassen hatte. Gekennzeichnet werden soll das in Portofino durch rote Zonen.
Genau wie am Comer See bereitet sich die Region Südtirol auf einen enormen Urlauber-Ansturm im Sommer 2023 vor. In Südtirol wurde bereits im vergangenen Jahr die Anzahl der touristischen Betten begrenzt. In Bozen soll der Autoverkehr reduziert werden, ist aktuell der Plan.
Rubriklistenbild: © Andrea Merola/dpa

