Klima-Protest

Neusiedler See in Österreich fast ausgetrocknet – Bürgermeister greift zu ungewöhnlicher Maßnahme

  • schließen

Immer mehr Gewässer werden immer trockener – auch der Neusiedler See in Österreich. Der Bürgermeister der angrenzenden Gemeinde startet einen Traktor-Protest gegen den Klimawandel.

Jois – Der Klimawandel verschont kaum ein Gewässer und das nicht nur im südlichen Europa. Wegen der Hitzewellen im vergangenen Sommer liegen viele Grundwasserpegel auf einem Rekordtief. Auch im österreichischen Burgenland machen sich die Folgen bemerkbar: Der Neusiedler See trocknet immer weiter aus. Nun zeigt sich auch der konservative Bürgermeister Johann Steuerer vom angrenzenden Jois besorgt, berichtete focus.de.

Neusiedler See in Österreich immer trockener: Bürgermeister organisiert Traktor-Protest

Um auf die prekäre Lage des Sees aufmerksam zu machen und „rasche Maßnahmen“ von Land und Bund zu fordern, organisierte Steurer am Dienstag (9. Mai) zum Prostet. Der Politiker der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) rief zu Demonstrationen und Straßensperren auf. 200 Einwohner und 40 Traktoren blockierten die B50, die wichtigste Bundesstraße – vier Stunden lang.

Bürgermeister und Einwohner demonstrieren für die Rettung des Neusiedler Sees.

„Wir wollen aufrütteln“, so Steurer. Die Austrocknung des Neusiedler Sees sei eine „drohende Umweltkatastrophe“. Austrocknende Seen bedingen nämlich auch das Fischsterben. Der See ist in den vergangenen Jahrhunderten bereits mehrmals ausgetrocknet, zuletzt 1865, so der österreichische Sender ORF. Laut Steuerer könne ein weiteres Mal könne verhindert werden, wenn die Handlungsmaßnahmen der Regierung beschleunigt werden.

Klimawandel: Neusiedler See in Österreich droht erneute Austrocknung

Die Region um den Neusiedler See leidet unter einem Niederschlagsmangel. ORF berichtete, dass der Pegel 2022 unter dem vergangenen Rekordtief gelegen habe. Er lag ganze zehn Zentimeter tiefer als 1991. Der Pegel hat sich inzwischen etwas erholt. Dafür hat der niederschlagsreiche Frühling gesorgt. Um eine wirkliche Erholung handelt es sich jedoch nicht – der See ist zu seicht und er besteht zu 80 Prozent aus Regenwasser. Schuld sei der Klimawandel, denn lange Hitzeperioden mit wenigen Regenfällen und Austrocknung gehen also Hand in Hand.

Folgen einer Austrocknung seien wegfallende Einnahmen durch Tourismus, höhere Staubbelastung durch trocknenden Schlamm, wegfallende Ernte und auch zunehmende Wetterextreme. Laut focus.de warnen Experten jedoch vor Panikmache. Vergleiche mit der damaligen Neusiedler-See-Austrocknung seien übertrieben, so der Geologe Erich Dragnatis von der Universität Wien. Die Begebenheiten seien wegen menschlichem Eingreifen und der Landwirtschaft unvergleichbar.

Neusiedler See in Österreich: Maßnahmen gegen Austrocknung im Gespräch

Trotzdem würde man nach Lösungen suchen, um einem weiteren Sinken des Wasserspiegels entgegenzuwirken. Im Gespräch seien die Wiederherstellung alter Zuflüsse zum See und die Einschränkung der Nutzung für die Landwirtschaft. Auch ein Schlammstaubsauger könne zum Einsatz kommen, um Schiffen die Fahrt durch das seichte Wasser zu ermöglichen. Wie üblich sind solche Entscheidungen mit viel Bürokratie verbunden. Schnelligkeit ist angesagt, denn sonst könne es dem Neusiedler See so ergehen, wie dem verdunsteten Zicksee. Deswegen fordern Steuerer und die Einwohner der Gemeinde Jois mit dem Traktor-Protest zeitnahe Maßnahmen, um den Neusiedler See zu retten. (hk)

Rubriklistenbild: ©  picture alliance/dpa/APA | Judith Högerl

Kommentare