VonMarcus Giebelschließen
Im Mallorca-Urlaub machen sich vor allem junge Touristen immer wieder zum Affen. Beim „Balconing“. Es hagelt Beschwerden, ein Hoteldirektor erklärt das Problem.
Palma de Mallorca – Der Mensch stammt vom Affen ab. Beide zählen zu den Primaten, haben einen gemeinsamen Vorfahren, die DNA stimmt teilweise fast vollständig überein.
Beim Klettern haben dann aber doch eindeutig die Affen den Punkt. Der Mensch fühlt sich dagegen in aller Regel auf dem Boden wohler. Testet seine Fähigkeiten aber auch in den Lagen darüber hin und wieder aus.
Genau diese Art, sich zum Affen zu machen, sorgt auf Mallorca auch in dieser Urlaubssaison für Ärger. Wie die Zeitung Ultima Hora berichtet, hagelte es Beschwerden von Anwohnern, die mitansehen mussten, wie deutsche Urlauber in einem Hotel von Balkon zu Balkon sprangen oder an den Brüstungen herumkletterten. Unter Kennern nennt sich das „Balconing“, denn ein wirklich neues Phänomen ist es nicht. Und es steht unter Strafe.
Hoteldirektor über Balconing: „Junge Leute wollen Urlaub mit Party, Spaß und Alkohol“
In der Zeitung kommt Juan Manuel Ordinas zu Wort, seines Zeichens Direktor des Hotels Teide in Arenal. Der Partyhochburg, in die vor allem der Ballermann junge und trinkfreudige Urlauber lockt. Er könne das Unbehagen der Nachbarn und Anwohner verstehen und entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten, sagte der Hotelchef: „Aber wir müssen realistisch sein und verstehen, dass wir ein Hotel voller junger Leute haben, die kommen, um eine gute Zeit zu haben, um einen Urlaub mit Party, Spaß und Alkohol zu genießen.“
Allerdings betont er auch, dass es Grenzen gibt: „In diesem Hotel wenden wir das von der Regierung erlassene Tourismusgesetz an, und alle Gäste unterschreiben am Eingang ein Formular, in dem sie darüber informiert werden, dass sie des Hotels verwiesen werden, wenn sie Balkonsprünge machen oder sich unhöflich verhalten.“ Es seien auch schon Hotelgäste aus diesem Grund rausgeschmissen worden.
Nachts ist demnach ein Wachmann im Einsatz. Zudem hätte das Personal ein besonderes Auge auf derartige Umtriebe. Zugleich räumte die Hoteldirektion dem Bericht zufolge einen Vorfall aus dem vergangenen Jahr ein, als betrunkene Touristen auf die Terrasse eines Nachbarn gesprungen seien, um sich dort auf das Sofa zu setzen und sich Bier zu genehmigen. Die Polizei wäre einschaltet und die Angelegenheit geklärt worden.
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Balconing im Mallorca-Urlaub: Zeitung liefert Beweisfotos
Das Mallorca Magazin, eine deutschsprachige Schwesterzeitung, lieferte Beweisbilder eines anderen Falles. Darauf ist eine Person mit gelbem Hut und gemusterter kurzer Hose und passendem Oberteil zu sehen, die über eine Balustrade von einem auf den anderen Balkon klettert, was in diesem Fall jedoch keine wirkliche Herausforderung zu sein scheint. Ein anderes Foto zeigt eine Gruppe und lässt einen Exzess allenfalls erahnen.
Demnach gehen die Nachbarn davon aus, dass die Balkon-Kletterer angetrunken seien und möglicherweise unter Drogeneinfluss stünden. Und ihnen sei es egal, ob es Beschwerden wegen ihres Verhaltens hagele. Es werde befürchtet, dass die Touristen im Überschwang herunterfallen könnten.
Im Jahr 2018 hatten sogar mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit „Balconing“ für Schlagzeilen gesorgt. Damals stürzte etwa ein 23-jähriger Deutscher aus dem zwölften Stock und war nicht zu retten. Von Mutproben war die Rede.
Wie reagiert Hotel auf Balconing? Direktor würde Gäste auf die Straße setzen
Seither machten die waghalsigen Balkon-Aktionen immer wieder Schlagzeilen. Wie die Mallorca Zeitung im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Festnahme dreier junger Niederländer berichtete, können derlei Exzesse mit Geldbußen zwischen 6.000 und 60.000 Euro bestraft werden.
Neben Playa de Palma verzeichnet auch die besonders bei Briten beliebte Partyhochburg Magaluf viele Fälle von „Balconing“. Dort habe es im vergangenen Jahr mehrere Todesfälle gegeben.
Ordinas nennt im Mallorca Magazin auch sein Dilemma: Oftmals würde er erst im Nachhinein von den Vorfällen erfahren, wenn die Gäste schon abgereist seien. Ansonsten würde er die Unruhestifter mithilfe der Lokalpolizei auf die Straße setzen, ihr Übernachtungsgeld würden sie nicht wiedersehen. Allerdings sei es den ungebetenen Gästen dann möglich, sich in einem anderen Hotel einzuquartieren. Denn dies werde vom Gesetz nicht unterbunden. (mg)

