VonJohannes Welteschließen
Den Bären im italienischen Trentino geht es an den Kragen: Das Kabinett der Provinz hat beschlossen, jährlich acht von ihnen töten lassen. Im vergangenen Jahr wurden bereits drei Bären offenbar vergiftet.
Update vom 19. Januar, 17:05 Uhr: Das Kabinett der autonomen Provinz Trentino hat am Freitag den Gesetzentwurf über den Abschuss von acht Bären pro Jahr beschlossen. Das berichtet der Sender RAI. Den Entwurf dafür hatte Provinzpräsident Maurizio Fugatti Ende vergangenen Jahres vorgelegt. Die Abschussquote von acht Tieren soll dieses und kommendes Jahr erfüllt werden, dann will man sich mit dem nationalen Umweltinstitut ISPRA über das weitere Vorgehen beraten, um neue Quoten abzustimmen.
„Wir werden damit den Anstieg der Sohlengänger stoppen, um die Sicherheit der Menschen und der Landwirte und derjenigen, die in der Forstwirtschaft arbeiten, zu gewährleisten“, kommentierte demnach der für das Thema Großraubtiere zuständige Abgeordnete Roberto Failoni. Er versicherte außerdem, dass der Gesetzentwurf „das Ergebnis einer Vereinbarung mit der Regierung“ in Rom sei. Das Gesetz muss noch vom Parlament beschlossen werden, doch dort hat die Regierung die Mehrheit.
Trient - Die Diskussion um die Bären in der Provinz Trentino im Norden Italiens flammt wieder auf: Provinzpräsident Maurizio Fugatti von der rechtsnationalen Lega will ein Gesetz durch den Landtag in Trient bringen, das die „Entnahme“ von acht Bären pro Jahr vorsieht, zunächst für drei Jahre. Am liebsten will der Politiker laut stol.it das Gesetz noch in Kraft treten lassen, bevor die rund 150 Bären im Gebiet des Naturparks Adamello-Brenta-Gebiet nördlich des Gardasees aus dem Winterschlaf erwachen.
Bärenjagd in Italien: Jedes Jahr sollen sechs Männchen und zwei Weibchen sterben
Fugatti nennt sein Gesetzesvorhaben „ein wichtiges Managementinstrument, das in erster Linie die öffentliche Sicherheit, aber auch den Schutz der Bergwirtschaft gewährleistet“. Mit seiner Abschussquote orientiert sich der Politiker an einer Studie des nationalen Instituts für Umweltforschung ISPRA, der zufolge mehr als acht Abschüsse pro Jahr - zwei Weibchen und sechs Männchen - die Bärenpopulation im Reservat gefährden würde.
Ob Fugatti eine Mehrheit für sein Abschussgesetz bekommen wird, ist noch unklar: Seine Stellvertreterin Francesca Gerosa von den postfaschistischen Fratelli d‘Italia, die mit der Lega eine Koalition bilden, will erst mit ihrer Fraktion Rücksprache halten. Der Direktor des Naturparks Adamello-Brenta, selbst Mitglied der Fratelli d‘Italia, zeigte Sympathien für Fugattis Plan. Eine „numerische Obergrenze“ der Tiere im Schutzgebiet sei schon länger Thema, sagte er der Trienter Tageszeitung l‘Adige . In den mittelitalienischen Abruzzen hatte sich die Partei der Regierungschefin Giorgia Meloni hingegen vehement gegen die Tötung von Bären ausgesprochen.
Tierschützer sprechen von „Kreuzzug“ gegen Bären in Italien
Die Tierschutzorganisation LAV nennt das Gesetz einen „weiteren Kreuzzug der Trienter Landesregierung“ gegen die Bären. Man werde sich an die EU-Kommission wenden. Auch die international agierende Tierschutzorganisation Oipa kündigte bereits Widerstand an. Inwieweit Fugattis Abschussplan vor den Verwaltungsgerichten standhalten wird, ist fraglich. Der ehemalige italienische Umweltminister Sergio Costa nannte ihn bereits „verfassungswidrig“.
Der Braunbär ist aufgrund seiner Einstufung in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU besonders und streng geschützt. Bislang haben Verwaltungsgerichte die von Fugatti verhängte Tötung von Bären als unverhältnismäßig abgelehnt. So blieb die Bärin Gaia, die voriges Jahr im Frühjahr einen Jogger getötet haben soll, immer noch von der Todesspritze verschont. Sie hatte offenbar ihre Jungen verteidigen wollen, die sie bei sich hatte.
Ex-Regierungsvize: Drei Bären wurden schon vergiftet
Dafür greifen die Bauern und Jäger in der Provinz offenbar zur Selbstjustiz. Im vorigen Jahr wurden im Trentino insgesamt sieben Bärenkadaver gefunden. In der TV-Sendung Mandami Raitre überraschte der ehemalige Vizepräsident der Provinz, Mario Tonina, mit der Aussage: „Die letzten drei tot aufgefundenen Bären sind keinen natürlichen Tod gestorben. Die Menschen können nicht mehr und suchen selbst Antworten.“ Die Forstabteilung des Landes Trentino ließ später klarstellen, dass es noch keine letztendliche Bestätigung dafür gebe, dass die zuletzt im Trentino verendeten Bären vergiftet worden seien.
Bei einem der toten Bären, die im Herbst in der Nähe von Bresimo im Trentino aufgefunden worden waren, handelte es sich um den Bären mit dem Kürzel MJ5, genannt „Boss“, ein Halbruder von Bruno, der 2006 in Bayern erschossen wurde. Woran „Boss“ starb, ist aber noch unklar. Allerdings hatte Fugatti ihn mit weiteren Problembären auf die Abschussliste gestellt. MJ5 hatte im Frühjahr einen Gassigeher angegriffen und verletzt. Möglicherweise hatte sich der Bär durch den Hund provoziert gefühlt. Auch MJ5 wurde von Fugatti zum Abschuss freigegeben, das Verwaltungsgericht Trient hob die Anordnung aber auf.
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