Am südlichen Mittelmeer zwischen Ägypten und Tunesien

Tripolis: Die Hauptstadt von Libyen

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Tripolis, Hauptstadt von Libyen

Tripolis ist die Hauptstadt von Libyen. In Tripolis leben etwa 1,2 Millionen Menschen. Die Stadt ist das Zentrum der Kultur, Politik und Geschichte von Libyen.

Tripolis – Die Hauptstadt von Libyen liegt am südlichen Mittelmeer zwischen Ägypten und Tunesien. Die Stadt bildet das Zentrum von Geschichte, Kultur und Politik für die Bevölkerung des nordafrikanischen Landes.

Tripolis: Geographie und wichtige Daten

Die Hauptstadt Libyens liegt im Norden des nordafrikanischen Landes. In örtlicher Nähe zum Nachbarstaat Tunesien und direkt am Mittelmeer. Durch verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen ist die Bevölkerung der Hauptstadt von 1,8 Millionen im Jahr 2007 auf 1,2 Millionen im Jahr 2022 zurückgegangen. Die Hauptstadt genießt ein Mittelmeerklima, während die südlicheren Landesteile mit extremem Wüstenklima zurechtkommen müssen. Das führt zu einer starken Urbanisierung und 90% der Bevölkerung leben mittlerweile in den Städten an der Mittelmeerküste Libyens.

Libyen ist stark vom Islam geprägt, so sind 97% der Bevölkerung muslimischen Glaubens, weitere 2,5% sind Christen, der Rest gehört verschiedenen anderen Religionen an. Tripolis steht heute immer wieder im Zentrum gewalttätiger und terroristischer Anschläge und Auseinandersetzungen. Das ist bedingt durch die Geschichte rund um Machthaber Muammar al-Gaddafi. Das Land hat erst 2011 und 2020 Bürgerkriege durchleben müssen. Die Situation der Politik im Land gilt als sehr schwierig.

Die Fläche der Hauptstadt beträgt etwa 250km² und ist damit so groß wie die deutsche Bankenhauptstadt Frankfurt am Main. Und obwohl die Bevölkerungsdichte in Tripolis höher ist als in Frankfurt, so ist das Land Libyen mit lediglich 4 Einwohnern pro km² insgesamt eines der am dünnsten besiedelten Gebiete der Welt.

Die Geschichte der Gründung der heutigen Hauptstadt geht zurück auf die Phönizier. Im 7. Jahrhundert vor Christus wurde sie unter dem Namen Oea gegründet. Die strategisch wichtige Stadt wurde im Laufe der Jahrhunderte unter den Weltreichen weitergegeben. Die Römer waren es schließlich im 3. Jahrhundert nach Christus, knapp 1000 Jahre nach der Gründung, die die drei großen Städte der Region als Region Tripolitana benannten. Die Städte Oea, Sabratha und Leptis Magna wurden schließlich unter dem Kaiser Septimius Severus zu einer großen Stadt mit dem Namen Tripolis zusammengeschlossen. Der Name Tripolis (drei Städte) wurde bis heute beibehalten.

Die Geschichte der Stadt war auch weiterhin geprägt von der Eroberung durch die mächtigen Völker der Zeitgeschichte. Ab dem 7. Jahrhundert herrschten die Berber, ab dem 12. Jahrhundert die Normannen. Nach unzähligen Machtwechseln zwischen lokalen Völkern und Machthabern bis zum anfänglichen 16. Jahrhundert, konnten die Spanier 1510 die Herrschaft über Tripolis erlangen und einen spanischen Statthalter zur Leitung der Politik einsetzen. Diese Herrschaft hielt allerdings ebenfalls nur bis zum Jahr 1551 als die Osmanen unter Führung von Turgut Reis die Stadt einnehmen konnten.

Die Osmanen konnten trotz vieler interner Konflikte die Macht über Tripolis bis ins Jahr 1911 behaupten. In diesem Jahr wurde Tripolis im Zuge des Italienisch-Türkischen Krieges durch Italien besetzt. Die Italiener kamen mit dem Anspruch, die libysche Bevölkerung von der osmanischen Herrschaft zu erlösen, stießen jedoch auf großen Widerstand. Trotz des immensen Widerstands gelang die Kolonisation. Man versuchte italienische Siedler in der Stadt zu integrieren, sodass 1922 etwa ein Drittel der Bevölkerung der Stadt Italiener waren. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurde Tripolis im Jahr 1943 von Großbritannien und Frankreich besetzt. Im Jahr 1949 beschlossen die Vereinten Nationen Libyen die Unabhängigkeit zurückzugeben und im Jahr 1951 gründete sich eine konstitutionelle Monarchie unter König Idris. Tripolis wurde 1963 wieder offiziell zur Hauptstadt ernannt.

Tripolis: Ära Gaddafi

Die sozialen Spannungen im Land verstärkten sich nach Jahren der aufgezwungenen Politik über die nächsten Jahre zusehends, bis es schließlich am 01.09.1969 zum Umsturz der Monarchie durch einen Militärputsch kam. Nach dem Erfolg der Revolution verließen die verbliebenen Italiener das Land, da der Führer der Revolution, Muammar al-Gaddafi, eine Politik der radikalen Arabisierung und Islamisierung des Landes und seiner Bevölkerung anstrebte. So wurden in der Geschichte der Revolution die ehemalige Kathedrale von Tripolis zur Moschee umgestaltet, Englisch- und Italienischunterricht an den Schulen verboten und der Import von Schweinefleisch untersagt.

Gaddafi versuchte in den Folgejahren eine panarabische Union zusammen mit einigen Nachbarländern zu gründen, was allerdings auch daran scheiterte, dass er die Führung dieser Organisation übernehmen wollte. Es wurden außerdem alle Erdölgesellschaften und mehrere Banken verstaatlicht. Obwohl Gaddafi zwischenzeitlich von allen Staatsämtern zurücktrat, hatte er dennoch stets die Macht über die Politik des Landes auf sich konzentriert.

Im Jahr 2011 kam es schließlich zum Ersten Bürgerkrieg in Libyen, bei dessen Ausbruch auch Gaddafi getötet wurde. Die genauen Todesumstände sind bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Bis heute gibt es Konflikte zwischen den beiden libyschen Fronten, die unter Hilfe der internationalen Gemeinschaft verhandelt werden. Da sich die Regierung Gaddafis bei Beginn des Krieges in Tripolis befand, ist der Regierungssitz der neuen Regierung noch heute in der Stadt Tobruk zu finden.

Tripolis: Politik

Da sich der Regierungssitz Libyens noch heute außerhalb der Hauptstadt befindet, spricht man in der Bevölkerung oft von einer ‚Scheinhauptstadt‘. Obwohl es bevölkerungstechnisch die größte Stadt des Landes ist, ist de facto keine wichtige Institution der Politik hier angesiedelt.

Gaddafi etablierte in der Geschichte der Revolution eine Republik lokaler Räte. Die Vorstellung war, dass lokale Versammlungen von Anwohnern Politik mitbestimmen sollten. Natürlich war dieses Vorgehen der Scheindemokratisierung und -dezentralisierung vor allem ein geschicktes Spiel mit der Bevölkerung. In Wahrheit wurden die einzelnen Räte vom Revolutionären Komitee bespitzelt und deren Entscheidungen in den höheren Ebenen nicht befolgt.

Tripolis: Wirtschaft

So wenig wie Tripolis eine Rolle in der Politik spielt, so wichtig ist die Hauptstadt in der Wirtschaft des Landes. Durch seine Lage am Mittelmeer ist Tripolis ist ein Hauptumschlagsplatz für Waren aller Art, die im Land hergestellt werden. Außerdem ist die Stadt das Dienstleistungszentrum des Landes. Viele Banken, Versicherungsunternehmen und Telekommunikationsunternehmen haben hier ihren Sitz.

Die größten Warengruppen, die in Tripolis hergestellt werden, sind: Lebensmittel, Textilien, Baumaterialien und Tabak. Durch die Geschichte der Bürgerkriege war Libyen von einer Reihe von Sanktionen betroffen, die nach und nach gelüftet wurden und das internationale Investitionsinteresse angeregt haben. Die Wirtschaft ist jedoch nach wie vor im Vergleich zu anderen Ländern sehr unfrei. So ist es zum Beispiel für die Bevölkerung trotz hoher Inflation des Dinars nicht möglich, US-Dollar zu kaufen. Sie müssen diese zu einem drastisch höheren Kurs auf dem Schwarzmarkt erstehen, was wiederum Geld in die Kassen der Milizen spült.

Tripolis: Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Durch die anhaltenden Konflikte in Libyen ist der Tourismus im Land leider nur sehr schwach ausgeprägt, da die Sicherheitslage nach wie vor prekär ist. Sollte man dennoch in den Genuss kommen, das Land zu besuchen, gibt es durch die bewegte Geschichte von Land und Bevölkerung doch einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken:

  • Römischer Ehrenbogen: Dieser Ehrenbogen wurde etwa 180 nach Christus für Kaiser Marcus Aurelius erbaut. Er ist heute noch in einem bemerkenswert guten Zustand. Das kommt unter durch das Auslassen der Kampfhandlungen um derartige Kulturgüter. Darauf hat sich die Politik international verständigt.
  • Spanische Hafen-Festung: Aus der Zeit der Spanier im 16. Jahrhundert, lässt sich eine Verteidigungsfestung am Hafen bestaunen.
  • Die Gamal-Abdel-Nasser-Moschee: Die Moschee war ursprünglich als Kathedrale Santa Maria degli Angeli von der italienischen Kolonialmacht errichtet worden. Nach der Machtübernahme durch Gaddafi, wurde die Kirche zur Moschee umgestaltet und bis heute so genutzt.
  • Friedhof Bir al-Osta Milad: Dieser Friedhof ist ein trauriges Mahnmal für auf der Flucht nach Europa auf dem Mittelmeer ertrunkene Menschen. Auf diesem ‚Friedhof der Namenlosen‘ werden angespülte Leichen asylsuchender Menschen beigesetzt.

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