VonJohannes Welteschließen
Im Dreiländereck Österreich/Tschechien/Bayern stoppte die Polizei am Wochenende drei Transporter mit insgesamt 93 Migranten an Bord. Sie kamen vor allem aus der Türkei.
Salzburg – Auf der Balkanroute, die von der Türkei über das ehemalige Jugoslawien über Österreich führt, versuchen immer mehr Menschen aus der Türkei nach Deutschland zu kommen.
Verfolgungsjagd an österreichischer Grenze
Beim Autobahngrenzübergang Walserberg (Flachau) haben laut ORF Salzburger Polizisten am Samstagnachmittag nach einer Verfolgungsjagd zwei mutmaßliche Schlepper gestoppt – eine Deutsche und einen Syrer, beide 21 Jahre alt. Ihr Ford Transit war der Polizei bei Eugendorf nördlich von Salzburg aufgefallen, das Duo türmte.
Erst kurz vor der bayerischen Grenze am Walserberg stoppte die Polizei den Transporter nach zehn Kilometern Verfolgungsjagd. Dabei fuhr die Frau, die plötzlich am Steuer saß, auf das Heck des Streifenwagens auf. Zwei Beamte wurden dabei verletzt. Das Duo wurde verhaftet, es wollte den Ermittlern zufolge elf türkische Migranten, darunter vier Kinder, illegal nach Deutschland bringen.
Österreich: 53 Geflüchtete in einem Kleintransporter in Linz aufgegriffen
Auch in Linz wurde am Sonntagmorgen bei einer Verkehrskontrolle der Polizei der Innenstadt in der Rudolfstraße ein Kleintransporter mit 53 Personen aus der Türkei entdeckt. Auch diese Menschen wollten nach Deutschland. Drei der vier Schlepper (18 bis 28 Jahre alt) waren ebenfalls aus der Türkei. Einer versuchte zu flüchten, wurde aber schnell gestellt. Erst vergangene Woche gab es einen Schlepperaufgriff in Linz: Ein Verdächtiger war mit 19 kurdischen Migranten unterwegs.
Der Eindruck, dass die Zahl der Migranten steigt, täuscht aber: In einer Presseaussendung der Polizei Oberösterreich wird darauf verwiesen, dass die Aufgriffszahlen mehr als 60 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2022 liegen würden „mit fortlaufender Tendenz“. Dies sei auf die massiven polizeilichen Maßnahmen an den Grenzen wie auch im Hinterland und im Ausland zurückzuführen.
Schlepper weichen von Österreich nach Tschechien aus
Manche Schleuser versuchen darum mittlerweile ihr Glück damit, von Österreich aus über Tschechien nach Deutschland zu kommen: Am Grenzübergang Waidhaus/Rozvadov (Oberpfalz) versuchte ein Schlepper am Sonntag, 29 Personen aus Syrien in einem Transporter nach Deutschland zu bringen. Die 29 Insassen des Transporters hatten keine gültigen Papiere und waren zwischen sechs und 40 Jahre alt, wie die Bundespolizei mitteilte. Der Schleuser selbst konnte bei der Kontrolle bei Waidhaus zunächst flüchten.
Nach zwei Stunden wurde der Mann fünf Kilometer entfernt gestellt und festgenommen. Es handelt sich laut Bundespolizei um einen 30-jährigen Türken, der nun wegen des Verdachts des Einschleusens von Ausländern angezeigt wird. Die 29 Personen auf der Ladefläche müssen sich wegen unerlaubter Einreise verantworten.
Mittlerweile mehr Geflüchtete aus der Türkei als aus Syrien
Auffallend ist, dass viele türkische Staatsbürger versuchen, nach Deutschland einzureisen. Im vergangenen Jahr 2022 wurden laut Bundesamt für Migration knapp 24.000 Asylerstanträge türkischer Staatsbürger und Staatsbürgerinnen registriert, im Jahr zuvor waren es nur gut 7000 Geflüchtete aus dem Land. Bis Ende Mai waren es heuer bereits mehr als 15.000 Erstanträge.
Im Juli hat die Türkei mit 3791 Erstanträgen sogar Afghanistan (3750) überholt und steht nun auf Platz zwei hinter Syrien mit 7566 Erstanträgen. Die Vereinigung ProAsyl nennt als Gründe: „Die staatliche Verfolgung richtet sich gegen die kurdische Freiheitsbewegung, weitere ethnische Minderheiten, LGBTIQ, unabhängige Journalist*innen oder auch die politische Opposition.“ Nach dem Wahlsieg von Präsident Recep Erdogan Ende Mai hätten viele keine Hoffnung mehr.
Türken wollen selbst Migranten aus ihrem Land los werden
Allerdings verlassen auch viele Migranten aus Syrien, Afghanistan oder auch dem Iran derzeit die Türkei, wo sich bislang über vier Millionen Geflüchtete aufhielten. Der Druck auf die Migranten wird in der Türkei größer. Fast 90 Prozent der Türken sprachen sich in Umfragen für die Rückkehr der syrischen Flüchtlinge in das Bürgerkriegsland aus.
Auch die permanente Wirtschaftskrise (die Inflation lag im August bei 47,8 Prozent) treibt vor allem junge Türken aus dem Land: In einer Umfrage gaben bereits 2021 drei von vier Befragten zwischen 18 und 25 Jahren an, dass sie das Land verlassen würden, wenn sie könnten.


