Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Heftige Unwetter: Sturzfluten und Erdrutsche drohen – Türkei-Urlauber müssen sich wappnen

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Während Westeuropa trocken und stabil bleibt, drohen im Osten Europas schwere Unwetter mit teils extremen Regenmengen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Während sich in Westeuropa das Hoch Rita festigt und für trockenes Wetter sorgt, passiert auf der anderen Seite, in Osteuropa und Südosteuropa, das Gegenteil. Erneut starker Regen und schwere Gewitter.

Hamm – Über Westeuropa setzt sich in diesen Tagen eine stabile Hochdruckwetterlage durch. Trockene Luftmassen sorgen in großen Teilen Frankreichs, Deutschlands, der Benelux-Staaten und Spaniens für weitgehend ruhiges, spätsommerlich mildes Wetter. Regen ist hier kaum ein Thema.

Im Gegensatz dazu dreht sich die Wetterlage über dem östlichen Mittelmeerraum und dem Balkan und wird deutlich turbulenter. Während westlich des Kontinents kaum eine Wolke am Himmel steht, entwickeln sich über dem Osten kräftige Tiefdrucksysteme, die die Atmosphäre regelrecht aufmischen.

Stabiles Hoch im Westen, Unwetter im Osten

Verantwortlich für die brisante Wetterlage sind zwei Tiefdruckgebiete: „Detlef“ und „Barbara“. Tief Detlef wurde nach dem deutschen Patensystem benannt – in diesem Jahr tragen Tiefs in Deutschland männliche Namen. Barbara hingegen erhielt ihren Namen außerhalb Deutschlands, was auch die weibliche Namensgebung erklärt. Gemeinsam sorgen die beiden Systeme für eine ausgeprägte Luftmassengrenze über Südosteuropa. Dort treffen warme, feuchte Mittelmeerluft und kühlere Luftmassen aus dem Norden aufeinander – eine explosive Mischung, die schwere Gewitter, Starkregen und teils auch Sturmböen begünstigt.

Extreme Regenmengen und Überschwemmungen

Von Rumänien über Bulgarien bis nach Griechenland und in Teilen der Türkei muss in den kommenden Tagen mit heftigen Unwettern gerechnet werden. Lokal sind zwischen 50 und 100 Litern Regen pro Quadratmeter möglich, stellenweise können die Mengen bei stationären Gewittern noch darüber liegen. Besonders in gebirgigen Regionen drohen dadurch Sturzfluten und Erdrutsche. Auch in der Westtürkei, etwa entlang der Ägäisküste, sind heftige Gewitter und Überschwemmungen zu erwarten. Die Kombination aus Starkregen und unruhiger See stellt für Bevölkerung und Touristen eine erhebliche Gefahr dar.

Urlauber sollten Wetterlage ernst nehmen

Wer in den kommenden Tagen in Südosteuropa, besonders in Griechenland oder der Türkei Urlaub macht, sollte die Wetterentwicklung genau verfolgen. Ab Mitte der Woche (8. Oktober) bis zum Wochenende (12. Oktober) können Unwetter örtlich sehr heftig ausfallen. Experten vor Ort raten, auf lokale Warnungen zu achten, Ausflüge im Freien zu vermeiden und bei Starkregen tiefer gelegene Gebiete zu meiden. Begünstigt wird die Intensität der Gewitter durch das nach wie vor ungewöhnlich warme Mittelmeerwasser, das als Energielieferant für die Tiefs dient. Bis zum Wochenende dürfte sich die Lage nur langsam beruhigen.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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