Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Hurrikan Erin rast über Atlantik – Überreste bescheren Europa völlig neues August-Wetter

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Hurrikan Erin sorgt für Schlagzeilen. Seine Überreste könnten das Wetter in Europa entscheidend beeinflussen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Hurrikan Erin gehört zu den eindrucksvollsten Stürmen dieser atlantischen Saison. Innerhalb kürzester Zeit stieg er von einem Tropensturm zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie auf und erreichte Windgeschwindigkeiten jenseits der 250 km/h. Diese rasante Intensivierung stellt Meteorologen vor große Herausforderungen, denn so eine explosive Entwicklung kommt nur selten vor.

Hurrikan Erin nimmt Kurs auf Europa. Am Sonntag (24. August) erreicht er den Nordatlantik, wandelt sich dann in ein außertropisches Sturm- oder Orkantief um.

Inzwischen hat sich Erin leicht abgeschwächt, bleibt aber weiterhin ein großflächiger und sehr kräftiger Wirbelsturm. Aktuell zieht er in nordöstlicher Richtung über den offenen Atlantik und beeinflusst bereits die Küstenregionen Nordamerikas durch hohen Wellengang und gefährliche Brandung. Auch ohne direkten Landfall sorgt er damit für erhebliche Gefahren, bevor er sich weiter in Richtung Europa orientiert.

Hurrikan Erin: Auswirkungen auf den Atlantikraum

Die Hauptgefahr in den USA und Kanada besteht in den meterhohen Wellen und den damit verbundenen Überflutungen entlang exponierter Küstenabschnitte. Besonders an der Ostküste der Vereinigten Staaten sind die Bedingungen bereits jetzt herausfordernd, auch wenn der Sturm selbst nicht an Land trifft.

Bermuda sowie Teile des atlantischen Kanadas sind ebenfalls in Alarmbereitschaft. Meteorologisch bemerkenswert ist jedoch vor allem die enorme Energie, die Erin in die atmosphärische Zirkulation einbringt. Solche tropischen Wirbelstürme können, sobald sie in höhere Breiten vordringen, massive Wechselwirkungen mit dem Jetstream eingehen. Genau das macht sie für die Wetterentwicklung in Europa so bedeutsam.

Hurrikan hat Wetter-Einfluss auf Europa ab Ende August

Ab der letzten Augustwoche könnten die Überreste von Erin in Europa spürbar werden. Besonders betroffen wären voraussichtlich Großbritannien und Irland, wo sich die ex-tropischen Reste mit den dortigen Drucksystemen verzahnen. Zwei Szenarien sind derzeit denkbar: Entweder Erin stabilisiert ein Hochdruckgebiet, das sonniges und warmes Spätsommerwetter begünstigt, oder er verstärkt ein Tiefdruckgebiet, das stürmisches und regnerisches Wetter bringt.

Für Mitteleuropa spielt dabei vor allem die Frage eine Rolle, wie stark der Jetstream durch den Sturm umgelenkt wird. Ein aktiver Jetstream könnte kühlere Luftmassen nach Süden transportieren, während eine Abschwächung sommerlich warme Bedingungen verlängern würde. Damit entscheidet letztlich Erins Zusammenspiel mit den großräumigen Strömungen über die Wetterlage in Europa. Sicher ist nur: Ab Ende August wird der Sturm auch diesseits des Atlantiks seine Spuren hinterlassen.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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