VonMomir Takacschließen
Wetter-Katastrophen, die durch den Klimawandel verstärkt werden, machen viele Kinder zu Flüchtlingen. Die UN präsentieren dramatische Zahlen.
New York - Hitzewellen und Extremwetter werden Wissenschaftlern zufolge durch den Klimawandel immer häufiger und heftiger. Und somit auch Naturkatastrophen. Aktuell gibt es wieder Waldbrände aufgrund von Hitze auf der Urlaubsinsel Teneriffa. Solche Ereignisse zwingen auch Millionen Kinder zur Flucht.
Die Vereinten Nationen (UN) haben dazu jetzt einen erschreckenden Bericht präsentiert. Zwischen 2016 und 2021 mussten laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef 43 Millionen Minderjährige aufgrund von Extremwetterverhältnissen im Zusammenhang mit der Klimakrise ihr Zuhause zumindest zwischenzeitlich verlassen. Das sind rund 20.000 Kinder pro Tag.
Klimawandel: Dutzende Million Kinder wegen Wetter-Katastrophen auf der Flucht
Dabei dürften es noch viel mehr sein, die wegen Überschwemmungen, Stürmen, Dürren und Waldbränden fliehen mussten. Bei den Zahlen handele es sich nur „um die Spitze des Eisbergs“, sagte Mitautorin Laura Healy der Nachrichtenagentur AFP. Die Anzahl der durch Dürre vertriebenen Kinder sei „radikal untererfasst“, da diese Vertreibungen „weniger plötzlich auftreten und daher schwieriger zu erfassen sind“. Unicef berichtete 2019 von 50 Millionen Kindern weltweit auf der Flucht oder obdachlos.
In den erfassten sechs Jahren waren vor allem Kinder aus China und den Philippinen am stärksten betroffen. Verhältnismäßig zur Gesamtbevölkerung machten dem Unicef-Bericht zufolge Minderjährigen in kleinen Inselstaaten wie Vanuatu Stürme am stärksten zu schaffen. Überschwemmungen hätten den größten Einfluss in Somalia und im Südsudan gehabt. Diese beiden Naturkatastrophen sind für 95 Prozent aller Vertreibungen verantwortlich.
Klimabedingte Vertreibung laut Unicef-Direktorin für Kinder „erschütternde Erfahrung“
Unicef-Direktorin Catherine Russell beklagte, dass Vertreibungen für Kinder und Jugendliche traumatisch sein können. „Die Flucht mag ihnen das Leben gerettet haben, doch sie ist eine sehr erschütternde Erfahrung. So wie die Auswirkungen des Klimawandels immer größere Ausmaße annehmen, werden auch klimabedingte Fluchtbewegungen zunehmen.“ Das Wissen sei da, um der eskalierenden Herausforderung zu begegnen, sagte Russell. „Doch wir handeln viel zu langsam.“
Laut Unicef-Prognosen könnten durch den Klimawandel verstärkte Wetter-Katastrophen wie Überschwemmungen und Überflutungen von Flüssen in den nächsten 30 Jahren zu 96 Millionen Vertreibungen von Kindern führen, Wirbelstürme zu 10,3 Millionen. Sturmfluten könnten dem Bericht zufolge 7,2 Millionen Vertreibungen von Minderjährigen auslösen. 2023 etwa wagten immer mehr unbegleitete Minderjährige die gefährliche Flucht aus Afrika über das Mittelmeer. (mt)
