Unternehmen reagiert

TV-Team deckt Missstände bei Burger King auf – „13, 14 Stunden“ Arbeit am Tag normal? 

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Im Visier des Team Wallraff: Burger King soll laut Recherchen Mitarbeiter mit Überstunden füttern.
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Bei Burger King müssen sich Angestellte offenbar auf tägliche Überstunden einstellen. Die Vorwürfe eines RTL-Teams gehen aber noch deutlich weiter. Der Fast-Food-Riese verspricht Besserung. 

München - Über Geschmack lässt sich ja bestens streiten. Erst recht über die Qualität von Fast Food. Doch das Geschäft mit dem schnellen Happen boomt. Deshalb kann es auch keine zwei Meinungen geben: Burger King hat auf der ganzen Welt Erfolgsgeschichten geschrieben. Wie auch McDonald’s. Oder Subway. Oder KFC. Oder Pizza Hut. Oder oder oder.

RTL stürzt sich aber vor allem auf das US-Franchise-Unternehmen, das den Whooper weltberühmt gemacht hat. Und das dürfte der Marke gar nicht schmecken. Denn in einer neuen Folge von „Team Wallraff“ um den Investigativjournalisten Günter Wallraff wird den Vorwürfen nachgegangen, bei Burger King stünden Überstunden für Mitarbeiter an der Tagesordnung und Hygiene werde alles andere als großgeschrieben.

Team Wallraff und Burger King: „220 Stunden im Monat - dann hast du kein Privatleben mehr“

Auf derlei Missstände waren Wallraff und Co. bei ihrer Burger-King-Undercover-Einsätzen vor acht Jahren gestoßen. Nun ging es den Reportern also darum, ob sich in den Filialen etwas zum Besseren entwickelt hat. Die Aussagen eines Ex-Mitarbeiters lassen Zweifel daran aufkommen. So seien zu seinen Zeiten Schichten über „13, 14 Stunden“ normal gewesen. Die anonymisierte Person betonte: „Wenn du 220 Stunden im Monat arbeitest, dann hast du kein Privatleben mehr.“ Bei einer 40-Stunden-Woche wären das bis zu 60 Überstunden im Monat, rechnet der Sender vor.

Den Recherchen zufolge sei es jedoch nicht so einfach möglich, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. So gehe aus einem internen Wochenbericht aus einer Kölner Burger-King-Filiale aus dem Oktober 2021 hervor, dass alle Restaurants maximal 14 Prozent des Umsatzes für Personalkosten verwenden dürften. Hierzu sagt der Informant: „Zu viel Personal darf unter keinen Umständen vor Ort sein.“ Vielmehr werde „mehr Wert darauf gelegt, die Personalkosten unten zu halten, als den Umsatz zu fördern“.

Hat mit seinem Team Missstände bei Burger King aufgedeckt: Günter Wallraff schaut auch ganz genau hinter die Kulissen.

Burger King und die Mitarbeiter: Nutzt Unternehmen Menschen mit Migrationshintergrund aus?

Zu Wort kommt bei RTL auch eine Frau, die als bei Burger King angestellte Schichtleiterin vorgestellt wird. Diese wohne mit ihren Eltern zusammen, habe diese aber aufgrund der vielen Nachtschichten nicht mehr zu Gesicht bekommen: „Ich bin irgendwann verrückt geworden!“ Die dritte Quelle ist ein Mann, der als Mitarbeiter in derselben Kölner Filiale arbeite. Er sei vierfacher Vater und sei auch noch in einer Bäckerei tätig: „Ich mache niemals Pause. Ich arbeite 24 Stunden. Viel zu viel.“

Der anfangs zitierte Ex-Mitarbeiter wirft Burger King sogar vor, gezielt Menschen mit Migrationshintergrund anzuwerben. „Lieber stelle ich jemanden ein, der gerade erst in Deutschland eingereist ist und der Sprache nicht mächtig ist und nicht weiß, welche Rechte er hat. Die kommen hierher, um ein besseres Leben zu haben, und werden dann ausgebeutet“, schimpft er.

Video: Burger King nimmt vegane Burger ins Sortiment auf

Anwalt contra Burger King: „Mitarbeiter werden auf Verschleiß gefahren“

Das Team Wallraff konfrontierte mit Dr. Sven Jürgens einen Fachanwalt für Arbeitsrecht mit seinen Recherchen. Dieser findet klare Worte und moniert „eine riesengroße Sauerei“. Es werde „systematisch gegen arbeitsrechtliche Vorgaben verstoßen, es wird auf Kosten der Schwächsten versucht, den Profit zu maximieren. Es werden Mitarbeiter auf Verschleiß gefahren, es wird in Kauf genommen, dass die Mitarbeiter krank werden.“ Der Experte betont: „Das ist ein fürchterlicher Missstand und das gehört definitiv abgestellt.“

Auch Burger King Deutschland GmbH bekam die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Dabei verwies das Unternehmen auf neue Mehrheitseigentümer, die im Mai 2022 ihre Arbeit aufgenommen hätten: „Seitdem wurde ein umfassender Veränderungsprozess eingeleitet, der auch erhebliche Investitionen umfasst.“ Die Recherchen des RTL-Teams hätten teilweise lange davor stattgefunden.

Burger King reagiert auf Vorwürfe: „Benannte Restaurants umgehend geschlossen“

Ziel der neuen Eigentümer sei es, „operativ in den Restaurants noch besser zu werden und den Mitarbeitenden das Tagesgeschäft zu erleichtern“. Als Reaktion auf die Vorwürfe des Wallraff-Teams seien „entsprechende Maßnahmen ergriffen“ worden. Dazu zähle dies: „Wir haben die benannten Restaurants umgehend geschlossen und ein außerordentliches, externes Audit für alle 750 Burger-King-Restaurants in Deutschland angeordnet, das bis spätestens Ende September 2022 abgeschlossen sein wird.“

RTL erwähnt zum Abschluss, dass bereits nach früheren Recherchen von Seiten Burger Kings Besserung gelobt worden sei. Für das Unternehmen dürfte sicher sein: Von Team Wallraff bekommt es auch künftig zu hören. (mg)

In Österreich wurde mittlerweile das erste vollkommen vegane Burger-King-Restaurant eröffnet. Burger King ließ sich zum Geburtstag von Deutschlands ältester McDonald‘s-Filiale zu einer kleinen Provokation hinreißen. Dank einer Kooperation mit DHL gibt es auch bei Burger King Packstationen.

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