- VonCarmen Mörwaldschließen
Ein Bestatter blieb mit seinem Leichenwagen im Schnee liegen. Währenddessen warteten die Trauergäste auf eine Leiche, die nie ankam.
Bergamo – Nach einem tragischen Unfall am Comer See in Italien sollte eine 56-jährige Frau auf einem Friedhof an der Grenze Mailands beerdigt werden. Doch es kam anders, wie mehrere italienische Medien berichten. Die Trauergäste warteten vergebens auf den Leichenwagen, welcher zum Zeitpunkt der Beerdigung auf einem Berg östlich der Alpen im Schnee feststeckte.
Bestatter bleibt mit Leiche im Schnee stecken – und erfriert fast selbst
Der Bestatter wurde von mehreren Trauergästen in einer Kirche in Mailand erwartet. Laut dem italienischen Nachrichtenportal Corriere della Sera verirrte sich dieser aufgrund des schlechten Wetters zwischen Valtellina und Val Brembana. Der 37-jährige Fahrer hatte nicht die Autobahn vom Comer See nach Mailand genommen, sondern soll den Dordona-Pass durch die Berge des Veltlins gefahren sein. Die Schotterstraße ist normalerweise im Winter gesperrt, da sie selbst im Sommer schwer zu befahren ist. Auf rund 2000 Metern Höhe versagte das Fahrzeug. Zudem hatte der Bestatter keinen Handyempfang.
In seiner Verzweiflung steig der Fahrer aus und stampfte fast zehn Kilometer durch den Schnee, bis er eine Hütte erreichte, so Corriere della Sera. Von dort aus konnte der Italiener die Bergrettung alarmieren, welche mit Schneemobilen anrückte. Die Rettungskräfte fanden den Mann mit schwerer Unterkühlung vor. Mittlerweile liegt er im Krankenhaus. Sein Zustand ist stabil.
Ein anderes italienisches Nachrichtenportal berichtet, dass der Bestatter sich nicht verirrt habe. Stattdessen habe er diese Route genommen, um seinen Eltern auf dem Weg nach Mailand einen Besuch abzustatten. Diese hätten dann wiederum die Einsatzkräfte alarmiert, nachdem ihr Sohn nicht eingetroffen und auch nicht mehr erreichbar gewesen war, so Tgcom24.
Leiche übergeben, aber Beerdigung verschoben
Familie und Freunde der 56-jährigen Verstorbenen reagierten indes verärgert: „Die Kirche war voll, aber der Sarg kam nie an“, schimpft einer der Angehörigen gegenüber Corriere della Sera. „Es ist absurd, nicht informiert worden zu sein.“ Die Beerdigung wurde aufgrund des Vorfalls vorerst verschoben. Die Leiche wurde mittlerweile übergeben.
Der Tod der Frau hatte wenige Tage zuvor die Region erschüttert. Die 56-Jährige war am 2. Januar mit ihrem Auto versehentlich von einem Parkplatz über einen Abhang gerollt und in den italienischen Comer See gestürzt. Mit an Board waren der Ehemann und ein weiterer Verwandter. Beide überlebten, befinden sich derzeit aber noch in kritischem Zustand.
Der Comer See gehört zu den beliebtesten Reisezielen in der Region, auch bei Urlaubern aus Deutschland. Der italienische See gilt als besonders glamourös, das Ufer zieren zahlreiche Villen. Auch Megastar George Clooney besitzt dort noch ein Anwesen. Kurios: Ein paar Tage nach dem Unglück ereignete sich am gleichen Ort ein weiterer Unfall: Am 6. Januar sind zwei Menschen – ebenfalls mit dem Auto – in den Comer See gestürzt und gestorben. Wie es zu dem Unfall kam, konnte noch nicht geklärt werden. (cln)
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