- VonMiriam Haberhauerschließen
In diesen Winter kam es zu zahlreichen tödlichen Ski-Unfällen. Österreichische Experten richteten nun einen Appell an die Wintersportler.
Innsbruck – Drei Jahre mussten viele Wintersportler wegen Corona auf den Skiurlaub verzichten. Die Euphorie unter Skifahrern ist daher jetzt oftmals hoch. Doch Unachtsamkeit und fehlende Fähigkeiten führen schnell zu Leichtsinn und Unfällen. Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) richtet sich deshalb mit einem eindringlichen Appell an alle Skifahrer.
Zahlreiche tödliche Pistenunfälle: ÖKAS appelliert an Skifahrer
Immer wieder passieren tödliche Unfälle im Skiurlaub. In Tirol verunglückte am Neujahrstag eine 28-jährige Holländerin tödlich, wenige Tage zuvor war eine Zwölfjährige von der Piste abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Um derartige Unglücke zukünftig besser verhindern zu können, richtete sich das ÖKAS mit einem eindringlichen Appell an Skifahrer.
Es mangle oft an „Ski-Fitness“, sagte ÖKAS-Präsident Peter Paal gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Viele Menschen seien nach den Corona-Jahren noch weniger geübt im Wintersport als vorher. Wenn man sich dann auf die Piste begebe, drohe eine Fehleinschätzung des eigenen Könnens. „Es nützt der beste Formel-1-Bolide nichts, wenn der Pilot schlecht ist. Und bezogen auf das Skifahren muss man sagen: Die Piloten sind schlechter geworden“, sagte der ÖKAS-Präsident am Dienstag.
Schneearmer Winter: Zusätzliches Gefahrenpotenzial
Gleichzeitig sprach sich der Österreicher gegen Pisten-Sperren aufgrund von Unfällen aus. Die Abfahrten seien trotz des schneearmen Winters durchaus gut präpariert. Wer in den Skiurlaub fährt, sollte auch in der Lage sein, Kunstschnee-Pisten zu meistern und seinen Fahrstil entsprechend anzupassen, so Paal.
Der schneearme Winter bringt für die Wintersportler eine zusätzliche Gefahr: Skifahrer, die über den Pistenrand hinaus geraten, können ihre Stürze nicht durch die Schneemassen abfedern. Derartige Situationen häufen sich – zum einen aufgrund der Witterung, zum anderen durch Selbstüberschätzung und erhöhtes Tempo der Skifahrer.
Pistenbetreiber nicht in der Pflicht: „Mehr als B-Netze aufstellen nicht üblich“
Seit dem 1. November 2022 starben in Österreichs Skigebieten insgesamt 13 Menschen, davon elf in Tirol. Unter ihnen waren auch zwei deutsche Jugendliche im Alter von 17 Jahren. Auch die beiden Deutschen sollen mit hoher Geschwindigkeit über den Pistenrand einen Abgrund hinabgestürzt sein.
Pistenbetreiber müssten nur gegen jene Gefahren Vorkehrungen treffen, mit denen die Wintersportlerinnen und Wintersportler nicht rechnen könnten, sagte der Präsident des Österreichischen Alpenvereins und Jurist, Andreas Ermacora, gegenüber dem ORF Tirol. Viele der tödlichen Unfälle seien aber auf Eigenverschulden der Skifahrer zurückzuführen.
„Wenn man über den Pistenrand hinausfährt und gegen einen Baum prallt, ist das sehr tragisch, man kann es aber dem Pistenbetreiber nicht anlasten“, so Ermacora. „Mehr als B-Netze aufzustellen ist eigentlich nicht üblich und wird auch von der Rechtsprechung nicht gefordert“, so der Alpenvereinspräsident weiter. (mlh/dpa)
Rubriklistenbild: © IMAGO / Michael Kristen