- VonPatrick Klapetzschließen
Unwetter und Gewitter bereits bei ihrer Entstehung erkennen? Das will die ESA mit den MTG-Satelliten. Er soll am 13. Dezember 2022 in den Weltraum befördert werden. Was genau kann er?
Update vom 13. Dezember 2022 um 09:38 Uhr: Die europäische Raumfahrtbehörde ESA wird seinen Umweltsatelliten MTG-I1 bereits am Abend des 13. Dezembers 2022 in den Orbit befördern. Der Launch wird um 21:30 Uhr (MEZ) vom europäischen Weltraumhafen Kourou in Französisch-Guyana mit einer Ariane 5 Rakete erfolgen. Die Live-Übertragung des Starts erfolgt ab 20:45 Uhr auf YouTube.
ESA schickt Satelliten ins All: Mission startet am 13. Dezember
Erstmeldung vom 23. November 2022 um 12:33 Uhr: Kourou (Französisch-Guayana) – Stürme und Gewitter – sie können zu Naturkatastrophen führen. Umso wichtiger ist es, Unwetter frühzeitig zu erkennen. Die europäische Weltraumbehörde ESA ist ein Vorreiter der satellitengestützten Umweltüberwachung. Im Dezember 2022 will die Behörde den Wettersatelliten MTG-I1 ins Weltall befördern. Dieser soll schwere Stürme und Gewitter bereits im Frühstadium erkennen.
Schwere Stürme und Gewitter bereits im Frühstadium erkennen: Was die Esa mit dem Wettersatelliten MTG-I1 vorhat
Die kryptische Abkürzung MTG-I1 steht dabei für Meteosat Third Generation Imager-1 (Meteosat-Bildgeber der dritten Generation). Der Satellit soll am 14. Dezember 2022 vom europäischen Weltraumhafen Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana aus in den Orbit gebracht werden. In einer Höhe von ungefähr 36.000 Kilometern soll MTG-I1 dann in der geostationären Umlaufbahn (GEO) operieren. Zum Vergleich: Der Mond ist zehnfach so weit von uns entfernt, die Internationale Raumstation ISS fliegt dagegen lediglich in einer Höhe von rund 400 Kilometern über unsere Köpfe hinweg.
Esa-Wettersattelit MTG-I1 kann 80 Prozent der Erdoberfläche überblicken – Auftakt für bis zu 20 Jahre langer Erdüberwachung
Der MTG-I1 der Esa macht dabei nur den Anfang einer Flotte, die bis zu 20 Jahre lang die Erde überwachen soll. Zunächst sollen nach und nach drei Satelliten in den Orbit gebracht werden. Diese Dreierkonstellation soll später von drei weiteren Satelliten ausgetauscht werden. Insgesamt besteht das System aus zwei Satellitentypen: vier MTG-Imager und zwei MTG-Sounders.
Die Imager (Bildgebungssatelliten) der dritten Generation wurden mit deutlich besseren Spektralkanälen ausgestattet als ihre Vorgänger. Sie wurden mir einem flexiblen, kombinierten Bildgeber (Flexible Combined Imager ) ausgestattet. Zudem haben sie einen völlig neuartigen Blitzsensor (Lightning Imager) verbaut bekommen. Mit diesem Blitzsensor sollen die Imager 80 Prozent der Erdoberfläche kontinuierlich nach Blitzentladungen absuchen. Und das soll bereits im frühen Stadium eines Gewitters oder Sturms gelingen – unabhängig ob es Tag oder Nacht ist. Bereits sehr schwache Gewitter können mit diesem Sensor erkannt werden.
„Der Lightning Imager ist in der Lage, Blitzsignale zu erkennen, die nur sechs Millisekunden dauern - und das aus einer Entfernung, die so groß ist, als würde man seine Lieblingssendung in drei Kilometern Entfernung vom Fernsehgerät sehen“, erklärt Carlo Simoncelli. Er ist der MTG Lightning Imager Programm-Manager bei Leonardo.
Esa-Wettersatteliten um MTG-I1: Eine Dreierkonstellation für eine frühe Wettervorhersage
Jeder Satellit der Esa-Dreierkonstellation hat seine eigene Aufgabe: Einer deckt den Großteil der Erdoberfläche ab und macht von jeder Region eine Aufnahme und das etwa alle zehn Minuten. Der zweite Satellit wird sich dagegen auf eine kleinere Region beschränken, dafür aber häufiger Bilder liefern. Die Sounders werden im Gegensatz zu den Imagern mit einem Infrarotsensor (IRS) und einen Ultraviolett-, Sicht- und Nahinfrarotsensor (UVN) ausgestattet sein. Sie sollen eine schnelle lokale Abdeckung im 15-Minuten-Takt von ausgewählten Teilen der Erde ermöglichen.
„Mit Hilfe der MTG-Daten werden wir zum Beispiel in der Lage sein, Stürme mehrere Stunden im Voraus vorherzusagen, was für die Ausgabe von Warnungen für die zivile Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist“, sagt Hervé Roquet, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Météo-France.
Das genaue Startfenster am 14. Dezember 2022 wurde noch nicht bekannt gegeben. Neben MTG-I1 befindet sich auch zwei Kommunikationssatelliten des luxemburgischen Betreibers Intelsat an Bord der europäischen Trägerrakete Ariane 5: die Satelliten Galaxy 35 und 36. Der zweite MTG-I-Satellit soll voraussichtlich 2025 starten. Nummer drei könnte 2032 und der vierte Imager-Satellit 2035 ins All befördert werden. Die Launchtermine der beiden Sonder-Satelliten sind für 2024 und 2034 geplant.
