VonPatrick Mayerschließen
Schwere Unwetter hinterlassen im Süden Österreichs und im Norden Sloweniens Bilder der Verwüstung. Ein betroffener Steirer kann im ZDF seine Emotionen nicht zurückhalten.
München/St. Johann im Saggautal/Prevalje – Leibnitz im äußersten Süden der Steiermark hat es besonders schlimm erwischt. Nach tagelangen starken Regenfällen trat der Fluss Mur über die Ufer, wegen des vielerorts aufgeweichten Bodens folgten Erdrutsche und Murengänge. Also Gesteinslawinen, die sich mit großer Wucht Hänge hinab ihren Weg bahnen.
Unwetter in Österreich und Slowenien: Einwohner der Steiermark äußern sich verzweifelt
Neben der Mur wird die hügelige Region im Südosten Österreichs an der Grenze zum Westbalkan von etlichen Bergbächen durchzogen. Genau dieser Umstand wurde auch der kleinen Gemeinde Sankt Johann im Saggautal mit ihren knapp 2000 Einwohnern zum Verhängnis. Einem Ort, der just durch besagte Saggau und etwas Weinbau geprägt wird. Ein Ort, der in den vergangenen Tagen ebenfalls stark verwüstet wurde.
Manfred Neukam, ein Einwohner aus St. Johann im Saggautal, stand am Wochenende symbolisch für die Verzweiflung der Menschen in den betroffenen Unwetter-Gebieten zwischen Österreich, Slowenien und Kroatien. Denn: Der ältere Herr gab mehreren Medien tränenreiche Interviews, zum Beispiel dem ZDF.
Unwetter in Österreich und Slowenien: Steirer bricht in ZDF-Interview in Tränen aus
„Das ist mein Platz, hier bin ich aufgewachsen“, sagte Neukam im Interview mit dem „heute journal“ vor einem vom Einsturz bedrohten Haus. Der österreichischen Kronen Zeitung erzählte er: „Wir haben jetzt kein Heimathaus mehr, hat mein Bruder nur am Telefon gesagt. Das ist das Elternhaus. Das sind wir einmal pro Woche zusammengesessen.“ Bürgermeister Johann Schmid meinte im ZDF zu den Erdrutschen: „Das Schlimme ist, dass wir zwei Tage mit dem Hochwasser hinter uns hatten. Jetzt das dazu – es ist eine Katastrophe.“
Der Fluss hat alles mitgerissen, mehr als 200 Häuser sind hier untergegangen.
Unwetter in Österreich und Slowenien: In Prevalje werden Häuser vom Wasser mitgerissen
Ebenso dramatisch ist die Situation auf der anderen Seite der Grenze. „Der Fluss hat alles mitgerissen, mehr als 200 Häuser sind hier untergegangen“, erzählte Matic Tasic, Bürgermeister der slowenischen Industriegemeinde Prevalje. Hier, in der Region Koroška (Slowenisch-Kärnten), sorgte der sonst schmale Fluss Mieß für gefährliche Überschwemmungen – vereinzelt wurden Häuser durch die Wassermassen einfach mitgerissen.
„An manchen Stellen gibt es kein Flussbett mehr. Es gibt auch keine Flüsse mehr. Es gibt nur noch Wasser“, erklärte Secko Sestan, Kommandeur des Zivilschutzes in Slowenien. Allein in dem kleinen Land mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern sollen die Schäden in die Milliarden gehen. Die Regierung aus Ljubljana bat die Europäische Union (EU) und das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato um technische Hilfe bei der Bewältigung der Flutschäden, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Helikoptern.
Unwetter in der Steiermark: Leibnitz und Südosten zu Katastrophengebiet erklärt
Die slowenische Regierung schätzte den Schaden durch die Naturkatastrophe einzig bis Sonntagabend (7. August) auf rund 500 Millionen Euro, in der österreichischen Steiermark gibt es noch gar keine Schätzungen. Am Sonntag wurden Leibnitz und die Südoststeiermark von den regionalen Behörden indes bis auf Weiteres zum Katastrophengebiet erklärt, während auch die kroatische Urlaubsregion Istrien stellenweise mit Schlammmassen zu kämpfen hatte – aber vergleichsweise glimpflich davonkam. (pm)
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