Straßensperrung in Südtirol

Unwetter und Murenabgang isolieren Südtirol-Ort für Stunden – „Hat sich immer wieder Material gelöst“

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Der kleine Bergort Pfunders in Südtirol war für kurze Zeit erneut isoliert: Nach heftigen Regenfällen war die Straße unpassierbar.

Pfunders – Die angespannte Wetterlage in Südtirol sorgte Anfang der Woche erneut für massive Probleme in der Erreichbarkeit abgelegener Ortschaften: Die Landesstraße nach Pfunders war nach mehreren Erdrutschen und anhaltende Regenfällen für bestimmte Zeit komplett gesperrt. Nach einem Einsatz von Feuerwehrkräften und Räumfahrzeugen konnte die Verbindung jedoch am Mittwochmittag wieder freigegeben werden – das Pfunderer Tal ist damit endlich wieder erreichbar.

Zuvor hatten anhaltende Regenfälle in der Nacht auf Dienstag einen neuen Murenabgang im Bereich des Kammerschiener Grabens ausgelöst. Die Fahrbahn wurde dabei erneut von Geröll, Schlamm und großen Mengen Holz überdeckt. „Es hat sich immer wieder Material gelöst“, erklärte Feuerwehrkommandant Hans Neumair gegenüber Südtirol News. Ein verstopftes Rohr unter der Straße, das normalerweise einen kleinen Bach ableitet, verschärfte die Lage zusätzlich und machte die Straße unpassierbar, wie stol.it berichtet.

Ganzes Dorf unter Erdmassen – Bilder zeigen dramatisches Ausmaß des Gletschersturzes in der Schweiz

Gletscherabbruch im Wallis: Monumentale Lawine aus Eis und Geröll donnerte mit ohrenbetäubendem Lärm talwärts.
Am 28. Mai um 15.30 Uhr stürzt der Großteil des Birchgletschers in der Schweiz ab. Eine monumentale Lawine aus Eis und Geröll donnerte mit ohrenbetäubendem Lärm talwärts.  © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletscherabbruch im Wallis: Lawinen flossen bis zum Schutzdamm des angrenzenden Dorfes Blatten.
Mehrere Lawinen gingen vom Birchgletscher im Lötschental ab. Trümmer der Lawinen flossen bis zum Schutzdamm des angrenzenden Dorfes Blatten. © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletschersturz in der Schweiz: Behörden lassen Dorf bereits Tage zuvor evakuieren.
Der Gletschersturz wurde bereits vorhergesagt, die Behörden haben deshalb das angrenzende Dorf Blatten bereits am 22. Mai evakuieren lassen.  © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletscherabbruch im Wallis: Lawine rast mit Lärm talwärts.
Die Eis- und Geröllmassen überrollen alles auf ihrem Weg. Bäume werden entwurzelt, Felsen weggerissen, während die Lawine Richtung Blatten rast. © Jean-Christophe Bott/dpa
Lawine in der Schweiz begräbt Häuser unter sich – mittlerweile steht sie.
Die Lawine erreicht das evakuierte Dorf Blatten und begräbt mehrere Häuser unter sich. Mittlerweile ist sie zum Stillstand gekommen.  © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletschersturz in der Schweiz: Eine gigantische Staubwolke hüllte das gesamte Tal ein und verdunkelt den Himmel.
Die Lawine erreicht Geschwindigkeiten von mehreren Metern pro Sekunde. Eine gigantische Staubwolke hüllte das gesamte Tal ein und verdunkelt den Himmel.  © Jean-Christophe /dpa
Gletscherabbruch im Wallis: Das Gewicht des auf den Gletscher gestürzten Materials wurde auf 9 Millionen Tonnen geschätzt.
Das Gewicht des auf den Gletscher gestürzten Materials wurde auf 9 Millionen Tonnen geschätzt. Ein ganzer Landstrich ist von den Lawinen betroffen.  © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletscherabbruch im Wallis: Ursprünglich waren 4 bis 6 Millionen Kubikmeter Felsmasse als absturzgefährdet eingeschätzt worden.
Ursprünglich waren 4 bis 6 Millionen Kubikmeter Felsmasse als absturzgefährdet eingeschätzt worden. © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletscherabbruch im Wallis: Am Tag der Evakurierung waren zwei bis drei Millionen Kubikmeter Felsbrocken vom Kleinen Nesthorn abgebrochen.
Bereits am Tag der Evakurierung waren zwei bis drei Millionen Kubikmeter Felsbrocken vom Kleinen Nesthorn abgebrochen und auf den Birchgletscher gerollt.  © Jean-Christophe Bott / dpa
Gletscherabbruch im Wallis: Die genaue Menge der abgebrochenen Gletschermasse wird derzeit noch von den Behörden erfasst.
Die genaue Menge der abgebrochenen Gletschermasse in der Schweiz wird derzeit noch von den Behörden erfasst. © Jean-Christophe Bott/dpa
Eine Luftaufnahme, die einen Tag nach einer massiven Lawine, die durch den Abbruch des Birchgletschers ausgelöst wurde, aufgenommen wurde, zeigt einen See und die Zerstörung, die sie anrichtete, als sie auf den Talboden beim Dorf Blatten niederging.
Eine Luftaufnahme, die einen Tag nach der massiven Lawine, die durch den Abbruch des Birchgletschers ausgelöst wurde, aufgenommen wurde, zeigt einen See und die Zerstörung, die sie anrichtete, als sie auf den Talboden beim Dorf Blatten niederging.  © Jean-Christophe Bott/dpa
90 Prozent des Alpen-Dorfes wurden bei dem Bergsturz zerstört.
90 Prozent des Alpen-Dorfes wurden bei dem Bergsturz zerstört. © Jean-Christophe Bott/dpa
Die rund 300 Einwohner von Blatten wurden bereits im Vorfeld evakuiert. Dennoch gilt eine Person als vermisst.
Die rund 300 Einwohner von Blatten wurden bereits im Vorfeld evakuiert. Dennoch gilt eine Person als vermisst. Sie soll sich zum Zeitpunkt des Gletschersturzes im betroffenen Gebiet aufgehalten haben. © Jean-Christophe Bott/dpa
Ein Gletscherabbruch ereignete sich im Schweizer Kanton Wallis – mit verheerenden Auswirkungen.
Die gigantischen Geröllmassen haben das Flussbett der Lonza verstopft. Der See, der sich dahinter gebildet hat, dürfte „in den frühen Morgenstunden“ des Freitags (30. Mai) überlaufen, wie Christian Studer von der Dienststelle Naturgefahren im Lötschental sagte.  © Alexandre Agrusti / AFP
Der Pegelstand des entstandenen Sees hinter den Geröllmassen steige ständig, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Die meisten der wenigen übriggebliebenen Gebäude im Dorf Blatten stünden bereits im Wasser.
Der Pegelstand des entstandenen Sees hinter den Geröllmassen steige ständig, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Die meisten der wenigen übriggebliebenen Gebäude im Dorf Blatten stünden bereits im Wasser. © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
Die Anwohner in der Schweiz bringen ihre Tiere in Sicherheit.
Die Anwohner in der Schweiz bringen ihre Tiere in Sicherheit. © Jean-Christophe Bott/dpa
Schafe werden von den Nachbargemeinden mit einem Hubschrauber abtransportiert.
Schafe werden von den Nachbargemeinden mit einem Hubschrauber abtransportiert. © Jean-Christophe Bott/dpa
Auch Soldaten der Schweizer Armee sind am Unglücksort in den Schweizer Alpen eingetroffen.
Auch Soldaten der Schweizer Armee sind am Unglücksort in den Schweizer Alpen eingetroffen. © Jean-Christophe Bott/dpa
Sogar Autos werden von Helikopter aus dem verschütteten Dorf Blatten transportiert.
Sogar Autos werden von Helikopter aus dem verschütteten Dorf Blatten transportiert. © Jean-Christophe Bott/dpa
Ein großer Teil des Dorfes Blatten im Lötschental im Kanton Wallis wurde unter Massen von Eis, Schlamm und Felsen begraben. Die Bewohner stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.
Ein großer Teil des Dorfes Blatten im Lötschental im Kanton Wallis wurde unter Massen von Eis, Schlamm und Felsen begraben. Die Bewohner stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. © Jean-Christophe Bott/dpa
Derweil droht bereits die nächste Katastrophe. Im Fluss Lonza hat sich der Schutt zu einem meterhohen Damm aufgetürmt. Dahinter staut sich das Wasser. Sollte dieser brechen, droht eine Flutwelle.
Derweil droht bereits die nächste Katastrophe. Im Fluss Lonza hat sich der Schutt zu einem meterhohen Damm aufgetürmt. Dahinter staut sich das Wasser. Sollte dieser brechen, droht eine Flutwelle. © Jean-Christophe Bott/dpa

Zwischenzeitlich konnte die Straße am Dienstagmorgen nur für kurze Zeit einspurig geöffnet werden – unter anderem, um einen Schülerbus passieren zu lassen. Bereits gegen 9 Uhr musste die Strecke jedoch erneut gesperrt werden, da neue Regenfälle weiteres Geröll auf die Straße schwemmten. „Es rinnt einfach zu viel Wasser auf der Straße. Auch die Bagger sind noch im Einsatz“, so Neumair weiter.

Erdrutsch in Südtirol: Straßenverkehr temporär eingeschränkt

Auch die Wetterlage trug maßgeblich zur kritischen Situation bei. Landesmeteorologe Dieter Peterlin wies auf der Plattform X darauf hin, dass im Pustertal – etwa in Terenten – innerhalb von 24 Stunden bis zu 90 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen seien. „Das ist fast so viel wie normalerweise im gesamten Monat Juni fällt“, so Peterlin. Weitere Regenschauer und Gewitter seien weiterhin zu erwarten, eine nachhaltige Wetterberuhigung zeichne sich frühestens in den kommenden Tagen ab.

Im Laufe des Dienstags blieb zunächst unklar, wann eine Freigabe möglich wäre. Laut stol.it wurden insgesamt 78 Lkw-Ladungen an Geröll, Schlamm und Holz von der Fahrbahn abtransportiert – ein Kraftakt, der durch Videos der laufenden Räumungsarbeiten eindrucksvoll dokumentiert wurde.

Temporär von der Außenwelt abgeschnitten: Pfunders (1.223 m) und Weitental – ein 700-Seelen-Dorf auf 880 Metern – das zur Gemeinde Vintl gehört.

Straße ins Tal wieder frei – Aufräumarbeiten abgeschlossen

Am Mittwochmittag, den 4. Juni 2025, schließlich die Entwarnung: Gegen 12 Uhr konnte die Straße nach Pfunders wieder vollständig für den Verkehr geöffnet werden. Die Situation habe sich spürbar entspannt, meldet .stol.it. Damit ist das Pfunderer Tal nach mehreren Tagen Isolation endlich wieder uneingeschränkt erreichbar – zur großen Erleichterung der betroffenen Einwohner und Einwohnerinnen. Glücklicherweise gab es trotz der Unwetterlage bislang keine Verletzten. Auch Schäden an Gebäuden wurden nicht registriert. Dennoch zeigte die Situation einmal mehr, wie verwundbar abgelegene Regionen gegenüber extremen Wetterereignissen sind – und wie stark sie auf funktionierende Infrastruktur angewiesen bleiben. (ls)

Rubriklistenbild: © LFV Südtirol

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